Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 14

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Evangeliar
Entstehungsort
Nordfrankreich (?)
Entstehungszeit
3. Viertel 9. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
215 Blätter
Format
302 mm x 217 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7653 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 14

Überblickbeschreibung

Evangeliar

Das Evangeliar Dom Hs. 14 zeichnet sich durch seine kostbare Ausstattung aus, die sich nicht auf die reichliche Verwendung von Gold und Silber beschränkt. Vielmehr treten zu den Kanontafeln, Evangelistenbildern und Initialzierseiten als ergänzender Bildschmuck das Autorenportrait (1v) des Bibelübersetzers Hieronymus (347/348-419/420) und eine heute zur Hälfte verlorene Darstellung der Kreuzigung Christi hinzu (15v). Die doppelseitige Anlage aller Bild- und Zierseiten provoziert zudem eine Verdoppelung üblicher Ausstattungsschemata. Dem hl. Hieronymus steht der Anfang seines Briefes an Papst Damasus (366-384) als Initialzierseite (2r) gegenüber, den Evangelisten der Titel ihrer Berichte, der den Beginn des jeweils folgenden Evangeliums feierlich ankündigt. Diesem Beginn ist wiederum eine Schriftzierseite als Gegenstück zur Zierinitiale angehängt. Das Matthäusevangelium wird zusätzlich durch zwei sich anschließende Seiten in goldener Unzialschrift hervorgehoben, die fast den ganzen Stammbaum Christi als Beleg seiner Menschwerdung enthalten.

Die Ausstattung des Evangeliars ist charakteristisch für die sog. franko-sächsische Schule, deren Zentrum sich zur Zeit Karls des Kahlen (840/843-877) wohl in Saint-Amand bildete, aber auch auf andere Skriptorien ausstrahlte. Typisch ist einerseits die Übernahme insularer Ziermotive, andererseits die Anlehnung an kontinentale Vorgaben vor allem aus der karolingischen Schule von Reims im allerdings selten auftretenden Figurativen. Während die sehr qualitätvolle Ornamentik und Schrift in einer Reihe von Handschriften in fast identischer Form überliefert sind (z.B. Paris, Bibl. Nat., Lat. 2 und Lat. 257; Köln, Schnütgenmuseum, G 531), werden in der Gestaltung der Figur erhebliche Diskrepanzen deutlich. So scheinen die Evangelisten in Dom Hs. 14 von einer wenig geübten Hand insularer Prägung gemalt worden zu sein, doch entsprechen die Figurentypen dem Repertoire von Reims. Typisch für die sog. franko-sächsische Schule und ihr verwandte Handschriften ist auch die Verbindung von Evangelist und Symboltondo, in dessen breitem Rahmen häufig die Verse des spätrömischen Dichters Sedulius (1. Hälfte 5.Jh.) in dieser oder abgewandelter Form eingeschrieben sind (z.B. New York, Pierpont Morgan Libr., M 862; Köln, Schnütgen-Museum, G 531). Möglicherweise geben diese Verse auch einen Hinweis auf den Ursprung des Motivs: Zusammen mit den ganzfigurigen ungeflügelten Symboltieren - wie sie z.B. in den Mosaiken von San Vitale in Ravenna auftreten - könnten sie vielleicht auf einen frühchristlichen Archetypus zurückgehen (von Euw, Evangelien 1989).

Nicht zum üblichen Schmuck eines Evangelienbuches zählend und in der Faltengebung etwas abweichend sind das Bild des Hieronymus - der hier als Mönch, und nicht wie in den späteren ottonischen Kölner Evangeliaren als Priester auftritt - und die beiden Begleitpersonen der verlorenen Kreuzigung Christi. Möglicherweise sind hier also Bildquellen anderen Ursprungs als Vorlage herangezogen worden. Um das System der doppelseitig angelegten Zierseiten nicht zu gefährden, mußten das Kreuz Christi auf der einen, Maria und Johannes auf der anderen Seite plaziert werden. Als Vorlage für die in den üblichen symmetrischen Darstellungen nach links gewendete Johannesfigur wurde daher Longinus, der in der Bildquelle die rechte Seite Christi mit der Lanze durchbohrte, bemüht. Ihm ist auch der auf der rechten Schulter geschlossene Militärmantel (Chlamys) zu verdanken, den Johannes sonst niemals trägt (von Euw 1990).

Letztlich ist nicht genau zu bestimmen, wo die Handschrift entstanden ist. Laut brieflicher Mitteilung B. Bischoffs (1985) entstammt die Schrift nicht dem Skriptorium von Saint-Amand. Ob die qualitativen Mängel der Figuren auf eine Spätphase der Schule (von Euw, Evangelien 1989) oder eine Entstehung in der Peripherie, z.B. in Köln (Micheli 1939), schließen läßt, kann hier nicht entschieden werden.

Autor des Textes: Ulrike Surmann

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 16+1, 26, 36-1, 4-168, 176, 188, 196, 208, 216, 224, 23-248, 256, 268, 27-286, 298, 306 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 188 mm x 111 mm bzw. 130 mm (Vorreden und Perikopenverzeichnis);Blindliniierung mit Versalienspalten ( 10 mm ) und Marginalspalten ( 20 mm ) zu beiden Seiten; einspaltig; 25, 28 (Vorreden, Mt-Prolog und Perikopenverzeichnis) bzw. 29 Zeilen (Lk-Prolog).

Schrift und Hände

Lateinischer Text in dunkelbrauner karolingischer Minuskel, rubriziert, z.T. in Goldschrift; Auszeichnungsschrift, Initialen: Capitalis Rustica, Uncialis und Capitalis Quadrata (Rubriken und z.T. Explicits); Überschriften und Explicits z.T. in Gold- oder Silberschrift;

Buchschmuck

  • Zweizeilige Goldinitialen zu Beginn der Capitula und der Textabschnitte; mehrzeilige Goldinitialen zu Beginn der allgemeinen Vorreden; große, mit Minium und Tinte konturierte Initialen in Gold und Silber mit zoomorphen und Flechtbandmotiven sowie Schattierung in Grün, Gelb und Blau zu Beginn der Vorreden für die Evangelien (außer Mt); Initialzierseiten und gegenüberliegende Schriftzierseiten mit in Gold- und Silberleisten eingefaßter Rahmung aus Flechtbandbordüren mit ornamentalen, vegetabilen und zoomorphen Eckmotiven; von Arkaden gerahmte Titelzierseiten und Kanontafeln mit vegetabilen, zoomorphen und antropomorphen Motiven; auf den Zierseiten Goldinitialen in der oben beschriebenen Art mit zusätzlich silberner und rotbrauner Schattierung sowie Füllung aus Flechtband und Zierschrift in goldener Capitalis oder mit Flechtwerk und Silber (Mk, Lk); nachfolgende Zierschriftseiten in goldener Uncialis (Mt); in der oben beschriebenen Art gerahmte Miniaturen in Deckfarben mit Gold und Silber.

Einband

Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Darmstadt 2014.

Inhaltsangabe

  • Ar-1r Leer.
  • 1v-8r Vorreden ( Stegmüller 595, 596, 581, 601, 590).
    • 1v Portrait des hl. Hieronymus.
    • 2r Initialzierseite NO (vum opus).
    • 3v P(lures fuisse).
    • 4v A(mmonius quidem).
    • 5v S(ciendum etiam) und Vorrede zum Matthäusevangelium Incipit: M(attheus ex Iudaea).
  • 9v-15r Zwölf Kanontafeln (2I, 3II, III, IV, V, VI-VIII, IX-XMt, XMk,Lk, XJo).
  • 15v Trauernde Maria und Johannes. Die ursprünglich auf der Gegenseite dargestellte Kreuzigung fehlt.
  • 16r-65r Titel: Evangelium nach Matthäus . Das Evangelistenbild fehlt.
    • 16r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM MATTHAEUM .
    • 16v-17r Initial- und Schriftzierseite LI(BER GENERATIONIS) .
    • 17v-18r Zierschriftseiten mit der Fortsetzung des Textes Ihsu XP isti - E liachim.
  • 66r-99v Titel: Evangelium nach Markus .
    • 66v-67r Capitula (mit Argumentum übertitelt).
    • 67v Evangelist Markus; in seinem Buch der Anfang seines Evangeliums; Umschrift des Symboltondos MARCUS UT ALTA FREMIT VOX PER DESERTA LEONIS (Sedulius, Carmen paschalis 1.356; Schaller/Könsgen 9293 ;MGH PP III, 263).
    • 68r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM MARCUM .
    • 68v-69r Initial- und Schriftzierseite INITIUM .
  • 100v-158r Titel: Evangelium nach Lukas .
    • 104v Evangelist Lukas; in seinem Buch der Beginn seines Evangelienberichtes FUIT IN DIEBUS ; Umschrift des Symboltondos IURA SACERDOTII LUCAS TENET ORA IUVENCI (Sedulius, Carmen Paschalis 1.357; Schaller/Könsgen 8555 ;MGH PP III, 263).
    • 105r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM LUCAM .
    • 105v-106r Initial- und Schriftzierseite QUONIAM .
  • 158v-200r Titel: Evangelium nach Johannes .
    • 160v Evangelistenbild; in seinem Buch der Beginn seines Evangeliums; Umschrift des Symboltondos MORE VOLANS AQUILAE VERBO PETIT ASTRA IOHANNES (Sedulius, Carmen Paschalis 1.358; Schaller/Könsgen 9781 ;MGH PP III, 264).
    • 161r Titelzierseite INCIPIT EVANGELIUM SECUNDUM IOHANNEM .
    • 161v-162r Initial- und Schriftzierseite IN (PRINCIPIO).
  • 202r-215r Perikopenverzeichnis (Typus Delta).
    • 213r ITEM LECTIONES EVANGELIORUM DE DIVERSIS CAUSIS .

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 12ff., 122
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 6
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  • C. Nordenfalk, in: Acta Archaeologica 2 (1931), S. 235f.
  • Kdm Köln 1/III, 1938, S. 393, Nr. 5 (Lit.)
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  • Ornamenta 1985, I S. 426, Nr.C 10 (A. von Euw)
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  • A. von Euw, Evangelien 1989, S. 47ff., Nr. 5
  • von Euw, Pfäfers 1989, S. 162, 180f., 210, Abb. 134ff.
  • A. von Euw, Ein fehlendes Blatt im franko-sächsischen Evangeliar Cod. 14 der Kölner Dombibliothek, in: H. Krohm/C. Theuerkauff (Hgg.), Festschrift für Peter Bloch, Mainz 1990, S. 1ff. (Lit.)
  • Handschriftencensus 1993, S. 582f., Nr. 977
  • Collegeville 1995, S. 24ff.

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 332-340 (Ulrike Surmann) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7653
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7653
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