Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 13

Bibliographische Beschreibung

Bezeichnung
Hiltfred-Evangeliar
Entstehungsort
Frankreich
Entstehungszeit
l. Viertel des 9. Jahrhunderts
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
195 Blätter,
Format
360 mm x 260 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-8065 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Dom Hs. 13
Katalogsignatur
von-Euw: 2.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Signierte Lagen: l2, 26, 3-78 (qII-qVI), 84+2, 91+8 (qVIII), 10-128 (qVIIII-qXI), 134, 8-1 (I), 15-208 (II-VII), 216-1 (VIII), 22-268 (nicht sign.), 274.
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 260 mm x 190 mm . zweispaltig zu 25 Zeilen , Abstände der Lineatur von links nach rechts 8, 75, 8, 15, 8, 65, 8.

Schrift und Hände

Evangelientext in großer karolingischer Minuskel, nach Art der Unzial-Handschriften in langen und kurzen Zeilen mit brauner Tinte geschrieben. Anfangsbuchstaben nach Interpunktionen im Text unzial, Initialen zu den Anfängen der Eusebianischen Sinnabschnitte kapital in Minium. Marginale Kapitelzahlen und Zahlen der Eusebianischen Canones in Minium, die Konkordanzen in Tinte.

Buchschmuck

  • Außer dem 'Liber generationis' und 'Initium', die mit 3 und 4 Zeilen kapital und unzial ausgezeichnet sind, werden die Evangelienanfänge mit einer Initiale in brauner und roter Federzeichnung betont, das Q(uoniam) Fol. 92r schmücken ein Vogel, der eine Schlange frißt, und ein Fisch als Cauda, das I(n Principio) Fol. 153r füllt Flechtband.
  • Evangelisten-Bildseiten in Deckfarbenmalerei mit Blau, Gelb, Grün, Orange (Minium), Braun, Weiß und Schwarz, die Inschriften in Halbunziale.

Einband

Braunes Rindsleder mit massiver Deckelfüllung, Stempel mit G-förmigen Ranken sowie Vierpaßrosetten, Streicheisen, wohl 16. Jahrhundert.

Geschichte der Handschrift

Herkunft
Entstehungsgeschichte: Die Handschrift gehörte möglicherweise schon zu den Bucherwerbungen Erzbischof Hildebalds von Köln (785-818). Nach Nordenfalk entstammt sie einem westfränkischen Skriptorium, jedoch keinem der bekannten; auch über den sich Fol. 54r als Schreiber nennenden Hiltfred war bis anhin nichts zu erfahren. Doch zeugen seine kräftige etwas altertümliche Schrift mit ihren offenen a und die Evangelistenbilder, deren Symbole als Imagines clipeatae wie Schlußsteine in die Scheitel der Arkadenbögen gesetzt sind, von einer guten schreib- und buchkünstlerischen Tradition des Skriptoriums, in dem nach Hiltfred die Handschrift ein jüngerer Schreiber weiterschrieb. Die Evangelistenbilder werden Miniaturen vergleichbar, die der griechische Chludov-Psalter, Cod. gr. 129 im Historischen Museum zu Moskau, überliefert. Dieser entstand zwar erst nach Abschluß des byzantinischen Bilderstreites (726-787; 843), bewahrt aber mit seinem Davidbild (Abb. 32) vorikonoklastische Typen frontal sitzender Autoren in Kombination mit einer Imago clipeata, wie sie später auch die franko-sächsische Schule ausbildete (Abb. 37 - Dom Hs. 14, Fol. 67v ). In Ikonographie und Stil vergleichbare, teilweise auf italobyzantinische Vorläufer fußende Evangelistenbilder schuf auch die insulare Buchmalerei, beispielsweise in ihrem berühmten Codex Lindisfamensis, Cotton Nero D. IV der British Library, London, oder im Codex Aureus aus Canterbury, A. 135 der Kungliga Biblioteket, Stockholm (C. Nordenfalk, Insulare Buchmalerei, München 1977, Taf. 21, 36 f.).

