Zur Seitenansicht

Evangeliar (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 14)

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Evangeliar
Entstehungsort
Nordfrankreich (?)
Entstehungszeit
3. Viertel 9. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
215 Blätter
Format
302 mm x 217 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-32 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 14
Alternative Signatur
Dom Hs. 14
Katalogsignatur
Jaffé/Wattenbach: XIV.
Frühere Signatur
Darmst. 2014
Katalogsignatur
Handschriftencensus Rheinland: 977
von-Euw: 5.
Schulten-1980: Kat. 2
Clemen: 5
Alternative Signatur
Köln, Dombibliothek Hs. 14
Katalogsignatur
HMML Microfilm-No.: 35,145
Frühere Signatur
"91" (earlier shelf mark, FEL ii).

Überblickbeschreibung

Evangeliar

Das Evangeliar Dom Hs. 14 zeichnet sich durch seine kostbare Ausstattung aus, die sich nicht auf die reichliche Verwendung von Gold und Silber beschränkt. Vielmehr treten zu den Kanontafeln, Evangelistenbildern und Initialzierseiten als ergänzender Bildschmuck das Autorenportrait (1v) des Bibelübersetzers Hieronymus (347/348-419/420) und eine heute zur Hälfte verlorene Darstellung der Kreuzigung Christi hinzu (15v). Die doppelseitige Anlage aller Bild- und Zierseiten provoziert zudem eine Verdoppelung üblicher Ausstattungsschemata. Dem hl. Hieronymus steht der Anfang seines Briefes an Papst Damasus (366-384) als Initialzierseite (2r) gegenüber, den Evangelisten der Titel ihrer Berichte, der den Beginn des jeweils folgenden Evangeliums feierlich ankündigt. Diesem Beginn ist wiederum eine Schriftzierseite als Gegenstück zur Zierinitiale angehängt. Das Matthäusevangelium wird zusätzlich durch zwei sich anschließende Seiten in goldener Unzialschrift hervorgehoben, die fast den ganzen Stammbaum Christi als Beleg seiner Menschwerdung enthalten.

Die Ausstattung des Evangeliars ist charakteristisch für die sog. franko-sächsische Schule, deren Zentrum sich zur Zeit Karls des Kahlen (840/843-877) wohl in Saint-Amand bildete, aber auch auf andere Skriptorien ausstrahlte. Typisch ist einerseits die Übernahme insularer Ziermotive, andererseits die Anlehnung an kontinentale Vorgaben vor allem aus der karolingischen Schule von Reims im allerdings selten auftretenden Figurativen. Während die sehr qualitätvolle Ornamentik und Schrift in einer Reihe von Handschriften in fast identischer Form überliefert sind (z.B. Paris, Bibl. Nat., Lat. 2 und Lat. 257; Köln, Schnütgenmuseum, G 531), werden in der Gestaltung der Figur erhebliche Diskrepanzen deutlich. So scheinen die Evangelisten in Dom Hs. 14 von einer wenig geübten Hand insularer Prägung gemalt worden zu sein, doch entsprechen die Figurentypen dem Repertoire von Reims. Typisch für die sog. franko-sächsische Schule und ihr verwandte Handschriften ist auch die Verbindung von Evangelist und Symboltondo, in dessen breitem Rahmen häufig die Verse des spätrömischen Dichters Sedulius (1. Hälfte 5.Jh.) in dieser oder abgewandelter Form eingeschrieben sind (z.B. New York, Pierpont Morgan Libr., M 862; Köln, Schnütgen-Museum, G 531). Möglicherweise geben diese Verse auch einen Hinweis auf den Ursprung des Motivs: Zusammen mit den ganzfigurigen ungeflügelten Symboltieren - wie sie z.B. in den Mosaiken von San Vitale in Ravenna auftreten - könnten sie vielleicht auf einen frühchristlichen Archetypus zurückgehen (von Euw, Evangelien 1989).

Nicht zum üblichen Schmuck eines Evangelienbuches zählend und in der Faltengebung etwas abweichend sind das Bild des Hieronymus - der hier als Mönch, und nicht wie in den späteren ottonischen Kölner Evangeliaren als Priester auftritt - und die beiden Begleitpersonen der verlorenen Kreuzigung Christi. Möglicherweise sind hier also Bildquellen anderen Ursprungs als Vorlage herangezogen worden. Um das System der doppelseitig angelegten Zierseiten nicht zu gefährden, mußten das Kreuz Christi auf der einen, Maria und Johannes auf der anderen Seite plaziert werden. Als Vorlage für die in den üblichen symmetrischen Darstellungen nach links gewendete Johannesfigur wurde daher Longinus, der in der Bildquelle die rechte Seite Christi mit der Lanze durchbohrte, bemüht. Ihm ist auch der auf der rechten Schulter geschlossene Militärmantel (Chlamys) zu verdanken, den Johannes sonst niemals trägt (von Euw 1990).

Letztlich ist nicht genau zu bestimmen, wo die Handschrift entstanden ist. Laut brieflicher Mitteilung B. Bischoffs (1985) entstammt die Schrift nicht dem Skriptorium von Saint-Amand. Ob die qualitativen Mängel der Figuren auf eine Spätphase der Schule (von Euw, Evangelien 1989) oder eine Entstehung in der Peripherie, z.B. in Köln (Micheli 1939), schließen läßt, kann hier nicht entschieden werden.

Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 332-340 (Ulrike Surmann)

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-32
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-32
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation