Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 56

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Evangeliar
Entstehungsort
Ostfränkisch (?)
Entstehungszeit
3. Viertel des 9. Jahrhunderts
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
139 Blätter,
Format
330 mm x 265 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-6468 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Dom Hs. 56
Katalogsignatur
von-Euw: 3.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen ohne Signaturen: 11, 26, 3-68, 78-l, 8-188, 196.
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 225 mm x 225 mm . zweispaltig zu 30 Zeilen, Abstände der Lineatur von links nach rechts 15, 8, 75, 8, 14, 8, 70, 8, 20 mm. Spiegel der Evangelistenbilder 230 x 155 mm.

Schrift und Hände

Evangelientext in großer, Vorreden in kleinerer karolingischer Minuskel mit brauner Tinte. Anfangsbuchstaben nach Interpunktionen im Text unzial, Initialen zu den Kapitelanfängen kapital in Minium, ebenso die darauf folgenden unzial geschriebenen Zeilen und die marginalen Kapitelzahlen sowie die Zahlen der Eusebianischen Canones; die Konkordanzen in Tinte. Auszeichnung der Evangelienanfänge in roter Capitalis quadrata sowie Capitalis rustica. Titelseite zu den Canones in Capitalis monumentalis mit Tinte und Minium.

Buchschmuck

  • Kanontafeln und Evangelistenbilder in Deckfarbenmalerei, erstere vorwiegend blau, ocker, lila, weiß gehöht, letztere blau, oker, grün, rot, braun, weiß und schwarz.

Einband

Einband: Pergament mit massiver Deckelfüllung aus Papiermache, Mitte des 18. Jahrhunderts.

Geschichte der Handschrift

Herkunft
Entstehungsgeschichte: Nach den Untersuchungen Bernhard Bischoffs hängen der Evangelientext und die Glossen mit jenem von ihm dem Ur-Exemplar der Vulgata des hl. Hieronymus nahe gerückten Codex 1395 der St. Galler Stiftsbibliothek zusammen, der jedoch weder Kanontafeln noch Evangelistenbilder enthält. Zur Gruppe der mit dem Sangallensis textlich verwandten Evangeliare gehören zudem Handschriften wie Clm 17011, der unter Bischof Anno (854-875) in Freising entstand. Clm 17011 enthält aber Evangelistenbilder, deren Verwandtschaft mit denjenigen unserer Handschrift nicht zu übersehen ist; andere Evangeliare wie W. 4. der Walters Art Gallery, Baltimore, und Clm 6215 der Bayerischen Staatsbibliothek, München, schließen sich mit ihren Bildern jener karolingischen Freisinger Schule an, der man früher auch cod. 56 der Kölner Dombibliothek zuschrieb. Davon ist jedoch, wie schon Bischoff sagte und Florentine Mütherich zuletzt betonte. Abstand zu nehmen. Cod. 56 unterscheidet sich nicht nur in der Gestaltung der Evangelistenbilder, sondern auch der Kanontafeln von den bayerischen Handschriften. Die Kanontafeln mit auf nur zwei Säulen aufgesetzten Spitzgiebeln sind offenbar Kopien einer griechischen Ausgabe der Eusebianischen Canones, die Frau Mütherich in mittelbyzantinischen Handschriften nachweisen konnte. Die Evangelistenbilder entstammen ebenso griechischen, wahrscheinlich noch spätantiken Vorlagen und dürften in karolingischer Zeit mit Evangelistensymbolen bereichert worden sein. Tatsächlich verbreiten sowohl die helltonigen spitzgiebeligen Kanontafeln als auch die farbenstark leuchtenden Evangelistenbilder von Cod. 56 etwas von jener Atmosphäre, von der die Urbilder sowohl der Architektur als auch der menschlichen Figur umgeben waren. Die Suche nach dem heute noch unbekannten Ursprungsort der Handschrift wird man gewissermaßen in Aachen beginnen, müssen, dessen karolingische Palastschule Handschriften wie das Wiener Krönungsevangeliar schuf, das sowohl im Bereich der Kanontafeln als auch der Evangelistenbilder ähnliche, antikennahe Vorstellungen verwirklichte.

