Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 88

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Sakramentar
Entstehungszeit
Ende des 10. Jhs.
Umfang
179 Pergamentblätter.
Format
27,6 cm x 22,9 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5317 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 88
Katalogsignatur
Schulten-1980: Kat. 40

Buchschmuck

  • Der Hauptschmuck des Sakramentars konzentriert sich auf drei Initialseiten (25v, 26r, 63v). Sieben weitere zum Teil geschmückte Goldinitialen bereichern den in einer karolingischen Minuskel geschriebenen Text. Auf Blatt 104v endet das Sakramentar. Ihm folgt der Kommentar des Abtes Grimoldus (105r-177r) mit einigen Segnungen und Gebeten von gleicher Hand. Zum Schluß (177v -179v) folgen Gebete, die im 12. Jh. nachgetragen worden sind.

    Wegen des Kommentars des Abtes Grimoldus , der eine Überarbeitung des karolingischen Theologen Alkuin darstellt, hat man die Handschrift des Sakramentars schon einmal ins 9. Jh. datiert. Die ganzseitige Ausstattung der Anfänge der Präfation (25v) und des Kanons (26r) auf Purpur, gerahmt von kleinen Säulen, die mit einem Architrav verbunden sind, ähnelt stilistisch auch aufgrund aller Schmuckelemente einigen Sakramentaren der ottonischen Fuldaer Malerschule. Auch die gerahmte Initiale D auf Purpur vom Karsamstag gehört in diesen Zusammenhang. Vor allem gleichen die Initialen den Initialen in einem Fuldaer Nachtrag des Sakramentars im Mainzer Priesterseminar. Die stilistische Übereinstimmung unseres Kodex mit dem Mainzer Anhang ist so eng, daß man von der gleichen Hand sprechen kann.

    Das stadtrömische Sakramentar des Papstes Gregor wurde von Kaiser Karl übernommen und sollte der Vereinheitlichung des kirchlichen Lebens im ganzen Frankenlande dienen. Es wurde mit einigen späteren Überarbeitungen gemäß den Forderungen der fränkischen Kirche erweitert und von Alkuin mit Ergänzungen versehen, die auch, wie in unserem Sakramentar zu sehen ist (104v), einem Abte Grimoldus zugeschrieben wurden. Nur zehn Exemplare mit dem Anhang des Alkuin sind uns erhalten. Mit dem römischen Sakramentar des Papstes Gregor erhielt der Kanon der Messe eine bevorzugte Stellung in der Textfolge. Das bewirkte eine besondere künstlerische Ausstattung des wichtigsten Teiles der hl. Messe. Vorher hatte sich die künstlerische Auszeichnung mehr auf die Feste des Kirchenjahres bezogen. Die Anfangsworte des Kanons (Te igitur) und der zugehörigen Präfation (Vere dignum) werden nach bestimmten festgeprägten Formen gestaltet und besonders hervorgehoben.

    Die Auszeichnung des Kanon betrifft insbesondere den Buchstaben T des Te igitur. Das T hat die Form eines Kreuzes (Crux commissa). Im Kanon wird das blutige Kreuzesopfer Christi unblutig vergegenwärtigt. Häufig fügt man dem Kreuz den Gekreuzigten hinzu oder stellt sogar Maria und Johannes unter das Kreuz, immer noch als Gestaltung des T. Später wird Bild und Text voneinander getrennt. Neben dem Kreuzigungsbild wird das T dann nochmals besonders ausgestaltet. In der Gotik wird diese Trennung häufig. Ein schönes Beispiel für diese Entwicklung ist der Beginn des Kanon im Rennenbergmissale (Dom Hs. 149) der Schatzkammer. - Beim Beginn der Präfation (Vere dignum) werden zwei Möglichkeiten variiert. V und D werden im ersten Fall so miteinander verbunden, daß der rechte Stamm des V mit dem senkrechten des D in eins verbunden werden. Durch einen horizontalen Kürzungsstrich durch den in eins verschmolzenen Teil beider Buchstaben entsteht dann ein Kreuz. Gelesen wird diese Ligatur als Vere dignum. Es folgt dann der Text: et justum est Im zweiten Fall wird nur das V betont, wie es in unserem Sakramentar zu sehen ist. Die erste Form ist z. B. in Reichenauer Handschriften gebräuchlich, kommt aber auch in der Kölner Buchmalerei vor (Sakramentar aus St. Gereon). Vereinzelt wird auch das V in das D hineingesetzt. Selten erscheint der thronende Christus in der Ligatur VD (ottonischer Lütticher Sakramentar). Dann steht der leidende Christus beim Kanonbeginn dem triumphierenden Christus der Präfation gegenüber. Schließlich trennen sich auch hier Buchstabe und Bild (Fuldaer Sakramentar in München, Sakramentarfragment von Corbie).

Inhaltsangabe

  • Erst auf Blatt 25r beginnt das eigentliche Sakramentar, eine Vorstufe des späteren Meßbuches mit den vom Priester allein zu sprechenden Gebeten der hl. Messe und anderen mit der hl. Messe verbundenen Gebeten. Die Anfangsworte besagen, daß es sich um ein Sakramentar handelt, das für das ganze Jahr gilt und von Papst Gregor herausgegeben worden ist.

    Dem Sakramentar sind mehrere andere Texte vorgeheftet, eine Predigt über die eucharistische Konsekration (1r-2r) aus dem 12. Jh., ein Meßformular der hll. Petronilla und Scholastika (2v) aus dem 11. Jh., ein Kalendarium des 11. Jhs. (3r - 8v) mit zahlreichen Kölner Festen und Zusätzen des 12. Jhs., die nach Trier verweisen. Von der gleichen Hand wie der des Kalendariums folgt auf Blatt 9r eine Litanei, gefolgt von Gebeten des Priesters vor und nach der hl. Messe. Danach stehen einzelne Meßformulare verzeichnet, die von unterschiedlichen Händen geschrieben wurden.

    Auf Blatt 104v endet das Sakramentar. Ihm folgt der Kommentar des Abtes Grimoldus (105r-177r) mit einigen Segnungen und Gebeten von gleicher Hand. Zum Schluß (177v -179v) folgen Gebete, die im 12. Jh. nachgetragen worden sind.

Bibliographie

  • Jaffé-Wattenbach, 88.
  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage), S. 394, Nr. 7.
  • Peter Bloch, Das Sakramentar Col. Metr. 88 in der Schatzkammer. In: Kölner Domblatt 1963, Folge 21 und 22, S. 81, Abb. 64-80.
  • Schulten 135.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5317
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5317
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