Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 4

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Exodus mit Glossen
Entstehungsort
Nordfrankreich (Paris?)
Entstehungszeit
3. Viertel 12. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
105 Blätter
Format
292 mm x 212 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5191 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 4

Überblickbeschreibung

Exodus mit Glossen

Blättert man in dem glossierten Exodus, dem zweiten der fünf Bücher Mose, fällt auf, wie variabel der Schreiber das Dreispaltenschema genutzt hat, um den Haupttext mit den Glossen in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Entsprechend der zwischen 30 und 135mm schwankenden Breite der mittleren Kolumne gewann er Raum auch für besonders lange Kommentare. Diese zog er am Ende der Seite zuweilen L-förmig in die mittlere Spalte hinein - ein eher altertümliches Verfahren -, oder er führte sie in der nächsten Kolumne zu Ende. Öfters verwendete er am oberen Rand auch die Hauptspalte zusätzlich für die Marginalglosse, so daß der Bibeltext erst in der Seitenmitte einsetzt. Durch Teilung der Glossenspalten konnte er den stets mit einem Paragraphenzeichen versehenen Beginn möglichst nahe an das Bezugswort setzen. Umfangreichere Interlinearglossen, für die der Platz zwischen den in der Regel auf jeder zweiten Linie stehenden biblischen Worten nicht ausreicht, sind in die seitliche Spalte hinübergezogen.

Die Ausstattung des Codex beschränkt sich auf einzeilige Initialen, abwechselnd in Rot, Blau und Ocker, und die als einzige künstlerisch hervorgehobene Eingangsseite. Derselbe Farbdreiklang bestimmt hier das Zusammenspiel von Ziermajuskeln und Initialbuchstaben. Die Wirkung dieser sogenannten Silhouetteninitiale beruht auf dem Kontrast der Farben und der ganz ins Zweidimensionale aufgelösten Bewegung der Ranken, die ein vom Schriftzeichen weitgehend eigenständiges Leben führen. Während des 12. Jahrhunderts entwickelten einzelne Skriptorien vor allem in England und Frankreich solche letztlich von karolingischen Vorbildern herzuleitenden Arabeskeninitialen mit jeweils charakteristischen Varianten (J.J.G. Alexander, in: M.B. Parkes/A.G. Watson [Hgg.], Medieval scribes, manuscripts and libraries, London 1978, S. 87ff.; P. Stirnemann, in: Revue de l'art 90 [1990], S. 58ff.). In Glossenhandschriften begegnen sie als beliebte, wahrscheinlich vom Schreiber selbst ausgeführte Zierbuchstaben. Auch im Kölner Exodus-Manuskript dürften - in einem zweiten Arbeitsgang - die farbigen Majuskeln und mit ihnen die Eingangsinitialgruppe von der Hand des Schreibers oder eines spezialisierten Miniators eingefügt worden sein. Die Verwandtschaft zu gleichzeitigen frühen Fleuronnée-Initialen, als deren Vorläufer die Silhouetteninitialen gelten, kommt durch den blau-rot geteilten Stamm des Buchstabens und den konturbegleitenden Bogendekor recht deutlich zum Ausdruck.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 11, 2-148 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 189 mm x 164-170 mm (gesamt);Blindliniierung und Liniierung mit Metallstift; 2-3 Spalten; Haupttext in der Mittelspalte von wechselnder Breite, bis zu 20 Zeilen, mit Interlinearglossen; seitliche Glossenspalten in engerer Schrift.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in mittelbrauner bis schwarzer spätromanischer Minuskel, nicht rubriziert; Auszeichnungsschrift: Ziermajuskeln;

Buchschmuck

  • Einzeilige Initialen in Rot, Blau und Ocker, bei den Quellenangaben in den Glossen auch mehrzeilig; mehrzeilige Initiale in Blau mit stilisierter vegetabiler Füllung des Binnenfeldes in Ocker (30r); große Eingangsinitiale mit gespaltenem Buchstabenkörper und stilisierten Ranken in Rot, Blau und Ocker.

Einband

Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Darmstadt 2005.

Inhaltsangabe

  • 1r Nachtrag: Inhaltsverzeichnis.
  • 1v Leer.
  • 2r-104v Titel: Exodus mit Glossen (PL 113, 183-296; Stegmüller 11782).
    • 2r H(EC SUNT NOMINA); Marginalglosse RABANUS. In Pentateuco excellit; Interlinearglosse zu nomina: quae scripta sunt in celo.
    • 30r Canticum Moysis (Ex 15) C(ANTEMUS D omino).
    • 48v Blind eingeritzter Name Filippo .
    • 104v Ende mit Explicit: per cunctas mansiones suas ; Marginalglosse flamma per noctem ; Interlinearglosse profunditate scripturarum; corda iniquorum; bonis .
  • 105r Titel: Fünfzehn Quaestiones in Exodum Incipit: Magna discretione opus est - ad risum sine fletu ;
  • Titel: Sentenzen Incipit: Ieronimus. Impericia temeritatem - et amore iustitie (?; vgl. Collegeville 1995 ).

Bibliographie

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 230-232 (Beate Braun-Niehr) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5191
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-5191
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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Klassifikation