Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 157

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Missale
Entstehungsort
Lüttich
Entstehungszeit
3. Viertel 12. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
208 Blätter (Fol. 63 doppelt vergeben)
Format
243 mm x 159-170 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-11770 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 157

Überblickbeschreibung

Missale

Die weithin Sakramentar genannte Handschrift wird in einem späteren Eintrag als Ordo Missarum bezeichnet. Sie enthält verschiedene Meßformulare, eingeteilt nach Herrenjahr (Proprium de tempore, 25r-97v) und Heiligenfeiern (Proprium de sanctis, 98r-149r). Vorangestellt ist der 'Ordo missae' mit dem 'Canon Romanus' (9r-24v). Im Vergleich zu Dom Hs. 88 (Kat.Nr.82) fällt auf, daß der 'Ordo missae' nicht mehr die kurze Darstellung der Messe wie noch im Gregorianum ist. Auch findet sich hier kein zweiter 'Ordo missae' mit dem Apologientyp der Messe mehr, wie noch in Dom Hs. 88. Vielmehr bietet die Handschrift ein Formular des sogenannten Rheinischen Meßordo, der um das Jahr 1000 entstandenen Form der gleichbleibenden Teile der Messe, die alle Vorgängerformen aufnimmt und ablöst. Dieser Rheinische Meßordo ist in Dom Hs. 157 schon mit der allgemeinen Präfation und dem Eucharistiegebet, dem 'Canon Romanus', systematisiert und zu einer Einheit durchkomponiert worden. Das 'Proprium de sanctis' bietet für das 12. Jahrhundert typische Zusätze zum Kalender des Gregorianischen Sakramentars, so die Apostelfeste und die Feste der Bischöfe und Märtyrer des Frankenlandes (etwa Lambertus und Remigius). Zudem fallen einige benediktinische Feste auf: Fest und Translatio des hl. Benedikt, Fest der Scholastika. Aufgrund der Veränderungen im 'Ordo missae', der Erweiterungen des Kalendars und des späten Entstehungsdatums ist hier nicht mehr von einem Sakramentar im eigentlichen Sinne, sondern schon von einer Frühform des Missale zu sprechen. Der nächste Schritt in der Entwicklung vom Sakramentar zum Missale wird dann noch die Texte der Meßgesänge und der Schriftlesungen einfügen und so ein Plenarmissale schaffen. Die Vorstufe hierzu ist Dom Hs. 157.

Festkalender und 'Proprium de sanctis' lassen eine Entstehung der Handschrift für die Kathedrale Saint-Lambert in Lüttich vermuten. Auch die Ausstattung weist ins Zentrum der maasländischen Buchkunst, wo das Sakramentar wohl kurz nach der Mitte des 12. Jahrhunderts geschrieben und illuminiert worden ist. Unter einigen im Kalendar verzeichneten Einträgen Verstorbener war bereits Jaffé der noch heute zum 4. September lesbare Nachtrag obiit Heinricus aufgefallen; dieser in einer Minuskel des 12. Jahrhunderts ausgeführte Vermerk ist ein sicherer Hinweis auf die Entstehung der Handschrift vor dem Tod des Lütticher Bischofs Heinrich II. von Looz im Jahre 1164.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 12+8, 26, 3-258, 266+2 (hinter Blatt 5 der Lage wurde ein Doppelblatt eingefügt Fol. 190a ist ein eingelegter Pergamentstreifen mit der Fortsetzung des Textes) ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 166 mm x 103 mm bzw. 185 mm x 118 mm (201r-203r);Blindliniierung mit zwei Versalienspalten (innen, je 7 mm ); einspaltig; 22 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in spätromanischer Minuskel, rubriziert; einzeilige Anfangsbuchstaben in Rot;

Buchschmuck

  • Mehrzeilige Initialen in Rot und Blau, z.T. mit ornamentalen Füllungen; große mehrfarbige Initialen mit Goldbändern und pergamentausgesparten Blattranken in Rot auf blauem und grünem Grund; Miniaturen in Deckfarben mit Goldtinte.

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Besitzvermerk des Kölner Domes aus dem 18. Jh. (1v); Darmstadt 2206.

Inhaltsangabe

  • 1r Ordo.
  • 1v Leer.
  • 2r-3r Titel: Komputistische Texte und Tabellen.
  • 3v-9r Titel: Kalendar ( 10.2. Scholastica, 17.3. Gertrudis vr. [rot] , 21.3. Benedicti abb. [rot] , 28.4. Transl. sci. Lamberti. Vitalis mr. [rot], 3.5. Servatii epi. [rot] , 30.5. Transl. sci. Huberti epi., 23.6. Aldedrudis vr., 11.7. Transl. sci. Benedicti, 17.7. Fredegaudi conf., 17.9. Lamberti epi. [rot, verwischt] , 21.10. Undecim milium v.m. [rot, verwischt], 23.10. Severini epi. [rot, verwischt], 3.11. Huberti epi. et conf. [rot], 23.11. Trudonis conf. [rot]).
  • 9r-24v Titel: Ordo missae.
    • 9v Titel: Verschiedene Gebete zur Vorbereitung der Messe.
    • 17v Maiestas Christi.
    • 18r Präfation VERE DIGNUM (ET IUSTUM EST) .
    • 18v Titel: Kanongebet TE (IGITUR).
    • 19r Kreuzigung Christi.
  • 25r-97v Proprium de tempore.
    • Mit Initialen hervorgehobene Feste: 25r 1. Advent E(XCITA DOMINE) .
    • 27v Weihnachtsvigil D(EUS QUI NOS REDEMPTI).
    • 29v Weihnachten C(ONCEDE QUAESUMUS) .
    • 32v Epiphanie D(EUS QUI HODIERNA) .
    • 50v Palmsonntag O(MNIPOTENS SEMPITERNE) .
    • 75r Karsamstag D(EUS QUI HANC) .
    • 76v Ostern D(EUS QUI HODIERNA).
    • 82r Christi Himmelfahrt C(ONCEDE QUAESUMUS).
    • 85r Pfingsten D(EUS QUI HODIERNA).
    • 88v Dreifaltigkeitsfest O(MNIPOTENS SEMPITERNE) .
  • 98r-149r Titel: Proprium de sanctis.
    • Mit Initialen hervorgehobene Feste: 98r Fest des hl. Silvester D(A QUAESUMUS OMNIPOTENS) .
    • 101r Pauli Bekehrung D(EUS QUI UNIVERSUM) .
    • 102r Li.htmleß O(MNIPOTENS SEMPITERNE).
    • 110r Fest der hl. Walburga am Tag der hll. Philippus und Jakobus.
    • 110v Kreuzauffindung D(EUS QUI IN PRECLARA) : Drudenfuß am äußeren Rand, vermutl. zur Bezeichnung einer Auslassung.
    • 116v Geburt Johannes des Täufers C(ONCEDE QUAESUMUS OMNIPOTENS) .
    • 118v Fest Peter und Paul D(EUS QUI HODIERNAM DIEM).
    • 127r Fest des hl. Laurentius D(A NOBIS) .
    • 129r Mariä Himmelfahrt V(ENERANDA NOBIS) .
    • 134r Mariä Geburt S(UPPLICATIONEM SERVORUM) .
    • 137v Fest des hl. Lambertus mit Vigil I(NTERCESSIO QUAESUMUS DOMINE) .
    • 143v Allerheiligen O(MNIPOTENS SEMPITERNE) .
    • Darüber hinaus auf Lüttich weisende Feste: 113r Servatius, 133v Egidius abbas, 137r Vigil zu Lambertus.
  • 149r-154v Commune sanctorum.
    • 154v Kirchweihe D(EUS QUI NOBIS) .
  • 156r Titel: Votivmessen.
  • 177r Titel: Totenmessen.
  • 186r Titel: Benediktionen (Segnungen).
  • 205r Titel: Gebet Incipit: Summe sacerdos et vere pontifex qui te obtulisti.
  • 207v Titel: Gebet Incipit: De corpore XPISTI (Nachtrag 12. Jh. ).

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 128ff.
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 63f.
  • K.H. Usener, Kreuzigungsdarstellungen in der mosanen Miniaturmalerei und Goldschmiedekunst, in: RBAHA 4 (1934), S. 201ff.
  • Schnitzler II 1959, S. 26 Nr. 18 (Lit.)
  • Rhein und MaasI 1972, S. 294Nr.21 (A. von Euw)
  • A. von Euw, Zur Buchmalerei im Maasgebiet von den Anfängen bis zum 12. Jahrhundert, in: Rhein und Maas II 1973, S. 351, 355
  • D. Kötzsche, Die Kölner Niello-Kelchkuppa und ihr Umkreis, in: The Year 1200: a symposium, New York 1975, S. 141f.
  • R. Kahsnitz, Armillae aus dem Umkreis Friedrich Barbarossas, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums (1979), S. 7ff.
  • M.-R. Lapière, La Lettre ornée dans les manuscrits mosans d'origine bénédictine (XIe-XIIe siècles), Paris 1981 (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l'Université de Liège, Fasc. 229), S. 292ff.
  • Ornamenta 1985, I S. 442f., Nr.C19 (A. von Euw)
  • Handschriftencensus 1993, S. 661, Nr. 1115.

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 400-404 (Andreas Odenthal/Joachim M. Plotzek) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-11770
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-11770
Lizenzangaben

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