Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 59

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Lektionar mit Briefen und Kommentaren des hl. Hieronymus.
 
Friedrich-Lektionar
Entstehungsort
Köln
Entstehungszeit
um 1130
Beschreibstoff
Pergamenthandschrift.
Umfang
171 Blatt, .
Format
34 cm x 25 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7533 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 59
Katalogsignatur
Schulten-1980: Kat. 56

Buchschmuck

  • Außer der abgebildeten Seite (Fol. 1r) enthält die Schrift nur eine Zierseite mit der blattwerkgeschmückten Ligatur IN (Fol. 1v).

    In der unteren Hälfte des Mittelfeldes der Miniatur thront der Erzbischof unter einem von Marmorsäulen gestützten Bogen, dessen Inschrift seinen Namen und Titel enthält. In den beiden Zwickeln des Bogens erscheinen der Mauerring und einige Häuser der Residenzstadt, die in einem übertragenen Sinne auch das "Himmlische Jerusalem" bedeuten. Das ist vergleichbar dem Wid- mungsbild des Hillinuskodex von ca. 1025, bei welchem in der oberen Zierleiste der Kölner Dom in einem ähnlichen Sinne abgebildet ist. Das Schriftband, das der Erzbischof in Händen hält, nennt ihn mit einem Psalmwort (Ps. 118,97) einen Liebhaber des Gesetzes, dem seine Betrachtung den ganzen Tag über gilt. Die mit Büchern gefüllten Behälter rechts und links neben seinem Thron unterstreichen die Bedeutung des Erzbischofs als Hüter des Gesetzes des Alten und Neuen Bundes, das in den Büchern der Kölner Dombibliothek aufgezeichnet und kommentiert ist. Gleichzeitig bezeugt das Portrait den Erzbischof als den Urheber des Buches, wie das Hieronymusbild im älteren Hillinuskodex den Heiligen mit den ähnlich zugeordneten Buchbehältern als Autor kennzeichnet. - Über dem Erzbischof thront in gleicher Größe und ebenso frontal der segnende Christus als eigentlicher Urheber des Gesetzes. Er hält in der Linken ein Schriftband mit einem Text des Evangeliums (Jo 14,23), wonach derjenige, der Christi Worte liebt und bewahrt, zu einer Wohnung der Gottheit wird. Die auffällige Entsprechung beider Bilder kennzeichnet den Erzbischof als einen anderen Christus. Beide Gestalten thronen vor einem blaugrünen Hintergrund, der in der Kölner Buchmalerei so häufig vorkommt. Der breite bebilderte Rahmen, der die zentralen Gestalten umschließt, ist ein uraltes Bildmotiv. Er will nichts anderes, als den im Mittelfeld bereits anklingenden Gedanken der Gesetzesliebe des Erzbischofs und seines himmlischen Herrn verdeutlichen. Sieben Propheten des Alten Bundes, der Vorläufer Johannes d. T. und sechs Apostel stehen sich als Verheißung und Erfüllung gegenüber. Es sind Brustbilder in kleinen Rechtecken und ihre Namen sind auf der roten Innenleiste gut lesbar. Alle halten Schriftbänder mit Bibeltexten in Händen, die die Liebe Gottes, die Gnade und die Heiligung des Menschen, die Befolgung des Willens Gottes und die göttliche Güte preisen. Es handelt sich um die Paare: Johannes d. T. (Jo 1,16) und Moses (Deut. 6,5) Petrus (l Petr. 4,8) und David (PS. 33,9) Paulus (Rom. 5,5) und Isaias (Is. 57,2) Jakobus (Jak 1,17) und Jeremias (17,21 und 17,10) Johannes (l Jo. 4,19) und Ezechiel (36,23) Matthäus (7,21) und Daniel (2,21-22) Judas (20-21) und Malachias (4,2).

