Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 119

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Burchard von Worms : Decretum
Entstehungsort
Worms
Entstehungszeit
um 1020
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
204 Blätter
Format
350 mm x 280 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-9927 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 119

Überblickbeschreibung

Burchard von Worms: Decretum

Die wahrscheinlich zwischen 1008 und 1012 in Worms von Bischof Burchard (1000-1025) zusammengestellte kirchenrechtliche Sammlung enthält, wie die Textnachweise am Rand der einzelnen Stücke ergeben (vgl. Hoffmann/Pokorny 1991, S. 173ff.), die gesamte kirchenrechtliche Überlieferung, die von den alten Konzilien bis in die Gegenwart Burchards verfolgbar wird, einschließlich der insularen und kontinentalen Bußbücher. Inhalt und Gliederung des immensen Werkes zeichnen sich in den unten wiedergegebenen Tituli der Bücher deutlich ab. Die Kirche mit ihren Ämtern bildet den Ausgangspunkt (I-III), Taufe und Eucharistie (IV-V) vertreten die Sakramentenlehre der Kirche, Recht auf Leben und Eherecht (VI-VII), geistliche und weltliche Gesellschaftsordnung sowie Bekämpfung von Lastern (VIII-XVII) finden hier Normen und Regeln. Das Bußwesen ist besonders berücksichtigt (XVIII-XIX). Der 'Liber speculationum' (XX) dringt schließlich zur Seele des Menschen, zum freien Willen, zu Gott, den Engeln, dem Antichristen und dem Jüngsten Gericht vor.

Während Kerner (1983) noch die Ansicht vertrat, Dom Hs. 119 sei in den achtziger Jahren des 11. Jahrhunderts entstanden, konnte Hoffmann (1991, S. 20f.) überzeugend darlegen, daß viele der zwölf an der Handschrift beteiligten Schreiber im bischöflichen Skriptorium in Worms tätig gewesen sein müssen und auch an anderen Wormser Dekret-Handschriften mitgeschrieben haben (wie z.B. Rom, Bibl. Vaticana, Pal. lat. 585; Frankfurt, Stadt- und Universitätsbibl., Barth. 50; Bamberg, Staatsbibl., Can. 6). Dom Hs. 119 entstammt somit einem leistungsfähigen Skriptorium des Wormser Domstiftes wohl aus der Zeit um 1020.

Leider gingen der Anfang mit dem Prolog Burchards sowie der Schluß offenbar schon vor der Neubindung im 18. Jahrhundert verloren. Die Handschrift diente sehr wahrscheinlich als Vorlage für die 1548 bei Melchior von Neuss (Novesianus) gedruckte Erstausgabe des Dekrets (vgl. Kerner 1983; G. Fransen/T. Kölzer [Hgg.], Burchard von Worms, Decretum libri XX, [1548] Erg. ND Aalen 1992).

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 1-88, 94, 10-248, 25-268 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 242 mm x 179 mm ;Blindliniierung mit Versalienspalten ( 9 mm ) an den Außenseiten der Kolumnen; 2 Spalten von je 85 mm Breite und 9 mm Abstand; 21 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in hell- bis dunkelbrauner frühromanischer Minuskel, rubriziert; Seitentitel mit Angabe der Bücher und Kurztitel; in allen Büchern am Rand Textnachweise in zierlicher karolingischer Minuskel, gleichzeitig mit dem Text; Wormser Interlinearglossen (vgl. Hoffmann 1991, S. 65ff.); Titel in Capitalis Rustica mit Minium zu Beginn der Kapitelreihen und einzelnen Bücher; Anfänge der Kapitel mit Majuskeln in Minium.

Einband

Einband: Leinen über Holz, mit Schuber; in neuerer Zeit restauriert.

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Das auf 201r am unteren Rand nachgetragene surgit könnte nach Hoffmann (1991, S. 21) von einer Kölner Hand stammen und dafür sprechen, daß Dom Hs. 119 schon in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts in der Kölner Dombibliothek war. Darmstadt 2118.