Inhaltsangabe

  • Fol. 1r-4v Matthäusbild und Vorreden zu den vier Evangelien.
    • 1r leer,
    • 1v Bild des Evangelisten Matthäus mit der Inschrift MATTHEUS EUANG(E)L(ISTA),
    • 3r-4r Prolog Plures fuisse,
    • 4r-4v Matthäus-Argument Mattheus sicut in ordine.
  • Fol. 5r-8v Fünfseitige Kanonfolge in Form von einfachen Kolumnen, die durch miniumfarbige Balken voneinander getrennt sind. Matthäus-Argument.
    • 5r Can. I:IIII,
    • 5r-6r Can. II:III - III:III, IIII:III, V:II,
    • 6v-7r Can. VI:II, VII:II, VIII:II, X:I, X:I, X:I - X:I,
    • 7v leer,
    • 8r Matthäus-Argument Matthäus sicut in ordine primus (Wiederholung),
    • 8v leer.
  • Fol. 9r-54r Matthäusevangelium.
    • 9r Beginn des Matthäusevangeliums mit kapitalem L(IBER) und drei Zeilen Auszeichnungsschrift in Uncialis.
    • 54r Schluß des Matthäusevangeliums und Subskription: a capite usque hic scripsit et requisivit seruus u(este)r hiltfredus (= von Anfang an bis hier schrieb und überprüfte (das Geschriebene) euer Diener Hiltfred).
  • Fol. 55v-90r Markusevangelium mit Vorrede und Kapitelverzeichnis.
    • 55v Bild des Evangelisten Markus mit der Inschrift MARCUS, über dem anthropomorphen Symbol leo ,
    • 56r Markus-Argument Marcus evangelista,
    • 56v-57v Kapitelverzeichnis (I-XLVII),
    • 58r Beginn des Marcusevangeliums mit kapitalem I(NITIUM) und vier Zeilen Auszeichnungsschrift in Uncialis,
    • 90r Schluß des Markusevangeliums,
  • Fol. 91r-151r Lukasevangelium.
    • 91r Bild des Evangelisten Lukas (ohne Inschrift), über dem Symbol uitu(lus),
    • 92vr Beginn des Lukasevangeliums mit der Initiale Q(uoniam),
    • 151r Schluß des Lukasevangeliums,
  • Fol. 152r-194r Johannesevangelium.
    • 152r Bild des Evangelisten Johannes mit der Inschrift IOH(AN)NIS, über dem Symbol aquila,
    • 153r Beginn des Johannesevangeliums mit der Initiale I(N PRINCIPIO),
    • 194v Schluß des Johannesevangeliums.
  • Fol. 194v-195v Fragment eines Capitulare Evangeliorum, wohl von jüngerer Hand, mit einem Teil des Commune Sanctorum, endend mit der Votivmesse de quacumque tribulatione,
    • 195v leer, unten Anfang von Psalm 1.

Bibliographie

  • Ph. Jaffé, W. Wattenbach, Ecclesiae Metropolitanae Coloniensis Codices Manuscripti, Berlin 1874, No. 13.
  • H. Ehl, Die ottonische Kölner Buchmalerei, Bonn-Leipzig 1922, S. 17 ff.
  • A. Boeckler, Die Evangelistenbilder der Adagruppe, in: Münchner Jahrbuch 3. F. 3/4, 1952/1953, S. 125, Anm. 10.
  • H. Schnitzler, Rheinische Schatzkammer I, Düsseldorf 1957, Nr. 17.
  • Kat. Karl der Große, Aachen 1965, Nr. 494 (C. Nordenfalk).
  • Kat. Rhein und Maas, Köln 1962, Nr. A 7.
  • W. Schulten, Der Kölner Domschatz , Köln 1980, Nr. 4.
  • Kat. Ornamenta Ecclesiae 2, Köln 1985, Nr. E 24.
  • A. von Euw, Liber Viventium Fabariensis. Das karolingische Memorialbuch von Pfäfers in seiner Liturgie- und kunstgeschichtlichen Bedeutung, Bern-Stuttgart 1989, S. 179 f., Abb. 133.

Quellenangabe

  • Euw, Anton von: Das Buch der vier Evangelien - Kölns karolingische Evangelienbücher. Begleitheft zur Ausstellung des Schnütgen-Museums, Köln 7. April - 9. Juli 1989. Kölner Museums-Bulletin, Sonderheft 1/1989. S. 42-43
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-8065
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-8065
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation