Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 84

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Gregor der Große : Moralia in Iob
Entstehungsort
Westdeutschland
Entstehungszeit
1. Hälfte 12. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
200 Blätter
Format
450 mm x 305 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-8411 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 84

Überblickbeschreibung

Gregor der Große: Moralia in Iob

Der großformatige Codex enthält insgesamt vier verschiedene Texte, von denen die 'Moralia in Iob' Gregors des Großen (590-604) den breitesten Raum einnehmen (5r-197v). Auf den ersten vier Blättern (1r-4v) steht - ohne daß ein inhaltlicher Zusammenhang zu erkennen wäre - die 'Vita Martini' des Sulpicius Severus (gest. nach 406); auf den letzten drei Blättern (198r-200v) sind Beda Venerabilis (673/674-735) zugeschriebene Homilien angefügt. Ein Blick auf den paläographischen Befund lehrt, daß die Schreiberhand des Haupttextes dieselbe ist wie die der Seiten 1r bis 4v bzw. 198r bis 200v: Der Codex war also von Anfang an in der jetzigen Zusammenstellung konzipiert.

Der aus reicher stadtrömischer Patrizierfamilie stammende Gregor bekleidete zunächst ein staatliches Amt, vermutlich das eines Präfekten - er war somit der höchste Beamte der zivilen Verwaltung Roms. In den Jahren um 575 entsagte er dem weltlichen Leben, wandte sich dem Mönchtum zu und richtete auf seinen Besitzungen auf dem Mons Caelius ein dem hl. Andreas geweihtes Kloster ein. 578 oder 579 veranlaßte ihn der damalige Papst, dem stadtrömischen Klerus beizutreten und weihte ihn zum Diakon. Pelagius II. (579-590) sandte Gregor als seinen Vertreter nach Konstantinopel, wo er in päpstlicher Mission bis 585/586 blieb und zahlreiche Verbindungen knüpfte, vor allem zu Bischof Leander von Sevilla (gest. 599/601), dem Bruder des Isidor (vgl. Dom Hss. 98 und 99, Kat.Nrn.8, 62). Nach Rom und in sein Kloster zurückgekehrt, wählte ihn das Volk im Sommer 590 als Nachfolger des Pelagius zum Bischof von Rom.

Die 'Moralia in Iob' gehen im Kern auf Predigten zurück, die Gregor vor Mönchen seines Konvents gehalten hatte. Mehrfach stilistisch überarbeitet, lagen sie wohl um 591 fertig vor. Die ursprünglich 'Expositio in Iob' genannte Schrift deutet das biblische Buch Job nach der Methodik des dreifachen Schriftsinnes: Job stellt in literaler Deutung eine historische Person dar, deren leidgeprüftes Leben geschildert wird; allegorisch-typologisch verweist er auf Christus und seinen Leib, die Kirche, und moralisch ist er für jeden Menschen ein Vorbild und Beispiel. Die dreifache Deutung wird allerdings nur in den ersten vier der insgesamt 35 Bücher des Kommentares vorgelegt; ab dem fünften Kapitel dominiert die moralische Deutung. Nicht zuletzt aus diesem Grund lautet in mittelalterlichen Bibliothekskatalogen die Bezeichnung für Gregors Schrift meist 'Moralia in Iob'.

Der Codex ist sorgfältig geschrieben und mit zwei ganzseitigen Titeln, deren Form Kanontafeln nachempfunden ist, sowie siebzehn Initialen reich ausgestattet. Großflächiges gestauchtes Rankenwerk mit breiten dreiblättrigen Blütenausläufern überzieht die Buchstaben, deren Endstellen mit Flechtwerk besetzt sind. Der Schreiber hat zudem die Lagenzählung künstlerisch aufgewertet und die Zahlen mit phantasievollen vegetabilen, zoomorphen, ornamentalen oder architektonischen Schmuckelementen umgeben. Auch ist der erste Großbuchstabe eines jeden (!) Satzes in Gelb hervorgehoben. Der Ort der Herstellung ist unsicher, die allgemeinen Schmuckformen verweisen in den deutschen Raum.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 14, 2-178, 186+2, 19-248, 256+2, 264 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 345 mm x 214 mm ;Blindliniierung mit Versalienspalten ( 8 mm ) und dreifacher Liniierung zwischen den Kolumnen; 2 Spalten von je 96 mm Breite und 22 mm Abstand; 49 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in hell- bis dunkelbrauner romanischer Minuskel, rubriziert; Auszeichnungsschrift: Ziermajuskeln; einzeilige Textmajuskeln in Tinte, gelb schattiert, in der ersten und der letzten Lage zweizeilig und rot schattiert oder Rot;

Buchschmuck

  • Lagenzählung vegetabil, zoomorph, ornamental oder architektonisch gerahmt in Gelb, Grün und Rot; große Rankeninitialen und Eingangsinitiale mit Ranken und Flechtwerk in brauner Federzeichnung, farbigen zoomorphen Motiven und farbiger Füllung des Binnengrundes und z.T. farbigem Außengrund in Gelb, Rot, Grün und Hellgrün; Titelzierseite mit architektonischer Rahmung, Flechtwerkornamentik und anthropomorpher Figur in der genannten Farbigkeit.

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18.Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Darmstadt 2085.

Inhaltsangabe

  • 1r-4v Autor: Sulpicius Severus Titel: Vita des hl. Martin (Kap. 2-20) Incipit: Igitur Martinus Sabariae Panoniarum - Maximum interfecit. Explicit (PL 20, 161B-172A; CSEL 1, 111-130; SC 133, 254-298).
  • 5r-197v Autor: Gregor der Große Titel: Moralia in Iob (Buch 1-16) (PL 75, 509D-1162B; CCL 143 und 143A, 1-849).
    • 5r Titelzierseite Incipit: IN EXPOSITIONE BEATI IOB MORALIA GREGORII PAPAE BEATISSIMI PER CONTEMPLATIONEM SUMPTA LIBRI QUINQUE/PARS PRIMA. INCIPIT PROLOGUS EXPLANATIONIS IN SANCTO IOB.
    • 5v Prolog Incipit: R(EVERENTISSIMO ET SANCTISSIMO FRATRI Dudum te).
    • 7r Vorwort I(NTER MULTOS) .
    • 10v 1. Teil. Buch 1 V(IR ERAT) .
    • 17v Buch 2 S(CRIPTURA SACRA) : zwei Löwen.
    • 30r Buch 3 B(EATUS IOB) .
    • 39v Buch 4 Q(UI TEXTUM) : Drache.
    • 52v Buch 5 C(UM VALDE).
    • 67v 2. Teil. Buch 6 S(ERVATA historiae).
    • 78r Buch 7 Q(UORUNDAM MENTES) .
    • 88v Buch 8 P(RECEDENTI IAM LIBELLO) .
    • 104v Buch 9 P(ERVERSAE mentes).
    • 121v Buch 10 Q(UOTIENS IN arenae): Hund.
    • 132r 3. Teil. Buch 11 Q(UAMVIS IN PROLIXO OPERE) : geflügelter Drache.
    • 141v Buch 12 M(OS IUSTORUM).
    • 150r Buch 13 E(SSE HOC perversorum).
    • 157v Buch 14 S(UPERIORI HUIUS OPERIS) .
    • 171r Buch 15 Q(UIA AMICI BEATI IOB) : geflügelter Drache.
    • 184v Buch 16 Q(UI CONTRA VERITATIS) .
    • 197v Ende mit Explicit: Deo latius disserantur .
  • 198r-199v Autor: Pseudo-Beda Titel: Homilie zum Fest Allerheiligen (Hom. 71) Incipit: Legimus in ecclesiasticis - in saecula saeculorum. Amen (PL 94, 452C-455C; CCL 122, 383).
  • 200r/v Autor: Pseudo-Beda Titel: Homilie zum Fest Allerheiligen (Hom. 70) Incipit: Hodie dilectissimi omnium sanctorum - per omnia saecula saeculorum. Amen (PL 94, 450B-452C ; CCL 383).

Bibliographie

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 196-196 (Hans-Walter Stork) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-8411
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-8411
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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Klassifikation