Inhaltsangabe

  • Fol. 1r-2r Vorrede Novum opus.
  • Fol. 2v-7r Titelseite und neunseitige Kanonfolge.
    • 2v Titelseite IN NOMINE D(OMI)N(I) NOSTRI IH(ES)V XP(IST)I INCIPIVNT CANONES,
    • 3r Can. I:IIII,
    • 3v-4r Can. I:III, II:III - II:III, II:III,
    • 4v-5r Can. II:III, II:III -III:III, III:III,
    • 5v-6r Can. V:II, V:II - VI:II, VII:II, VIII:II, VIIII:II,
    • 6v-7r Can. X:I, X:I, X:I-X:I.
  • Fol. 7v-42v Vorreden zu den vier Evangelien, Matthäus-Argument, Kapitelverzeichnis und Matthäusbild sowie Matthäusevangelium.
    • 7v Prolog Sciendum,
    • 8r-8v Prolog Plures fuisse,
    • 9r Matthäus-Argument Matthäus ex Iudaea,
    • 9v-10r Kapitelverzeichnis (I-XXVIII),
    • 10v Bild des Evangelisten Matthäus, im auf dem Pult aufgeschlagenen Evangelienbuch der Beginn des Matthäusevangeliums INCIP(IT) EVANGELIUVM SECVNDVM MATH(EVM) LIBER GENERATIONIS IH(ES)V XP(IST)I FILII D(AVI)D, die Inschrift auf dem Buch, das auf den Knien des Evangelisten liegt, gleicht einer kursiven Tachygraphie,
    • 11r-42v Text des Matthäusevangeliums.
    • 43r/v ist das Einzelblatt eines Bifoliums, dessen linke Seite herausgerissen wurde. Sie enthielt den jetzt fehlenden Schluß des Matthäusevangeliums, der jetzt mit Mt 28,7 Ibi eium videbitis sicut dixit vobis endet. Entsprechend der Reihenfolge von Bild und Text im Lukas- und Johannesevange- lium wäre auf dem Verso des entwendeten Blattes das Bild des Evangelisten Markus zu sehen gewesen.
  • Fol. 43r-64r (Markusbild fehlt), Markus-Argument, Kapitelverzeichnis und Markusevangelium.
    • 43r Markus-Argument Marcus evangelista,
    • 43r-43v Kapitelverzeichnis (I-XIII),
    • 44r-64r Text des Markusevangeliums.
  • Fol. 64v-101r Lukasbild, Lukas-Argument, Kapitelverzeichnis und Lukasevangelium.
    • 64v Bild des Evangelisten Lukas, Inschrift im Buch: SEQ(ENTIA) S(AN)C(T)I EV(AN)G(ELII) S(E)C(VN)D(VM) LVC(AM),
    • 65r Lukas-Argument Lucas Syrus,
    • 65v-66r Kapitelverzeichnis (I-XX),
    • 66v-101r Text des Lukasevangeliums.
  • Fol. 101v-129r Johannesbild, Johannes-Argument, Kapitelverzeichnis und Johannesevangelium.
    • 101v Bild des Evangelisten Johannes, Inschrift im Buch auf dem Pult: SEQ(ENTIA) S(AN)C(T)I EVANGELII SEC(VNDVM) iohanne(m), im auf den Knien liegenden Buch IN PRINCIPIO,
    • 102r Johannes-Argument Hic est Iohannes,
    • 102v Kapitelverzeichnis (I-XIIII),
    • 103r-129r Text des Johannesevangeliums.
  • Fol. 129r-139v Capitulare Evangeliorum.
  • Die Handschrift enthält lateinische und griechische Glossen, teilweise von der Hand des Schreibers, teilweise später angebracht (vgl. Bischoff, in: Mittelalterliche Studien I, S. 104 ff.).

Bibliographie

  • Ph. Jaffé, W. Wattenbach, Ecclesiae Metropolitanae Coloniensis Codices Manuscripti, Berlin 1874, No. 56.
  • H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei, Bonn-Leipzig 1922, S. 21 ff.
  • H. Schnitzler, Rheinische Schatzkammer I, Düsseldorf 1957, Nr. 20.
  • B. Bischoff, Zur Rekonstruktion der ältesten Handschrift der Vulgata-Evangelien und der Vorlage ihrer Marginalien, in: Mittelalterliche Studien I, Stuttgart 1966, S. 104 ff.
  • F. Mütherich, The Gospel Book W. 4. of the Walters Art Gallery and Its Place in the Freising Scriptorium, in: Gatherings in Honor of Dorothy E. Miner, Baltimore 1974, p. 115 ss.
  • C. Nordenfalk, Der inspirierte Evangelist, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 36, 1983, S. 187.
  • F. Mütherich, Die Kanontafeln des Evangeliars Cod. 56 in Köln, in: Florilegium in honorem Carl Nordenfalk Octogenarii contextum, Stockholm 1987, S. 159 ff.

Quellenangabe

  • Euw, Anton von: Das Buch der vier Evangelien - Kölns karolingische Evangelienbücher. Begleitheft zur Ausstellung des Schnütgen-Museums, Köln 7. April - 9. Juli 1989. Kölner Museums-Bulletin, Sonderheft 1/1989. S. 44-45
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-6468
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-6468
Lizenzangaben

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