Inhaltsangabe

  • 1r-204v Autor: Burchard von Worms Titel: Decretum (Lib. II-XX) (PL 140, 638B-1004B, 1013D-1038D ). Die am Anfang fehlenden neun Lagen enthielten die Vorrede Burchards mit der Widmung des Werkes an Propst Brunicho des Wormser Domkapitels, Buch I 'De primatu ecclesiae'sowie den größten Teil von Buch II 'De sacris ordinibus'. Jedem Buch ist eine Kapitelreihe vorangestellt.
    • 1r-5v Incipit: ut nullatenus aliquis praesumat - cum debito honore celebrentur.
    • 5v-36r Incipit: Liber III De aeclesiis.
    • 36r-48v Incipit: Liber IIII De baptismo.
    • 48v-55v Incipit: Liber V De eucharistia.
    • 55v-64r Incipit: Liber VI De homicidiis.
    • 64r-68v Incipit: Liber VII De consanguinitate.
      • 68r Ganzseitige Arbor consanguinitatis (Stammbaum mit den sieben Graden der Blutsverwandtschaft). Die Figur bezieht sich auf Cap. XXVIII, in dessen Rubrik 67r steht Haec capitula de septem gradibus consanguinitatis sanctus Isidorus diligenti inquisitione descripserat et in figura inferius depicta apertius ordinaverat.
    • 69r-81v Incipit: Liber VIII De viris et feminis Deo dicatis.
    • 82r-90v Incipit: Liber VIIII De virginibus et viduis non velatis.
    • 91r-103v Incipit: Liber X De incantatoribus et auguribus.
    • 104r-114r Incipit: Liber XI De excommunicandis.
    • 114r-118r Incipit: Liber XII De periurio.
    • 118v-121r Incipit: Liber XIII De ieiunio.
    • 121r-123v Incipit: Liber XIIII De crapula et ebrietate.
    • 124r-132v Incipit: Liber XV De laicis.
    • 133r-138v Incipit: Liber XVI De accusatoribus. Seitentitel fehlen.
    • 139r-148r Incipit: Liber XVII De fornicatione.
    • 148v-150r Ohne Kapitelreihe. Incipit: Incipit liber octavus decimus de visitatione et poenitentia et reconciliacione infirmorum.
    • 150r-153v Incipit: Liber XVIII De visitatione infirmorum .
    • 154r-188v Incipit: Liber XVIIII De paenitentia.
    • 188v Ende mit Lage XXXIII (24) in Cap. CII mit Explicit: III dies poenitentiat in pane et/ . Es fehlt die nachfolgende Lage XXXIIII mit Cap. CII-CLIX.
    • 189r-204v Incipit: Liber XX Qui speculationum liber vocatur. Endet mit Cap. LVII unvollständig Explicit: Quando hanc et ipsi mortuorum (spiritus a viventibus petunt, et signa indicant quibus per eam absoluti videantur). Es fehlen Cap. LVIII-CX.

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 73
  • Knust 1843, S. 620
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 49
  • O. Meyer, Überlieferung und Verbreitung des Dekrets des Bischofs Burchard von Worms, in: ZSRG. K 24 (1935), S. 149
  • G. Fransen, Le Décret de Burchard de Worms. Valeur de l'édition. Essai de classement des manuscrits, in: ZSRG. K 63 (1977), S. 8, 13, 15
  • M. Kerner, Burchard von Worms, in: LexMa 2, 1983, Sp. 948
  • H. Hoffmann/R. Pokorny, Das Dekret des Bischofs Burchard von Worms. Textstufen. Frühe Verbreitung. Vorlagen. München 1991 (MGH Hilfsmittel 12), S. 20f., 63ff., 173ff.
  • Handschriftencensus 1993, S. 643, Nr. 1084.

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 256-256 (Anton von Euw) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-9927
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-9927
Lizenzangaben

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Klassifikation