Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 12

Bibliographische Beschreibung

Bezeichnung
Hillinuskodex
 
Evangeliar
Entstehungsort
Reichenauer Malerschule
Entstehungszeit
um 1025
Beschreibstoff
Pergamenthandschrift
Umfang
210 Blätter.
Format
37 cm x 27 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7988 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 12
Katalogsignatur
Schulten-1980: Kat. 38

Schrift und Hände

Handschriftlich (Bl. 2v) von den leiblichen Brüdern Purchard und Chuonrad im Auftrag des Kölner Domherrn Hillinus für den Kölner Dom in der Stadt Köln angefertigt. Von den beiden genannten Brüdern mag der eine der Schreiber, der andere der Maler gewesen sein.

Buchschmuck

  • - Auf Blatt 3r steht eine lange Widmungsrede des Hillinus an Petrus. Auf Blatt 4v folgt eine ganzseitige Miniatur des Hieronymus. Danach kommen die Prologe, wobei der dritte und vierte vertauscht sind. Auf den Blättern 10v-16r stehen die Kanontafeln. Erst auf Blatt 16v folgt das Dedikationsbild. Anschließend das Argumentum secundum Matthäum (17r) und das Breviar (18r). Auf Blatt 22v und 23r Matthäusbild mit Zierseite. Die übrigen Evangelistenbilder sind einmal entwendet worden und es blieben nur die Anfangsseiten der Evangelien erhalten (74r, 109r, 163r). Den Schluß bildet das Capitulare Evangeliorum (203r-210r). Der künstlerische Schmuck besteht aus den Kanonbögen, drei ganzseitigen Bildern, vier Zierseiten und einigen Initialen. Das Bild zeigt den Übersetzer der Hl. Schrift ins Lateinische, den hl. Hieronymus, auf einem Thron mit rotem Kissen. Die Darstellung ist streng symmetrisch. Im Hintergrund ein Gebäude mit drei Arkaden. Der mittlere Giebel vor der Kuppel des langgestreckten Daches trägt ein Kreuz. Zwei Kisten mit Buchrollen flankieren den Sockel des Thrones. In der Linken das Federmesser, in der Rechten die Schreibfeder, scheint Hieronymus seine Tätigkeit zu unterbrechen. Das schmale Band, auf dem er schreibt, ruht auf seinen Knien. Es ist fast das einzige Element im monumentalen Bild, das Bewegung schafft und die Verbindung herstellt zu den beiden Schreibern, die unten in den Bildecken sitzen. Der rechte schreibt auf einer schwarzen Tafel, der andere auf dem Schriftband. Die Tonsur weist darauf hin, daß Mönche gemeint sind, vielleicht die oben genannten Brüder.

    Innerhalb der Reichenauer Buchmalerei gibt es überhaupt kein Hieronymusbild. Im Kunstkreis Reichenau-Trier gibt es aber ein verwandtes Bild. Es ist das bekannte Autorenbild im Registrum Gregorii (Trier, Stadtbibl). Der hl. Gregor und die ganze Bildaufteilung in dieser Handschrift sind weitgehend unserem Hieronymusbild verwandt. Allerdmgs ist die Trierer Handschrift bereits 983 entstanden. Der Künstler wird nach dem Autorenbild Gregormeister genannt. Die Reichenauer Brüder, die unsere Handschrift geschaffen haben, mußten sich offensichtlich an die Gepflogenheiten anderer Kölner Miniaturmaler halten. In Köln war es üblich, der Hl. Schrift ein Hieronymusbild einzüren.

    Berühmt ist auch das Dedikationsbild (Bl. 16v). Hierauf überreicht der Domherr Hillinus dem thronenden Patron des Domes, dem hl. Petrus, das fertige Evangeliar. Petrus streckt dem Geschenkgeber die Hände entgegen. Das Kompositionsschema hat eine lange Tradition. Ein frühes Beispiel findet sich in der in Fulda nach 831 entstandenen Handschrift "De laudibus sanctae crucis libri duo", die Hrabanus Maurus verfaßt hat. Auch der Gero-Kodex (Darmstadt), der vermutlich vor 969 in Köln entstanden ist, und einige andere Handschriften (Egbert-Psalter, Poussay-Evangelistar) enthalten Dedikationsbilder, in denen sich noch das Einwirken der Fuldaer Handschrift erkennen läßt. - Unser Bild hat von jeher die Aufmerksamkeit der Betrachter auf sich gezogen, weil in der oberen Zierleiste eine Kirche abgebildet ist, in der man den alten Kölner Dom wiedererkennen wollte. Tatsächlich fanden sich bei den Ausgrabungen nach dem letzten Kriege die Fundamente einer Westapsis mit Querhaus und Rundtürmen in den Ecken. Unser Bild dürfte also den damaligen Dom abbilden, zumal sich kürzlich auch noch das Fundament eines östlichen Querhauses fand, das in der rechten unteren Ecke unserer Zierleiste ebenfalls abgebildet sein kann. - Der Fußboden aus roten und grünen Platten kann einen Teil des damaligen Fußbodens des Kölner Domes wiedergeben. Das gotische Grabmal des Kölner Erzbischofs Gero (gest. 976) ist von einem Plattenmuster des 10. Jhs. bedeckt. Es bezeichnete höchstwahrscheinlich schon im alten Dom das Grab des Erzbischofs und besteht u. a. aus kleinen roten und grünen Porphyrplatten und gilt als Geschenk der Kaiserin Theophanu .

    Das einzige erhaltene Evangelistenbild (Bl. 22v) ist nahezu eine Kopie des Evangelisten Matthäus im Perikopenbuch Heinrichs II. (München). Einige Veränderungen zeigen sich in unserer Handschrift beim Mantel und dem Schmuck der Vorhänge und Säulen. Außerdem ruht der Inschriftstreifen gleich auf den Säulen, während sich in München ein Architrav dazwischen legt. Der fast gleiche Engel wird in München von einem Bogen umschlossen. Auch die Inschrift lautet m Köln anders: Affirmat genitum Matheus virgine Christum (Matthäus bezeugt den aus der Jungfrau geborenen Christus). Die Schrift, die der Engel hält, zeigt den Beginn des Matthäusevangeliums Liber generationis Jesu Christi filii David (Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids). Matthäus selbst fährt auf seinem Schreibpult fort: filii Abraham (Sohn Abrahams). In München sind die entsprechenden Stellen unbeschriftet. - Der Stil der Miniaturen des Hillinus-Kodex ist viel breitflächiger und ruhiger, als der des Münchener Perikopenbuches Heinrichs II. (1007-1014). Das Limburger Evangeliar (Dom Hs. 218) wird gekennzeichnet durch leuchtende Farbkontraste und lebendig quirlende Zeichnungen. Im Hillinus-Kodex sind die Farben pastellartig und verhalten. In der Zeichnung gilt der Wohllaut der Linie. Das sind Eigenschaften des Spätstiles der Reichenauer Malerschule.

    Während die drei Evangelistenbilder verlorengegangen sind, blieben alle vier zugehörigen Initialseiten erhalten. Alle vier Seiten haben einen purpurnen Grund und werden von schmalen Leisten aus feinen goldenen Rauten mit Querstrichen umzogen. Auch die Rahmen des Textes sind in der äußeren Form mit den Eckmedaillons ähnlich gestaltet. Akanthusblattwerk, in Form und Farbe unterschiedlich, füllt die goldene Umrandung (Bll. 23r, 74r, 109r und 163r). Die Eckmedaillons beim Matthäus- und Lukasbeginn werden von Blüten auf blauem Grund gefüllt. Beim Johannesbeginn finden sich aufgespießte Vögel, beim Markusbeginn Bäumchen mit drei stilisierten Blattkronen und herabhängenden roten Blüten. Die Bäumchen kommen in der Reichenauer Malerei öfter vor. Die byzantinisierenden Blattblüten und die aufgespießten Vögel finden sich im Evangeliar Ottos III. - Die Initiale L ist mit ihrem Winkel und den beiden Buchstabenenden mit dem Rahmen verknotet. Aus dem Winkel wächst eine Blüte auf blauem Grund hervor. Auch die Initiale Q bei Lukas verbindet sich ähnlich mit dem Rahmen. Ein Ei auf blauem Grund birgt in sich einen Vogel. Das Oval des Buchstabens bot sich an für diese Form. Das Ei mit seinem lebendigen Inhalt kann jedoch auch eine symbolische Aussage anzeigen. Das Ei ist von alters her Zeichen für Leben und Auferstehung. Das IN zu Beginn des Johannesevangeliums steht frei im Rahmen, während der Anfangsbuchstabe I bei Markus sich oben und unten mit dem Rahmen verknüpft.

    Der Hillinus-Kodex ist ein interessantes Beispiel dafür, daß Maler von der Insel Reichenau sich verpflichteten, in Köln zu arbeiten. Kölner Gewohnheiten (Hieronymus und Dedikationsbild) paßten sie sich an. Die Verwandtschaft ihrer Malweise mit anderen Arbeiten der Reichenauer Schule bleibt nur erklärbar durch die Annahme, daß die Mönche Musterbücher als Vorlage bei sich hatten.

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Im Gegensatz zum Limburger Evangeliar gehört dieses von Anfang an dem Kölner Dom. Vom Domherrn Hillinus ist sonst nichts bekannt.

Bibliographie

  • Jaffé-Wattenbach, Nr. 12, p. 5.
  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage), S. 393 f. mit der älteren Literatur.
  • Peter Bloch, Die beiden Reichenauer Evangeliare im Kölner Domschatz. In: Kölner Domblatt 1959, S. 9-40. Hillinus-kodex, S. 27-33.
  • Hermann Schnitzler, Rheinische Schatzkammer II, Düsseldorf 1959, S. 26, Nr. 19, Abb. 57.
  • Schulten 131.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7988
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-7988
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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Klassifikation