Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 83

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Boethius : Arithmetik
 
Cassiodor , Isidor : Orthographie
 
Servius : Metrik
Entstehungszeit
Ende 9. Oder Anfang 10. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
90 Blätter
Format
225 mm x 190 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-4610 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 83

Überblickbeschreibung

Die Handschrift bietet in ihrer inhaltlichen Zusammenstellung von Arithmetik sowie Orthographie und Metrik den Stoff zweier Disziplinen der Sieben Freien Künste. Die Orthographie und Metrik (Versmaß) gehören zum Trivium (Grammatica-Rhetorica), die Arithmetik zum Quadrivium (Arithmetica-Musica). Wann die beiden nach Schriftgröße und Zeilen verschiedenen Teile zusammenkamen, ist ungewiß, doch lassen ihre Einrichtung und Schattierung von Anfangsbuchstaben mit Grün auf dasselbe Skriptorium als Entstehungsort schließen. Welches Skriptorium es war, kann hier nicht entschieden werden.

Boethius (475/480-524) verfaßte die zwei Bücher der 'Institutio arithmetica' (I) auf der Grundlage griechischer Vorbilder (Nikomachos von Gerasa, um 100), die letztlich auf die pythagoreische Zahlen- und Harmonielehre zurückgehen. In der römischen Literatur blieb dieses Werk ein Unikum (vgl. Dom Hs. 186, Kat.Nr.65). Mit der Grammatik und Orthographie hatte sich Cassiodor (um 485-um 580) schon in seinen 'Institutiones' befaßt, die er zwischen 551 und 562 für seine Mönche in Vivarium schrieb. Aus Sorge um die Erhaltung der Sprach- und Schriftkultur verfaßte er als 92jähriger Greis noch 'De orthographia' (II). Im Anschluß an Cassiodor bringt die Kölner Handschrift das Kapitel Orthographie aus Isidors 'Etymologiae' (III), deren erstes Buch dieses Kapitel enthält. Isidor von Sevilla (um 560-636) hatte seine Enzyklopädie für den Westgotenkönig Sisebut (612-621) geschrieben, doch war sie bei seinem Tod 636 noch unvollendet. Letzte Hand daran legte Bischof Braulio von Zaragoza (nach 581-um 651) an; er war auch Isidors Auftraggeber. Die Sammlung schließt mit 'De centum metris' des im 4. Jahrhundert n.Chr. in Rom tätigen Grammatikers Servius Maurus. Er behandelt in seinem Traktat die nach den griechischen Dichtern de Anacreontio, de Pindarico, de Saffico benannten Versmaße.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 1-88, 910, 108, 113+4+1 (86-89=2 Doppelblätter) ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 175 mm x 140 mm ;Blindliniierung mit Versalienspalten ( 8 mm ); Zirkelstiche an den äußeren, manchmal zusätzlich an den inneren Seitenlinien; einspaltig; 28 bzw. 35 (ab 75r) Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in karolingischer Minuskel, rubriziert; Titel in Capitalis Rustica, ab 75r in Uncialis, mit Minium;

Buchschmuck

  • Anfänge der Kapitel in kapitalen Majuskeln mit Tinte, gelb, grün und zuweilen mit Minium schattiert; Anfangsbuchstaben von Textabschnitten grün, Anfangszeile 3v gelb, grün und mit Minium schattiert; Diagramme in brauner Federzeichnung mit gelb und grün schattierten Beischriften.

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Die Handschrift enthält keine frühen Bibliotheksvermerke. Ob sie schon im 9. Jahrhundert in der Dombibliothek lag, ist ungewiß. Darmstadt 2183.

