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Graduale (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 229)

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Graduale
Entstehungsort
Köln
Entstehungszeit
1498
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
357 Blätter
Format
574 mm x 412 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-3518 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 229
Katalogsignatur
Handschriftencensus Rheinland: 1173

Überblickbeschreibung

Graduale

Die laut Eintrag 1498 fertiggestellte Dom Hs. 229 kam als Stiftung zweier Mitglieder des Domkapitels in den Besitz des Kölner Domstifts (vgl. Dom Frühdruck 217, Kat. Nr. 98; Dom Hss. 221-225, Kat. Nr. 97). Beide Stifter gehörten zu den Edelkanonikern unter den Kölner Domherren, wenngleich zu zwei unterschiedlichen Generationen. Stephan I. von Bayern (geb. 1421) wurde am 9. September 1439 zur Präbende des verstorbenen Otto von Lippe nominiert (Ahnenprobe: März 1441; vgl. Kisky 1906). Er studierte in Heidelberg und Köln (H. Keussen, Die Matrikel der Universität Köln, Bd. III, Bonn 1931, 208,22), wurde Mainzer Domherr und ist ab Februar 1452 in Urkunden als Thesaurar des Kölner Doms erwähnt. Dieses Amt übernahm am 13. September 1481 Berthold von Henneberg; demnach hatte Stephan von Bayern entweder resigniert oder er war verstorben.

Johann II. von Reichenstein, Sohn Wilhelms und der Katharina Gräfin von Sayn-Wittgenstein (vgl. Kisky 1906), wurde am 28. Juli 1456 noch minderjährig von Subdekan Johann I. von Reichenstein zur Präbende des Eberhard von Catzenelnbogen nominiert (Ahnenprobe: 25. Mai 1459). Er war Domherr in Trier und Lüttich, studierte in Köln (Keussen 1931, 308,35) und übernahm 1490 das Amt des Scholasters sowie 1493 das des Subdekans am Kölner Dom. Am 20. November 1508 ernannte ihn Erzbischof Philipp von Köln zum Generalvikar (F. E. Frhr. von Mering, Die hohen Würdenträger der Erzdiözese Köln, Köln 1846, S. 60f.). Johann von Reichenstein starb 1511 und wurde im Chorumgang des Domes bestattet (J. W. C. A. Frhr. von Hüpsch, Epigrammatographie, Köln 1801, 2. Teil S. 33, Nr. 76; D´Hame, Historische Beschreibung der berühmten Hohen Erz-Domkirche zu Cöln am Rhein, Köln 1821, S. 266).

Der knappe Eintrag über die Stiftung zu Beginn des Graduales besagt, dieses solle zu Lob und Ehre Gottes und zur Zierde der Kirche dienen, außerdem dereinst Johann von Reichenstein und Stephan von Bayern sowie ihren Kollatoren und Wohltätern zum ewigen Heil gereichen. Rahmen, Umfang oder Zeitpunkt der Stiftung sind nicht erwähnt. Der wohl 1481 verstorbene Stephan von Bayern hat die Fertigstellung der Handschrift am 1. April 1498 nicht mehr erlebt. Vermutlich verfügte er gegen Ende seines Lebens zusammen mit Johann von Reichenstein diese Stiftung, deren Umsetzung dann Johanns Aufgabe gewesen sein dürfte. Auffällig ist die Zeitdifferenz von 15 bis 20 Jahren zwischen Stiftung und Fertigstellung der Handschrift.

Der Buchschmuck von Dom Hs. 229 besteht aus historisierten Initialen, Ornamentinitialen und zahlreichen Lombarden (Initialmajuskeln). Nach Fertigstellung des Textes legte der Schreiber oder ein Rubrikator - sofern hier nicht beide identisch waren - die einfachere Federzeichnung an den Lombarden an, um die einzelnen Seiten zu gliedern und Textanfänge zu markieren. Erst zum Schluß schuf der Illuminator die historisierten und ornamentierten Initialen sowie die Randverzierungen, mit denen die Proprien und die Hochfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten hervorgehoben sind.

Das zweigeteilte Binnenfeld der A-Initiale auf der Eingangsseite des Graduales und die Zierseite zum Osterfest dienten dem Buchmaler zu typologischen Gegenüberstellungen von Ereignissen aus Altem und Neuem Testament. Der Huldigung des Christuskindes durch dargebrachte Geschenke wird als Präfiguration die Huldigung König Davids durch die Königin von Saba vorangestellt. Zur Initialminiatur mit der Auferstehung Christi sind in der Rankenbordüre auf dem Fußsteg des Blattes Samson mit den Toren von Gaza sowie der vom Wal ausgespiene Jonas kombiniert. Derartige Gegenüberstellungen haben die Fraterherren später zu narrativen Illustrationsprogrammen ausgebaut (vgl. Dom Hs. 274, Kat. Nr. 102).

Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 504-509 (Johanna C. Gummlich)

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-3518
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-3518
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation