Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 274

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Choralbuch für die hl. Messen des Kirchenjahres (Graduale)
Entstehungsort
Köln aus dem Fraterhaus St. Michael am Weidenbach.
Entstehungszeit
1531
Beschreibstoff
Pergamenthandschrift
Umfang
264 Blättern in den Maßen
Format
51 cm x 37,5 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-12044 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 274
Katalogsignatur
Schulten-1980: Kat. 156

Zustand und Zusammensetzung

Seiteneinrichtung
Auf allen Seiten werden die Choralmelodien auf elf Notenzeilen (Hufnagelnoten) mit fünf Linien wiedergegeben. Darunter stehen die Texte.

Schrift und Hände

Namen der Schreiber: , . Die Schriftform des Graduale ist kennzeichnend für die Schreiber im Weidenbacher Scriptorium. Es ist die sogenannte "Fraterherren-Rotunda" mit roten und blauen Initialen (Lombarden).

I A EM (Jakob von Emmerich?).

WOL AR (Wolter Arnhem?)

IO RA (Johannes Kramp?)

Buchschmuck

  • Die Schriftform des Graduale ist kennzeichnend für die Schreiber im Weidenbacher Scriptorium. Es ist die sogenannte "Fraterherren-Rotunda" mit roten und blauen Initialen (Lombarden). Die schwarzen Initialen (Cadellen) sind mit Rankenwerk und Schriftbändern geschmückt. In diesen Schriftbändern findet sich siebenmal das Datum 1531, zum letzten Mal auf dem dritten Blatt des nicht mehr numerierten Teiles beim Gesang des Asperges. Danach läßt sich wohl die ganze Schrift ohne Anhang im Jahre 1531 entstanden denken. Viermal kommt der Name "Widenbach" vor. Außer den oben zitierten Buchstaben, die vermutlich die Signaturen der Schreiber sind, kommt noch der Name DAVID vor. Insgesamt sind die Schriftbänder auf 25 Seiten mit Datum, Klostername und den verschiedenen Signaturen versehen. Auf allen Seiten werden die Choralmelodien auf elf Notenzeilen (Hufnagelnoten) mit fünf Linien wiedergegeben. Darunter stehen die Texte.

    Die Handschrift zeichnet sich besonders aus durch die reiche Renaissance-Malerei. Am I.Adventssonntag, an vier Hochfesten und bei einem Introitus für fünf Marienfeste werden nicht nur die Initialen durch figürliche Malerei hervorgehoben, sondern die gesamte Text- und Notenseite mit einem farbigen Rahmen umzogen.

    l. Adventssonntag (Bl. 1r). König David kniet betend vor der reichen Kulisse eines Gebäudes, bekleidet mit einem Mantel aus Goldbrokat mit Hermelinkragen. Krone, Zepter und Harfe liegen am Boden. Häufiger kommt die Szene des büßenden David in der Kölner Buchmalerei dieser Zeit am Beginn einer Bußzeit oder von Bußgebeten vor. Der Buchstabe selbst ist in Ocker und Goldhöhung vor das Bild gestellt. Nymphen, Faune, Füllhörner, Akanthuslaub und Masken bilden den Zierrat der Buchstabenteile. Im rechten Balken des A sieht man oben David mit dem Schwert, der das abgeschlagene Haupt des Riesen Goliath trägt. Unten windet sich eine Schlange aus dem Buchstaben heraus. Den Mittelbalken bilden zwei beflügelte Mischwesen, die ein Medaillon mit einem Königsportrait halten. Am oberen, dünnen Abschlußbalken des Buchstabens hängen Schwert, Schild, Zepter und Helm. Eine ockerfarbene Borte mit Goldhöhung umschließt das Initialbild. - Der Noten- und Textspiegel ist umrahmt von ockerfarbenen Leisten mit Blüten, Früchten, Pflanzen, Tieren und Putten. Die Art dieser Spiegelrahmung kommt insgesamt viermal vor. Die Füllung der Rahmen mit naturalistischen Elementen ist flämischen Ursprungs. Die naturalistische Wirkung der im Rahmen dargestellten Dinge wird verstärkt durch die Schlagschatten, die durch eine links oben angenommene Lichtquelle verursacht erscheinen. Möglicherweise ist die Jagdszene in der unteren Rahmenleiste, in der Putten ihre Jagdhörner blasen und Hunde einen Hasen verfolgen, eine Erinnerung an die "Mystische Jagd". Das wäre ein Thema, das zur Adventszeit paßt. Doch ist die ikonographische Deutung als "Mystische Jagd" nicht präzise genug.

    Der Beginn der dritten Weihnachtsmesse (Bl. 12v) zeigt als Initialbild die Anbetung des Kindes durch Maria, Josef, Engel und Hirten. Das Kind ruht auf einem Zipfel vom Mantel Mariens auf dem Boden. Ein Raum aus ruinenhaften romanischen Bauteilen mit schadhaftem Dach ist der Stall. Das Gebäude steht in einer gebirgigen Landschaft. Durch das Fenster im Hintergrund schaut man über zwei hereinblickende Hirten auf die Engelverkündigung. Der Buchstabe P (Puer natus) ist der Szene vorgeblendet. Im Blattwerk des Längsbalkens sitzt ein lesender Engel. Darunter ein Stier, der vielleicht als Symbolfigur des Evangelisten Lukas gedacht ist, der die Geburtsgeschichte erzählt. Im Bogen des Buchstabens P steht in der Mitte ein Medaillon mit Doppelbildnis. Darüber ein kletternder Putto. Unter dem Medaillon ein Engel, der ein Horn bläst. Der Buchstabe ist in Goldocker mit Goldhöhungen gemalt. Auch die Rahmenleiste des fast quadratischen Bildes ist in Ocker und Gold gehalten. Vor allem die Mariengruppe aber auch die von Hugo van der Goes ausgehende Gruppe der zwei Hirten in der Fensterbrüstung erinnern an die entsprechende Darstellung im Kalkarer Hochaltar des Jan Jost von Kalkar , oder an die Geburt Christi auf dem Marienaltar des Ludwig Jupan von Marburg . - Die Bordüre, die die ganze Seite umrahmt, besteht aus goldgehöhten, ockerfarbigen Grotesken auf blauem Grund. Durch die Schlagschatten wirken die Grotesken wie ein fein ziseliertes Gitterwerk vor dem tiefen Blau. Dämonen, Vögel, Mischwesen, Masken und Tierköpfe, die sich aus staudenförmigem Blattwerk entwickeln, füllen die Rahmenleiste. Auf niederländischen Anregungen, wie etwa den Ornamentstichen des Jakob Binck , beruht diese Art der Rahmung, die sich so sehr von der des Adventsbildes (Bl. 1r) unterscheidet. In der Mitte der linken Rahmenleiste sieht man eine groteske Variante einer Kreuzigungsgruppe. Möglicherweise ist hier der Zusammenhang vom Kreuzestode Christi und seiner Geburt angedeutet, eine Gedankenverbindung, die in der Theologie und Frömmigkeit eine lange Geschichte hat.

    Die Seite zum Fest der Hl. Drei Könige (Bl. 18r) wird gerahmt von Schmuckleisten, die auf hellem Ockergrund Blüten, Pflanzen, Früchte und Tiere zeigen. Sie ist ganz in der Art gemalt, wie der Schmuckrahmen zum ersten Adventssonntag (Bl. 1r). Die Initiale E (Ecce advenit dominator) unterscheidet sich jedoch von den bisher besprochenen. Zwar gleicht der Buchstabe selbst mit seiner Füllung aus Blattwerk, Putten, Engeln und Mischwesen in goldgehöhtem Ocker den beiden auf dem Advents- und Weihnachtsbild. Er steht aber vor tiefblauem Grund mit bunten Blüten und einem Schmetterling. Das Bild der Anbetung der Hl. Drei Könige wird dagegen gerahmt durch den inneren Rand des Buchstabenkörpers und geteilt durch den mittleren Querstrich. Bei den bisherigen Bildern war der Buchstabe der Szene gitterartig vorgeblendet. Das Bild der Anbetung selbst geht mit seiner Architekturkulisse auf Dürers Anbetung aus dem Marienleben (Bl. 87) zurück.

    Die Initiale vom Ostersonntag (81r) gleicht sehr dem Weihnachtsbild (12v). Das Groteskenwerk des Rahmens, der die ganze Seite umschließt, ist jedoch in goldgehöhten Grautönen gegeben und vor weinroten Purpurgrund gestellt. Das Initialbild der Auferstehung selbst füllt wieder den ganzen quadratischen Rahmen, der goldgehöhte ockerfarbene Buchstabe ist der Szene vorgeblendet. Jedoch umschließt das Rund des R (Resurexi ) nur den Auferstandenen in einer rosagelben Gloriole mit Wolkenrändern. Die unteren Balken des Buchstabens R schließen die Grabeshöhle mit den Wächtern ein. Links neben dem Buchstaben kommen in der Ferne die drei Frauen zum Grabe, rechts Maria Magdalena vor Christus (Noli me tangere). Italienische Anregungen sind unverkennbar. Die Rückenfigur des einen Wächters erinnert deutlich an eine Rückenfigur aus dem Urteil Salomons in Raffaels Stanzen. Die schlafenden Wächter sind nach traditionellen Motiven gemalt, wie sie sich z. B. auch in Dürers Großer Passion von 1510 (Bl. 15) finden. - Im Buchstabenkörper erscheinen in Samson, der den Löwen zerreißt und die Tore von Gaza auf die Schultern nimmt, alte Vorbilder des Auferstandenen.

    Auf dem Pfingstbild (97r) wirkt die durchsichtig und fein gearbeitete Initiale S (Spiritus domini) wie Bekrönung und goldener Schmuck der Szene. Von der Taube des Hl. Geistes in gelb-grüner Gloriole gehen goldene Strahlen und Flämmchen auf die um Maria versammelten Apostel herab. Eine Renaissancearkade rahmt die Szenerie. Vor den beiden seitlichen Pfeilern stehen je zwei Apostel. Die Erinnerung an Dürers "Vier Apostel" wird hier wachgerufen. - Eine ockerfarbene Leiste mit Blumen, Früchten und Tieren rahmt die Seite.

    Eine weitere ganzseitige Gestaltung eines Blattes findet sich beim Fest Mariae Himmelfahrt im Teil für die Heiligenfeste (55r). Eine kleine Inschriftkartusche wächst aus der rechten Rahmenleiste heraus in den Text des Introitus bei dem Wort "assumptione" (Aufnahme). Auf der Kartusche stehen vier weitere Bezeichnungen für Marienfeste: Unbefleckte Empfängnis, Heimsuchung, Geburt Mariens und Darstellung Mariens. Alle Marienfeste haben mit Ausnahme des Wortes für die Festbezeichnung den gleichen Introitus (Gaudeamus ). Daher steht diese Szene für fünf Marienfeste und wurde deswegen wohl auch besonders kostbar gestaltet. - Die ockerfarbene Rahmenleiste zeigt wie die Seiten zum I. Adventssonntag (1r), zu Weihnachten (12v), Drei Könige (18r) und Pfingsten (97r) Blüten, Früchte und Tiere. Das Initialbild auf blauem, mit Blüten verziertem Grund zeigt umrahmt vom Buchstaben G das Bild der Verkündigung und nicht etwa eines der genannten Festgeheimnisse. Der Engel kniet vor Maria, die mit gefalteten Händen auf ihrer Betbank sitzt. Rechts erscheint in einem Türrahmen die goldumstrahlte Taube des Hl. Geistes. Die Verkündigung des Lukas Cranach von 1511 ist als Vorlage deutlich zu erkennen, obwohl das Zepter des Engels mit dem Mariengruß bei Cranach fehlt. Die Blumenvase, die auf Cranachs Bild neben Maria steht, hat uns der Maler nicht übernommen. Wahrscheinlich aber ist die Vase mit den Lilien in der rechten Rahmenleiste unten als Mariensymbol zu deuten. - Die Füllung des Buchstabenkörpers besteht aus Rankenwerk, Nymphen, Drachen, Hermen und einem beflügelten Putto in goldgehöhter Ockerfarbe.

    Außer den sechs ganzseitig gestalteten Miniaturseiten enthält das Graduale noch sieben farbige Initialen in annähernd quadratischen Feldern. Alle Buchstabenkörper sind wie die bisher besprochenen mit Grotesken in reich wechselnder Vielfalt gestaltet. Farblich sind sie in goldgehöhtem Ocker gemalt. Die Felder sind zumeist rötlich gerahmt. Zu Christi Himmelfahrt (Bl. 93v) steht das V (Viri Galilaei ) vor blauem Grund mit goldenen Sternen in einem rötlichen Rahmen.

    Der Introitus zum Fest der Dreifaltigkeit (Bl. 102r) beginnt mit einem B (Benedicta sit. ..). Es steht vor rotem Grund mit goldenen Flämmchen. Inmitten des B ein Blütenzweig mit Biene.Der Teil für die Heiligenfeste des Kirchenjahres mit dem Comune Sanctorum und den Votivmessen ist rot numeriert. Er beginnt mit dem Introitus: Ego autem sicut oliva plantatus (Bl. 1r). Der mittlere Querstab des E besteht aus Putten, die einen Adler halten. Der blaue Hintergrund mit rötlichem Rahmen ist durch farbige Blüten geschmückt.Der Introitus für Muttergottesfeste (Salve sancta parens ) auf Bl. 34r stellt das S ebenfalls vor einen blauen mit Blüten besteckten Grund.Die einzige Initiale mit einer Heiligengestalt besitzt das Fest des hl. Petrus (Bl. 49v). Das N (Nunc scio vere ) umschließt den Heiligen. Der Buchstabenkörper und die Figur stehen in einem perspektivisch wirkenden Rahmenkasten in rötlich-violetten Farben. Petrus trägt einen faltenreichen gold schraffierten Mantel und faßt mit beiden Händen einen langen silbernen Schlüssel. Der grüne Hintergrund mit feinen goldenen Blattranken wirkt wie Goldbrokat.Die Messe zum Kirchweihfest beginnt mit den Worten: Terribilis est locus iste (Bl. 58r). Das T steht vor blauem Grund, der mit einem farbigen Vogel und bunten Blüten geschmückt ist.Der nicht numerierte Teil des Buches beginnt mit dem Kyriale. Das K des ersten Kyrie (Bl. 3r) steht wiederum vor blauem Grund mit bunten Blüten und einem farbigen Vogel darin.Die letzte Initialmalerei (Bl. 15r) kennzeichnet den Beginn des Teiles mit den Sequenzen. Der Vorgesang beginnt mit den Worten: Grates nunc omnes Ein blauer Grund mit farbigen Blüten und einem Schmetterling hinterfängt den Buchstaben G.

    Große Liebe zum kleinsten Detail zeichnet die Malerei aus. Nirgendwo spürt man ein Nachlassen der Gestaltungskraft. Der Vergleich mit der Ausstattung der übrigen Weidenbacher Handschriften beweist die große Überlegenheit des Malers, der die Handschrift für den Dom zu Köln ausgestattet hat. Es läßt sich auch nur an einen einzigen Maler denken. Ob er unter den fünf Signaturen bezeichnet ist, läßt sich nicht sagen. Die Ausstattung macht die Handschrift zum bedeutendsten Werk nicht nur der Fraterherren vom Weidenbach, sondern der gesamten kölnischen Buchkunst des 16. Jhs. Seit der Gründung des Kölner Hauses im Jahre 1417 bis zum Erlöschen der Schreibtätigkeit gegen Ende des 16. Jhs. haben die Fraterherren keine Handschrift mit einer derartig qualitätvollen Ausstattung hervorgebracht.

    Vielleicht bringt die Klärung der von Kirschbaum in ihrer Monographie nicht erwähnten Signatur DAVID (Bl. 33r im schwarz numerierten Teil und Bl. 2r im Heiligenteil) einen genaueren Hinweis auf die Miniaturenmaler. Kirschbaum vertritt die Meinung, daß zur Illuminierung die Handschrift einem Künstler außerhalb des Fraterhauses gegeben worden sein kann. Wer ist David? Ist es die Familie des Gerard David in Brügge? Der bekannte Maler hat vor seinem Tode 1523 mit seiner Frau die Miniaturmalerei ausgeübt. Beider Tochter Barbara führte zusammen mit ihrer Mutter die vom Vater gegründete Miniaturistenschule weiter, auch als die Mutter 1529 wieder heiratete. Zwischen Flandern und Köln gab es im 16. Jh. zahlreiche Verbindungen. Oder zeichnete mit der Signatur ebenfalls ein Fraterherr? Vielleicht läßt die Forschung über die Werke der erwähnten flämischen Miniaturisten unser Graduale noch in einem bedeutenderen Licht erscheinen.