Inhaltsangabe

  • 1r-1v Zahlen und Verse.
  • 1r Leer.
  • 1v Römische Zahlen von I-XXX ; Zahlen in der Verdoppelung II, IIII, VIII etc.; Ambo iam currunt citius quoque sed - Fit apud et princeps in membris ecce duorum.
  • 2r-74v Autor: Boethius Titel: Arithmetik (Buch I-II) (PL 63, 1079A-1168B).
    • 2r-31r Buch I mit Vorrede und Kapitelreihe von I-XXXII .
      • 2r Incipit: DOMINO SUO PATRICIO SYMMACHO BOETHIUS. In dandis accipiendisque - censebitur auctor merito quam probatur.
      • 3r Incipit: CAPITULA LIBRI PRIMI. I Proemium in quo divisiones mathematicae - XXXII Omnis inaequalitas ab aequalitate processit.
      • 3v Incipit: PROEMIUM IN QUO DIVISIO MATHEMATICAE, INTER OMNES PRISCAE AUCTORITATIS VIROS QUI, PYTHORA (korr. PYTH agORA) duce - ab utilioribus moraremur .
      • Buch I enthält mehrere Diagramme: 12r Cap. XI. Zahlenreihen der Ungeraden III, V, VII, VIIII, XI, XIII und Geraden IIII, VIII, XVI, XXXII, LXIIII, CXXVIII. 12v Zu den Zahlenreihen der Geraden und Ungeraden der Länge und Breite nach: Mittleres Quadrat mit sechzehn eingeschriebenen Quadraten sowie Zahlenreihen; nach allen vier Seiten die Quadrate überfangende Halbkreise mit Zahlen. 23r Cap. XXVI. Quadrierte Rechentafel, von oben links angefangen horizontal und vertikal die Zahlenreihe von I-X; von oben nach unten Zahlen der Addition II, IIII, VI etc., X, XX, XXX etc. An den Ecken diagonal geschrieben prima unitas tetragona, secunda unitas tetragona, tertia unitas tetragona, secunda unitas tetragona. Links am Rand Punktreihen mit 4, 9, 16 und 4 Punkten. 29r-31r Cap. XXXII DEMONSTRATIO QUEMADMODUM OMNIS INAEQUALITAS AB AEQUALITATE PROCESSERIT. Neunzehn Diagramme mit Zahlenfolgen in Dreierreihen.
    • 31r-74v Buch II mit Kapitelreihe von I-LIIII .
      • 31r Incipit: CAPITULA LIBRI SECUNDI. Quemadmodum ad aequalitatem omnis inaequalitas reducat - LIIII De maxima et perfecta symphonia quae tribus descendit intervallis.
      • 32v Incipit: Superioris libri disputatione digestum - huius descriptionis subter exemplar adicimus .
      • Buch II enthält zu den meisten Kapiteln Diagramme. In ihnen werden von Cap. I-V Zahlenverhältnisse linear und mit Halbkreisen verbunden dargestellt. Cap. VI-XIX enthalten geometrische Figuren (Dreieck, Quadrat, Fünf- und Sechseck) mit den ihnen inneliegenden Zahlenordnungen, Cap. XX-XXV stereometrische Figuren (Pyramide, Kubus) mit entsprechenden Zahlenordnungen. Im Folgenden enthalten einige Kapitel besonders interessante Diagramme, beispielsweise Cap. XXXIII mit verschiedenen Proportionsfiguren, Cap. XLIII von der arithmetrischen Mitte. Cap. LIIII behandelt schließlich DE MAXIMA ET PERFECTA SYMPHONIA QUAE TRIBUS DESCENDITUR INTERVALLIS - Von der größten und vollkommensten Symphonie (Übereinstimmung), die aus den drei Intervallen (Abständen) hervorgeht. Gemeint ist das Diatessaron (Quarte=VI:VIII=3:4), die Diapente (Quinte=VI:VIIII=2:3) und das Diapason (Oktave=VI:XII=1:2), die im CONSONANTIAE betitelten Diagramm (74v) rechts unten dargestellt sind (alle Diagramme finden sich in PL 63).
  • 75r-87r Autor: Cassiodor Titel: Über die Orthographie, mit drei Vorreden, einer Kapitelreihe mit den Namen der antiken Autoren, aus denen die XII folgenden Kapitel stammen (PL 63, 1239C-1270B; GLVII, 143-210).
    • 75r Incipit: PRAEFATIO CASSIODORI SENATORIS. Cum inter nos talia gererentur - septinaria conclusione distincta sunt. Item alia. Postquam commenta in psalterii - Hoc contempnet opus simodo livor abest.
    • 76r Incipit: INCIPIUNT TITULI LIBRI ORTOGRAPHIAE INDICANTES EX QUIBUS AUCTORITATIBUS SCRIBENDI PERITIA DOMINO PRAESTANTE COLLECTA EST. I. Ex agneo cornuto - XII Et Prisciano moderno auctore decerptas.
    • 76r Dritte Vorrede Incipit: Commemorati sunt auctores orthographiae - nihilominus est dicendus. Cap. I AGNEI CORNUTI DE ENUNTIATIONE VEL ORTHOGRAPHIA. Animadverti quosdam, Emili amice, eruditos - cum nequissimus poenali societate coniungi. Hunc Cassiodori senatoris de orthographia librum ex XII auctorum opusculis defloratum. Explicit amen. AMHN. Nachsatz Emporia locus merandi .
  • 87v-90v Verschiedenes. Autor: Isidor Titel: Über die Orthographie (Isidor, Etymologiarum Lib. I, xxvii: W.M. Lindsay, Isidori Hispalensis episcopi etymologiarum sive originum libri XX, Oxford [1911] 1971, I/27, 1-28 ); Servius Maurus, Über viele Versmaße ( GLIV, 456-467).
    • 87v Incipit: INCIPIT ORTOGRAPHIA ESIDORI. Ortographia Graece, Latine recta scriptura Interpretatur - sic malittia et cetera similia .
    • 88r Incipit: IN NOMINE DEI SUMMI INCIPIT ARS MAURI SERVII DE CENTUM METRIS. Clarissimo Albino Servus grammaticus salutem. Tibi hunc libellum praetextorium decus Albine devovi - scribendi pretium voluntatis exsolvat. Mauri grammatici Servii explanationum de centum metris libellus feliciter explicit. Amen Deo gratias .

Bibliographie

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 302-303 (Anton von Euw) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-4610
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-4610
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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