Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 5

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Smaragd von Saint-Mihiel : Psalmenkommentar
Entstehungsort
Köln
Entstehungszeit
Anfang 11. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
225 Blätter
Format
322 mm x 255 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5139 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 5

Überblickbeschreibung

Smaragd von Saint-Mihiel: Psalmenkommentar

Als eine von nur zwei erhaltenen Handschriften, die den Psalmenkommentar des Smaragd überliefern, kommt Dom Hs. 5 eine besondere Bedeutung zu (neben Berlin, Staatsbibl. PK, Ms.lat. fol.755). Noch bevor er etwa im Jahre 809 Abt der lothringischen Benediktinerabtei Saint-Mihiel wurde, hatte Smaragd (gest. nach 825) die dieser Handschrift zugrunde liegende exegetische Schrift verfaßt, in der er hauptsächlich den Psalmenkommentar des Cassiodor (um 485-um 580) verkürzend kompilierte (206r als Quelle benannt). Smaragds Auslegung, in deren Mittelpunkt die Trinität steht, neigt zur Betonung des moralischen Schriftsinns unter leichter Vernachlässigung des wörtlichen und historischen Aspektes (Rädle 1974). Die Strukturierung des Textes durch Initialen folgt der für den Psalter üblichen Dreiteilung (Ps 1, 51, 101), die mit der an der Textauswahl des Stundengebetes orientierten Gliederung (Ps 1, 26, 38, [52], 68, 80, [97], 109) kombiniert wird. Das überlieferte Widmungsgedicht besagt, daß ein vielleicht für den karolingischen Hof gedachtes Originalexemplar prachtvoll ausgestattet war (Rädle 1974). Im Initialschmuck von Dom Hs. 5 haben sich keine Spuren davon erhalten, wenn sich auch ein gewisser Anspruch aus der Initialzierseite ableiten läßt, die durch die verwendete Schriftform und die doppelte, nicht ornamentierte Rahmung sehr monumental wirkt. Das nachträglich mit Minium konturierte, von der Oxidation des grünen Bolus bedrohte goldene Rankenflechtwerk mit den züngelnden Blättern und den Minium-Pünktchen dieser und der übrigen Initialen entspricht dem der Kölner Domschul-Handschriften aus der Everger-Zeit (Dom Hs. 143, Kat.Nr.80 und Dom Hs. 53). Der Schriftduktus und das sich langsam zur rankenden Pflanze entfaltende Flechtwerk (z.B. 28r) legen jedoch eine Datierung zu Beginn des 11. Jahrhunderts nahe, etwa gleichzeitig mit dem vor 1021 wohl in Trier oder Echternach entstandenen Wolbodon-Psalter in Brüssel (Bibl. Royale, Ms.9188-9189).

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 16+1, 2-288, 292 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 254 mm x 165-181 mm ;Blindliniierung mit Versalienspalte ( 7 mm ); einspaltig; 36 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in dunkelbrauner bis schwarzer frühromanischer Minuskel; Auszeichnungsschrift: Capitalis Rustica; Initialen: Capitalis Quadrata und Uncialis; einzeilige Textmajuskeln in Minium; einzeilige Initialen in Minium zu Beginn der einzelnen Kommentare, mehrzeilige Initialen zu Beginn der einzelnen Psalmen, die nachfolgenden Buchstaben häufig in z.T. rot schattierter Capitalis in Tinte in die größere Initiale eingeschrieben;

Buchschmuck

  • Große Initialen aus Flechtwerkranken in grün grundiertem Gold mit Minium umrandet und z.T. mit Minium schattiert zu Beginn der Teilungspsalmen; Initialzierseite mit gerahmter Initiale in der beschriebenen Art zu Beginn des Textes.

Einband

Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Darmstadt 2007.

Inhaltsangabe

  • 1v-224r Titel: Smaragd von Saint-Mihiel, Psalmenkommentar (nicht ediert).
    • 1v Initialzierseite. Psalm 1 B(EATUS VIR) .
    • 2r Kommentar Incipit: ille dicitur cui omnia desiderata succedunt. Vir enim vocatur .
    • 28r Ps 21 für die Matutin an Christi Himmelfahrt D(EUS DEUS MEUS) .
    • 35r Ps 26 d(OMINUS ILLU minatio mea).
    • 57v Ps 38 d(IXI CUSTODIAM).
    • 80r Ps 51 Q(UID GLORIARIS) .
    • 103v Ps 68 S(ALVUM ME FAC) .
    • 128v Ps 80 E(XULTATE DOMINO) .
    • 157v Ps 101 d(OMINE EX audi).
    • 177v Ps 109 D(IXIT DOMINUS) .
    • 224r Ende mit Explicit: spiritaliter debeant cuncta laudare .

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 6
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 2f.
  • C. Nordenfalk, Rez. zu Bloch/Schnitzler, in: Kunstchronik 10 (1971), S. 303
  • J.M. Plotzek, Zur Initialmalerei des 10. Jahrhunderts in Trier und Köln, in: AaKbll 44 (1973), S. 112f.
  • F. Rädle, Studien zu Smaragd von Saint-Mihiel, München 1974 (Medium Aevum 29), S. 97ff.
  • F. Brunhölzl, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, I: Von Cassiodor bis zum Ausklang der karolingischen Erneuerung, München 1975, S. 446
  • Tusculum 1982, S. 734
  • Ornamenta 1985, I S. 435, Nr.C 15 (A. von Euw)
  • Hoffmann 1986, S. 466
  • A. von Euw, Vor dem Jahr 1000. Abendländische Buchkunst zur Zeit der Kaiserin Theophanu, Ausst.Kat. Köln 1991, S. 28, Nr. 1
  • Handschriftencensus 1993, S. 577, Nr. 968
  • LexMa 7 (1995), Sp. 2011ff. (F. Rädle) (Lit.)
  • Collegeville 1995, S. 8f.

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 225-225 (Ulrike Surmann) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5139
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5139
Lizenzangaben

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Klassifikation