Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 244
Bibliographische Beschreibung
Überblickbeschreibung
Totenoffizium
Der schmale Band enthält die liturgischen Texte des 'Officium defunctorum' und weist als Buchschmuck im Text lediglich einige blau-rote Zierinitialen auf. Das letzte Blatt (79r) zeigt im Querformat die Darstellung eines Priesterbegräbnisses. Die Schrift des Textes und die Malweise der Miniatur sprechen für eine Entstehung des Codex zu Beginn des 15.Jahrhunderts im Kölner Umkreis. Der Sarg des Toten ist auf einem Katafalk aufgebahrt und vollständig mit einer kostbar gemusterten Brokatdecke umhüllt. Auf dem Sarg steht links ein großer Kelch als äußeres Zeichen dafür, daß es sich bei der verstorbenen Person um einen Geistlichen handelt. An den vier Ecken des Katafalks brennen lange, gedrehte Kerzen; zwei unter dem Sarg durchgeschobene Tragestangen ragen links und rechts heraus. Vier Diakone sind seitlich neben dem Katafalk postiert. In ihren Händen halten sie aufgeschlagene Bücher. Sie schauen nach Norden, Süden, Westen und Osten. Mit Hilfe der Rubriken des Totenoffiziums kann die Darstellung gedeutet werden (67r, 69r, 70v, 72v): Die Diakone verlesen während der Feier die Anfänge der vier Evangelien; nach Osten wird das Matthäusevangelium gesprochen, nach Süden das des Markus, nach Norden der Lukasbericht und nach Westen die Worte des Johannesevangeliums. Darstellungen von Totenoffizien sind außerhalb der Stundenbücher selten. Das spärliche Vergleichsmaterial, etwa das zeitgleiche Totenbuch der Johanniterkommende Burgsteinfurt in westfälischem Privatbesitz, zeigt in einer der beiden Miniaturen zwar ebenfalls ein Totengedenken, doch ohne Diakone. Laut Kolophon (78r-78v) wurde die Handschrift von dem Kölner Domherrn Johannes von Deutz (gest. 1411) zur Ehre Mariens gestiftet, der einige Votivmessen am Anfang des Codex gewidmet sind (7rff.). Empfänger war die Bruderschaft Kölner Pfarrer, denen Dom Hs. 244 für das Totengedenken im Offizium dienen konnte. Die Miniatur - zwar beigebunden, doch möglicherweise dem Original zugehörig - zeigt, wie sich Johannes von Deutz seine Totenfeier vorstellte.
Zustand und Zusammensetzung
Schrift und Hände
Lateinischer Text in dunkelbrauner bis schwarzer Textura, rubriziert; Auszeichnungsschrift: Textura
Musiknotationen
Buchschmuck
- Initialen und Textmajuskeln: Cadellen und Lombarden; ein-, zwei- und mehrzeilige Textmajuskeln und Initialen in Rot und Blau; im Notentext zwei- und mehrzeilige zweifarbige Cadellen in Minium und Tinte; mehrzeilige zweifarbige Initialen in Rot und Blau mit Fleuronnée und vegetabilen Motiven in Rot und Violett in Binnen- und Außengrund; ganzseitige Miniatur in Deckfarben und Gold (Bl. 79r).
Einband
Einband: Schweinsleder über Holz; ehemals mit je fünf Beschlägen auf Vorder- und Rückdeckel sowie zwei Überwurfschließen, von denen eine fragmentiert erhalten ist (um 1500); vorderer Innenspiegel: aufgeklebtes Pergament mit dem Gesang des Kyrie; auf dem oberen Seitensteg 'Deus in adiutorium meum intende', rückwärtiger Innenspiegel: Nachtrag aus dem Officium B. Mariae in sabbato 'Concede nos famulos tuos'.
Geschichte der Handschrift
Inhaltsangabe
- 1r Titel: Kyriale beginnend mit Incipit: De Domina nostra .
- 6r Incipit: Gloria in excelsis (nachgetragen).
- 7r Titel: Gesänge zu verschiedenen Votivmessen zu Ehren Mariens , beginnend mit dem 4. Advent. Introitus Incipit: R(orate celi) .
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23r-78r
Titel: Totenoffizium.
- 23r Antiphon Incipit: Placebo Domino; Psalm 141 Incipit: D(ilexi quoniam) .
- 69r Beginn der Evangelienlesungen mit dem Anfang des Matthäusevangeliums.
- 77v Nachtrag auf dem unteren Seitensteg (Ps 137).
- 78r Kolophon: Noverint universi quod ego Johannes de Tuicio alias de Tyczervelde plebanus sancti Martini Coloniensis istum librum una cum alio libro isto consimili in ligatura tenore et scriptura fraternitati plebanorum Coloniensium ob honorem preclarissime genitricis summi regis Domini nostri Jesu Christi ac omnium sanctorum et electorum erogavi, ut honor laus et cultus divinus preelecte genetricis eo perfectius ferventius sollicicius et fructuosis ab omnibus laudis ac predicationis sue presentibus honoretur, ut viventes ipsius acquirent favorem et mortui vitam sempiternam. Amen . - Es möge der Allgemeinheit bekannt sein, daß ich, Johannes von Deutz alias von Deutzerfeld, Pfarrer von St. Martin in Köln dieses Buch - zusammen mit einem anderen Buch, das in Bindung, Inhalt und Schrift gleichgestaltet ist - der Bruderschaft der Kölner Pfarrer zur Ehre der alles überstrahlenden Gebärerin unseres höchsten Herrn und Königs Jesu Christi und aller Heiligen und Erwählten gespendet habe, damit die Ehre, das Lob und die gottesdienstliche Verehrung der erwählten Gebärerin um so vollkommener, eifriger, sorgfältiger und fruchtbringender von allen Anwesenden in Lob und Verkündigung vollzogen werden und so die Lebenden ihr Wohlwollen und die Toten das ewige Leben erhalten mögen. Amen.
- 79r Ganzseitige Miniatur eines Priesterbegräbnisses.
- 79v Leer.
- Randglossen des 15. und 17. Jhs.
Bibliographie
- Heusgen 1933 , S. 13f.
- Handschriftencensus 1993, S. 699, Nr. 1180
- T. Vollmer, Agenda Coloniensis. Geschichte und sakramentale Feiern der gedruckten Kölner Ritualien, Regensburg 1994 (Studien zur Pastoralliturgie 10), S. 57.
Quellenangabe
- Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 469-470 (Ines Dickmann/Hans-Walter Stork) [Digitaler Volltext]