    Rundbilder mit Halbfiguren der vier Kardinaltugenden Tapferkeit, Klugheit, Gerechtigkeit und Mäßigkeit dienen zum Schmuck der Ecken des Bildes. Sie verdeutlichen, daß der Mensch nur durch Übung dieser Tugenden das Gesetz erfüllen kann:

    Tapferkeit, dargestellt mit Panzer, Helm, Schild und Waffen. Auf dem Rand des Rundbildes steht die Inschrift: + CONSTANS & FORTIS. DIRUMPES. VINCULA. MORTIS. (Standhaft und tapfer zerreißt du die Fesseln des Todes)Klugheit mit Schlange, Buch und Umschrift: + VINCES. PRUDENTER. QUICQVID. TOLERAS. PATIENTER. (Klug besiegst du, was du geduldig erträgst)Mäßigkeit mit Schale, Mischkrug und der Umschrift: + FERVOREM. VITE. DISCRETIO. TEMPERET. IN. TE. (Unterscheidung mäßigt in dir die glühende Leidenschaft des Lebens)Gerechtigkeit mit Waage und Umschrift: + JUSTITIAE. NORMAM. PIETAS. NON. DESERAT. UMQUAM. (Frömmigkeit verläßt niemals die Norm des Gesetzes) Auch die grüne Umschrift des Bildes preist die Liebe Christi und die Christus- und Gesetzesliebe des Erzbischofs, sowie die Tatsache, daß er diese auch in die Tat umsetzt: + PERPES. AMATORUM. DILECTOR. XPE. TUORUM. IN. TE. PRESUL. AMAT. TUBA. QD. SYMMISTICA. CLAMAT. QUOD. NOVA. LEX. PROMPT. LIBRIS. ET. CORDE. REDDIT. HINC. DULCI. GUSTU. QD. RUMINAT. EXHIBET. ACTU. Der Buchtitel auf der Rückseite der Miniatur ist mit blauen, grünen und roten Großbuchstaben geschrieben: IN NOMINE DOMINI INCIPIUNT EPISTOLAE. SANCTI. HIERONIMI. PRESBITERI. DIVISAE. PROPTER. GRAVITATEM. PONDIS. Der letzte Teil des Titels besagt, daß der Text wegen des großen Gewichtes der Handschrift in zwei Kolumnen geteilt (relativ klein geschrieben) auf Jedem Pergamentblatt niedergeschrieben wurde.

    Das Bildprogramm nimmt durch seine Ausführlichkeit gleichsam das Bildprogramm des späteren Heribertschreines in Köln-Deutz vorweg. Eine künstlerische Voraussetzung für die Miniatur sind vor allem die Evangelistenbilder des Evangeliars aus der Kölner Kirche Maria Lyskirchen (1110 und 1120), das sich heute im Schnütgen-Museum befindet. Die breite Faltenzeichnung verbindet das Blatt mit Kölner Handschriften aus dem 2. Viertel des 12. Jhs. Für den Typus der Majestas und den Stil der Malerei sind H. Schnitzlers Beobachtungen heranzuziehen.

    Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg (bayerischer Nordgau) hat im Siebengebirge die zerstörte Wolkenburg gebaut; er bewahrte in Rom 1111 Kaiser Heinrich V. vor einer militärischen Niederlage. 1112 weihte er den hl. Norbert zum Priester. Er war ein großer Gönner des Rupert von Deutz . Er ist Gründer der Propstei Remagen, der Zisterzienser-Abtei Camp, der Propstei in Zülpich und des Benediktinerinnenklosters Nonnenwerth. Er ließ 1130 Prämonstratenser in das neue Kloster Knechtsteden kommen.

Geschichte der Handschrift

Herkunft
Die Handschrift wurde auf Veranlassung des Kölner Erzbischofs Friedrich (1099-1131) geschrieben.

Inhaltsangabe

  • Die Schrift enthält Briefe und Kommentare des hl. Hieronymus (ca. 342-420).

Bibliographie

  • Jaffé-Wattenbach, Nr. 59.
  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage), S. 395 f., Nr. 10, Abb. Fig. 322.
  • Hermann Schnitzler, Rheinische Schatzkammer der Romanik, Düsseldorf 1959, S. 29, Nr. 23, Taf. 75.
  • Joseph Hoster, Der Dom zu Köln, 1964, S. 56 f., Nr. 73, Abb. 73.
  • Hermann Schnitzler, Die Ottonische Kölner Malerschule, Düsseldorf 1970, S. 141.
  • Rhein und Maas(Katalog) I., Köln 1972, S. 308, 341 mit Abb.
  • Schulten 140.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7533
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7533
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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Klassifikation