Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 165

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Ermahnungen der Mönchsväter
Entstehungszeit
Wende des 7. zum 8. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
118 Blätter
Format
270 mm x 170 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-10029 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 165

Überblickbeschreibung

Ermahnungen der Mönchsväter

Die Textsammlung, die 'Vitas (!) patrum' oder 'Adhortationes sanctorum patrum', besteht aus fortlaufenden Kapiteln in Form von Frage und Antwort, Fragen von Mönchen an berühmte abendländische und orientalische Mönchsväter wie den hl. Antonius (251/252-356). Sie wurden in Griechisch verfaßt und vor der Mitte des 6. Jahrhunderts in Rom vom Diakon Pelagius in das Lateinische übersetzt. Dom Hs. 165 nimmt in der Textüberlieferung einen frühen Platz ein. Als Sammlung bringt sie zehn "Büchlein", von denen VI, VII und X nicht alle Kapitel enthalten (BHL 6527). In ihrer Anlage sind sie den 'Collationes' des Johannes Kassian (um 360-430/435) vergleichbar, deren Unterredungen mit den Mönchsvätern Ägyptens seit Benedikt von Nursia (um 480-gegen 560) im ganzen Abendland beliebt waren. Die ersten fünf Bücher handeln vom Aufbruch zum Mönchsleben, von (guten) Werken, vom Gehorsam, von der Selbstbesinnung, daß einer nicht (vorschnell) urteile, widerspreche oder murre (I, 22; 5r), von der Ruhe, der Zerknirschung, der Enthaltsamkeit und der Unkeuschheit. Die Bücher VI-X bringen Beispiele von der Armut, Geduld oder Tapferkeit, von Dingen, die man nicht zur Schau stellen, und von Menschen, die man nicht vorschnell aburteilen soll, und von der Zurückhaltung.

Schon Lowe ( CLA VIII 1959, 1151) erkannte, daß die Handschrift während des Übergangs vom 7. zum 8. Jahrhundert in einem kontinentalen Skriptorium entstanden war, das stark unter insularem Einfluß stand. Typisch dafür sei die Textergänzung auf Folio 6v. Die Federproben (128v) stammen seiner Meinung nach von merowingischen Schreibern. Die älteste erhaltene Handschrift der 'Vitas' oder 'Adhortationes' findet sich nach Batlle (1972, S. 17) in Ms. 9850-9852 der Bibl. Royale in Brüssel. Geschrieben wurde sie zwischen 695 und 697 in Saint-Médard (Soissons).

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 18-1 (1 herausgeschnitten), 2-148, 151+6 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 217 mm x 124 mm ;Blindliniierung mit Versalienspalten in den Lagen 1-8 ( 8 mm ); Zirkelstiche gelegentlich zwischen den äußeren Seitenlinien; einspaltig; 29 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in brauner Halbunziale; Titel der Bücher (selten vorhanden) und der Kapitel in Halbunziale mit Minium; sonst schmucklos.

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Aufgrund der Federproben (182v), die zweimal den Namen Bischof Hilduins erwähnen, wird die Handschrift schon in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts zur Kölner Dombibliothek gehört haben. Wahrscheinlich handelt es sich um Nr. 87 (=Vitae patrum vol. II) im Katalog von 833 (Frenken 1923, S. 54). Darmstadt 2149.

Inhaltsangabe

  • 1r Federproben: A B P P; Titel: Incipit: Codex 165; Patrum veterum verba edita katt. (?) Rosweido L.v inter Vitas Patrum. Mutilus est codex, nam ex libellis vel capp. XVIII continet novem primos et decimi 68 apothegmata ( wohl 18. Jh. ); gemeint ist die schon von Hartzheim (1752, S. 136) zitierte Ausgabe von Herbert Rosweyde vom Jahr 1678.
  • 1v-118r Vitas (!) patrum oder Adhortationes sanctorum patrum - Ermahnungen der Mönchsväter ( PL 73, 855A-924B; zu den in den Handschriften gegenüber der Edition in PL 73 auftretenden Texterweiterungen vgl. Batlle 1971, S. 36ff.).
    • 1v-62r Buch I-V (De profectu, De quiete, De compunctione, De continentia, De fornicatione).
    • 1v VITAS PATRUM (kaum mehr lesbar, wohl von jüngerer Hand am oberen Rand ergänzter Titel). Incipit: Incipiunt adhortationes patrum. Interrogavit quidam dicens: placebo Deum et respondens senex dixit - relatum est de transitu suo .
    • 62r-66r Buch VI Incipit: De eo, quod monachus nihil debeat possidere (in Ausschnitten: VI, 1, 5-6, 8-11, 13-16, 20-22). Frater quidam renuntians saeculo - quoniam ipsi cura est de nobis .
    • 66r-81v Buch VII. De patientia seu fortitudine (in Ausschnitten: VII, 1, 3-6, 8-9, 11-23, 25-47) Incipit: Sanctus abbas Antonius aliquando in heremo - et statim sanatum est cor ipsius .
    • 81v-89r Buch VIII. De eo quod nihil per ostensionem fieri debeat (vollständig VIII, 1-24) Incipit: Audivit aliquando abbas Antonius - te ipsum in pluribus facito .
    • 89r-94r Buch IX Incipit: De eo quod non oporteat iudicare quemquam (Vollständig: 1-12). Incipit: Contigit aliquando fratri - gratias referentes .
    • 94r-118r Buch X Incipit: De discretione (unvollständig: X, 1-68). Incipit: Dixit abbas Antonius: quia sunt quidem - sed da eis pignus suum et discedunt.
  • 118v Ursprünglich leer. Verschiedene frühe Federproben ABCD episcopus Hilduinus episcopus , usw. Bischof Hilduin ( 842-849 ) von Köln, als Bischof nicht bestätigt, starb nach 871 als Abt von Saint-Denis.

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 136f.
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 65
  • A. Wilmart, Le receuil latin des apophtegmes, in: RevBén 34 (1922), S. 1991
  • E. Lesne, Histoire de la propriété ecclésiastique en France IV: Les livres, scriptoria et bibliothèques du commencement du VIIIe à la fin du XIe siècle, Lille 1938, S. 697 Anm.7
  • A. Siegmund, Die Überlieferung der griechischen christlichen Literatur in der lateinischen Kirche bis zum zwölften Jahrhundert, München 1949 (Abhandlungen der Bayerischen Benediktiner-Akademie 5), S. 137
  • CLA VIII 1959, 1159
  • C.M. Batlle, 'Vetera nova'. Vorläufige kritische Ausgabe bei Rosweyde fehlender Vätersprüche, in: J. Autenrieth/F. Brunhölzl (Hgg.), Festschrift Bernhard Bischoff zu seinem 65. Geburtstag, Stuttgart 1971, S. 34
  • C.M. Batlle, Die 'Adhortationes Sanctorum Patrum' ('Verba Seniorum') im lateinischen Mittelalter. Überlieferung, Fortleben und Wirkung, Münster 1972, S. 17, 167
  • Schmitz 1985, S. 138
  • Handschriftencensus 1993, S. 663, Nr. 1119
  • H.R. Drobner 1994, Lehrbuch der Patrologie, Freiburg 1994, S. 317 (Lit.).

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 101-102 (Anton von Euw) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-10029
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-10029
Lizenzangaben

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