Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 75

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Augustinus : De civitate Dei
Entstehungsort
Diözeses Salzburg
Entstehungszeit
1. Viertel 9. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
206 Blätter
Format
305 mm x 210 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-12548 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 75

Überblickbeschreibung

Augustinus: De civitate Dei

Den Inhalt bilden die ersten zehn der insgesamt 22 Bücher aus dem Werk 'Vom Gottesstaat' des hl. Kirchenvaters Augustinus (354-430). Dieser erste Teil hat wegen seiner vielen Rückbezüge auf die Antike für das Mittelalter eine besondere Bedeutung. Er bietet in gewisser Weise einen Ersatz für verlorene antike Werke wie beispielsweise die 'Antiquitates' des römischen Universalgelehrten Marcus Terentius Varro (116-27 v.Chr.). Der Inhalt spricht von den Beschuldigungen der Christen bezüglich des Untergangs des Römerreiches (I), von Götterkulten und Schauspielen (II), von den Kriegen der Griechen und Römer (III), von der Theologie der Römer nach der Götterlehre Varros (IV), der göttlichen Vorsehung und der Willensfreiheit des Menschen (V), vom Idealbild des christlichen Herrschers (VI), vom Kult und Gottesdienst (VII), von den griechischen und römischen Philosophenschulen und Philosophen, unter denen Platon dem Christentum am nächsten steht (VIII-X). Jones (1971, S. 62) sah Dom Hs. 75 von fünf Händen unter Erzbischof Gunthar (850-863, gest. nach 871) in Köln geschrieben, was Bischoff (1980, S. 106f.) zu Gunsten Salzburgs revidierte. Er zählt das Buch zu den im Arn-Stil geschriebenen Werken. Dieser Stil wurde im Kloster Saint-Amand ausgebildet und in der Diözese Salzburg im 1. Viertel des 9. Jahrhunderts gehandhabt. Die historische Erklärung dafür liegt in der Person des aus Freising stammenden Salzburger Erzbischofs Arn (785/798-821) , der am Hof Karls des Großen (768-814) Aquila (Adler) genannt wurde. Auf Vermittlung Karls wurde er 782 Abt von Saint-Amand und 798 unter Beibehaltung der Abtwürde der erste Erzbischof von Salzburg sowie Kanzler Karls für Bayern. Auf einen Weg vom Norden Frankreichs nach Bayern und Salzburg weisen auch die Glossen. Stoclet (1984, S. 191ff.) nimmt ihre Entstehung im 7./8. Jahrhundert in Clermont-Ferrand an und sieht in Ms.350 der Bibliothèque Municipale von Cambrai, einer Augustinus-Handschrift aus Saint-Amand, einen Überlieferungsträger für diese Glossen, die alsdann in Clm 6267 der Bayerischen Staatsbibliothek in München und in Dom Hs. 75 auftreten. Clm 6267 zählt nach Bischoff (1974) mit dem darin enthaltenen 'De civitate Dei' zu den im bischöflichen Skriptorium von Freising unter Hitto (811/812-835) geschriebenen Büchern. Parallelen für den Buchschmuck fand Bischoff (1980, S. 99, 130) schließlich in Ms.170 der Bibliothèque Municipale von Valenciennes und in Codex 1080 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, beides Handschriften aus Saint-Amand. Vielleicht dürfen wir wie im Fall von Dom Hs. 35 (Kat.Nr.10) auf Erzbischof Hildebald (vor 787-818) von Köln als Besteller der Handschrift bei Erzbischof Arn von Salzburg schließen.

Autor des Textes: Anton von Euw

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 11+8, 2-58, 61+2, 7-178, 188+2, 19-268 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 220 mm x 137 mm ;Blindliniierung mit Versalienspalten ( 8 mm ), ab Lage 2 auch doppelte Liniierung der ersten und letzten Zeile; Zirkelstiche am Rand; einspaltig; 28 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in karolingischer Minuskel mit brauner Tinte; Titel in Capitalis und Uncialis; Incipit und Explicit teilweise rubriziert, in Capitalis oder Uncialis;

Buchschmuck

  • Zu den Buchanfängen oder deren Vorreden Initialen in Federzeichnung mit Tinte, bisweilen von Minium begleitet; Buchstabenkörper mit Flechtbandfüllung oder vegetabilen Elementen wie Herzblättern, am Buchstabenkörper beispielsweise des Q(uoniam) auf 85r; Titelseite in Capitalis zeilenweise abwechselnd in Tinte und Minium (1r).

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Wie Frenken (1923) bemerkt, hatte Decker (1895, S. 232f.) Dom Hs. 75 irrtümlich mit Nr. 25 des Kölner Bibliothekskataloges von 833 identifiziert. Die Handschrift ist im Katalog nicht nachweisbar. Dennoch wird sie zur Zeit Erzbischof Hildebalds von Salzburg nach Köln gelangt sein. Darmstadt 2077.

Inhaltsangabe

  • 1r Leer; Federproben: siquis sine pecato est mittat in eam lapidem (vgl. Jo 8,7); Domine si vis, potes salvus fieri (mit Neumen).
  • 1v-206v Augustinus, De civitate Dei (Buch I-X) ( CCL 47, 1-314).
    • 1v Am oberen Rand ecclesie Coloniensis est ( 14. Jh. ); Titel IN NOMINE DOMINI NOSTRI IHSU INCIPIT LIBER DE CIVITATE DEI SANCTI AUGUSTINI EPISCOPI MIRIFICE DISPUTA ADVERSUS PAGANOS ET DAEMONES EORUM DEOS AB EXORDIO MUNDI USQUE IN FINEM SAECULI.
    • 2r-24v Buch I Incipit: GLORIOSISSIMAM CIVITATEM DEI - ab alio sumamus exordio. Explicit liber I etc.
      • 2r Incipit: G(LORIOSISSIMAM).
    • 24v-44r Buch II Incipit: Incipit liber secundus eiusdem. Si rationi perspicuae veritatis - ut hic sit huius voluminis modus. Explicit liber II.
    • 44r-65v Buch III Incipit: Incipit liber III. Iam satis dictum arbitror - a quibus antea colebantur. Explicit liber sancti Augustini de civitate Dei contra paganos tertius.
    • 66r-85r Buch IV Incipit: INCIPIT LIBER QUARTUS. De civitate dicere exorsus - et hic dandus huius probixitatus modus. Explicit liber III. etc.
      • 66r Incipit: D(e civitate).
    • 85r-108v Buch V mit Vorrede Incipit: INCIPIT LIBER QUINTUS. Quoniam constat omnium - quod oportet audire.
      • 85r Q(uoniam).
    • 109r-122r Buch VI mit Vorrede Incipit: INCIPIT LIBER VI. Quinque superioribus libris - coniugendum est, animum intendat. EXPLICIT LIBER SEXTUS.
    • 122v-142v Buch VII mit Vorrede Incipit: INCIPIT LIBER VII. Diligentius me parvas - et vincuntur, agnoscat. EXPLICIT LIBER.
      • 122v d(iligentius).
    • 143r-162r Buch VIII Incipit: INCIPIT LIBER OCTAVUS DE CIVITATE DEI SANCTI AUGUSTINI EPISCOPI. NUNC INTERIORE NOBIS EST - in volumine sequenti videndum est. Explicit liber VIII.
    • 162v-177r Buch IX Incipit: INCIPIT LIBER VIIII. Et bonos et almos deos esse quidam - in sequenti libro diligentius disseremus. Explicit liber VIIII.
    • 177v-206v Buch X Incipit: INCIPIT LIBER X. Omnium certa sententia quantum divinitus adiuvabor expediam. Explicit liber X de civitate Dei.
  • 206v Nachsatz in kleiner Minuskel Incipit: Quorum decem librorum quinque super sunt.
  • Die Handschrift enthält zu allen Büchern originale Erweiterungen am Rand (Apostilles), einige davon wurden von Jaffé/Wattenbach (1874, S. 111f.) transkribiert. Nach Stoclet (1984, S. 187, 192, 203f.) stammen sie von einem Leser des 7. oder 8. Jahrhunderts, wahrscheinlich aus Clermont-Ferrand und sind teilweise auch in den Handschriften München Clm 6267 sowie Cambrai 350 enthalten.
  • Auf mehreren Seiten der Handschrift (u.a. 11v , 24v , 87r , 150r , 168r , 191v , 192r ) finden sich korrigierende Anmerkungen in tironischen Noten, der Kurzschrift des Sekretärs Ciceros, wohl von derselben Hand, die die Glossen schrieb ( Schmitz 1983).

Bibliographie

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-12548
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-12548
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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