Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 172
Bibliographische Beschreibung
Überblickbeschreibung
Homiliar
Die Dombibliothek verdankt den Besitz dieses karolingischen Homiliars mit großer Wahrscheinlichkeit der Doppelfunktion ihres großen Wohltäters Hildebald
(vor 787-818), der als Erzbischof von Köln und zugleich Abt des Klosters Mondsee in Österreich Bücher dieses klösterlichen Skriptoriums nach Köln bringen ließ (vgl. Dom Hs. 35, Kat.Nr.10). Die Gebrauchshandschrift ist von mindestens drei verschiedenen Händen verfertigt, die deutliche Kennzeichen des oberösterreichischen Stils tragen (Bischoff II 1980, S. 34). Als Teil einer verbreiteten Predigtsammlung zu einzelnen Lesungen aus den Paulusbriefen berücksichtigt sie - dem Kirchenjahr folgend - die praktischen Belange der Meßfeier. Von der Geburt Christi bis zum Fest der Himmelfahrt fand der Leser auf der Suche nach Anregungen für seine Predigten in dieser Handschrift den jeweiligen Passus aus den Paulusbriefen; darüber, durch die rote Tinte gut markiert, die Bezeichnung des Tages im Kirchenjahr und darunter schließlich eine selten mehr als zwei bis vier Blätter umfassende Homilie. Jeweils auf dem Rand neben den Homilien sind in roter Tinte Namenskürzel der angeblichen Verfasser vermerkt (Augustinus, Hieronymus, Isidor usw.). Ein Inhaltsverzeichnis listet im Vorspann die von 1 bis 65 durchgezählten Tage auf, zu denen Predigten enthalten sind. In anderen Bibliotheken existieren zwar weitere Abschriften dieser Predigtsammlung (s. Barré 1962, S. 8), die auch die hier fehlenden Texte zum zweiten Teil des Kirchenjahres umfassen, die einzige gedruckte Ausgabe erschien aber in Köln im Jahr 1535, besorgt von J. Gymnicus.
Autor des Textes: Alexander Arweiler
Zustand und Zusammensetzung
Schrift und Hände
Lateinischer Text in mittelbrauner karolingischer Minuskel, rubriziert (z.T. fehlende Rubrizierung 88v, 90r, 92r); Auszeichnungsschrift: Capitalis Rustica, Uncialis sowie eine grobe Capitalis; zwei- und mehrzeilige Initialen in Tinte und Minium;
Buchschmuck
- Große Initialen in Minium, Grün und Ocker mit vegetabiler Ornamentik.
Einband
Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).
Geschichte der Handschrift
Inhaltsangabe
- 3v Am Ende der Liste Angabe über den Umfang innerhalb des Kirchenjahrs Incipit: IN NOMINE DOMINI NOSTRI I esu Christi ID EST PARS PRIMA .
-
4r-132r
Homilien zu den Lesungen bzw. Apostelbriefen der Sonn-, Feier- und Wochentage des Kirchenjahres von Weihnachten bis Christi Himmelfahrt (1-65) (
CPPM 3874-3899, 2279, 3899b-3933).
- 4r IN VIGILIA NATALIS DOMINI DE NONA. Lesung aus dem Römerbrief Incipit: F(ratres. Paulus servus Christi Iesu) und Augustinus zugeschriebene Homilie Incipit: G(audeamus fratres et laetemur).
- 127v Vigil von Christi Himmelfahrt. Predigt über die Lesung aus dem Epheserbrief.
- 130r-132r Ende mit der Beda Venerabilis zugeschriebenen Homilie zur Lesung aus der Apostelgeschichte zum Fest Christi Himmelfahrt Incipit: Lucas evangelista fratres mei qui unum - pervenire mereamur. Per Dominum nostrum saecula saeculorum. Amen.
- 130r L(ucas).
- 132v Federproben, u.a. ABIRISE .
Bibliographie
- Hartzheim 1752, S. 150
- Jaffé/Wattenbach 1874, S. 72
- H. Barré, Les homéliaires carolingiens de l'école d'Auxerre, Vatikanstadt 1962 (Studi e Testi 225), S. 6ff.
- Bischoff II 1980 , S. 11, 34, 94
- Handschriftencensus 1993, S. 667, Nr. 1126.
Quellenangabe
- Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 100-100 (Alexander Arweiler) [Digitaler Volltext]