    Verzeichnis der Blätter mit schwarzen Großbuchstaben (Cadellen), in denen Signaturen, Herkunftsangaben und Datierungen vorhanden sind:

    Bl. 1 ANO 1531Bl. 6v ANO 1531Bl. 11v IA EMBl. 14r IA EMBl. 17v IA EMBl. 28r WOLARBl. 33r DAVIDBl. 37r I WIDENBACHBl. 38r S. IN WIDENBl. 39r MALT 15. CA (Vielleicht "Malt Mai 15. Calendas"?)Bl. 43v IA EMBl. 49r AN 1531Bl. 51r IA EMBl. 71v IACoB EMBl. 73r WOLTE ARBl. 82v WOLT ARBl. 86r AN 1531Bl. 88v IA CvsOb EMBBl. 94r WIDENBACHBl. 98v ANo 1531Bl. 104v VO AR------------------------------Rot Fol. Bl. 2r DAVIDBl. 22r IA EM WOL HOLBl. 24v I. WIDE(N)BACSSBl. 31v IO CRABl. 36r IO.CRABl. 52r AN 1531Bl. 64v IO CR-------------------------------Nicht Fol. Bl. 3v ANo 1531

Einband

Der hölzerne Einbanddeckel ist glatt mit ornamentiertem Leder überzogen. Die mit Stempeln gepreßten Schmuckformen aus einem verschlungenen Perlband mit verschnürten Blattkronen mit Leisten aus kleinen Rauten und Quadraten oder halbkreisförmigen Blättchen umziehen den Rand des Buchdeckels. Dazu kommen rautenförmige oder dreieckförmige Blattwerkkartuschen. Das Leder ist wahrscheinlich um 1600 neu aufgezogen worden, während die gravierten und durchbrochen gearbeiteten Messingbeschläge und Schließen der Entstehungszeit entstammen.

Geschichte der Handschrift

Herkunft

Die Schriftform des Graduale ist kennzeichnend für die Schreiber im Weidenbacher Scriptorium. Es ist die sogenannte "Fraterherren-Rotunda" mit roten und blauen Initialen (Lombarden). Die schwarzen Initialen (Cadellen) sind mit Rankenwerk und Schriftbändern geschmückt. In diesen Schriftbändern findet sich siebenmal das Datum 1531, zum letzten Mal auf dem dritten Blatt des nicht mehr numerierten Teiles beim Gesang des Asperges. Danach läßt sich wohl die ganze Schrift ohne Anhang im Jahre 1531 entstanden denken. Viermal kommt der Name "Widenbach" vor. Außer den oben zitierten Buchstaben, die vermutlich die Signaturen der Schreiber sind, kommt noch der Name DAVID vor. Insgesamt sind die Schriftbänder auf 25 Seiten mit Datum, Klostername und den verschiedenen Signaturen versehen.

Hergestellt für den Kölner Dom.

Inhaltsangabe

  • Das Kalendarium und die übliche Widmungsinschrift sind verlorengegangen. Der Teil für das Kirchenjahr reicht vom 1. Adventssonntag bis zum letzten Sonntag nach Pfingsten. Die Messen für die Heiligenfeste des Kirchenjahres beginnen mit der Vigil des Apostels Andreas und enden mit der Messe zu Ehren der hl. Katharina. Zwischen beiden Teilen stehen ein Introitus für das Fest der hll. Philippus und Jakobus, die Meßformulare verschiedener Heiligengruppen (Commune Sanctorum) und die Formulare von Votivmessen. An die Messen der Heiligenfeste schließt ein Kyriale an, verschiedene Melodien für Kyrie, Gloria, Sanctus und Agnus Dei. Nur eine Melodie für das Credo enthält das Kyriale. Liturgisch interessant dürfte es sein, daß das Gloria für die Hochfeste der Gottesmutter mit Texterweiterungen zu Ehren Mariens versehen wurde. Es folgen verschiedene Sequenzen, strophenförmige Lieder mit Choralmelodien, die an verschiedenen Festen vor dem Evangelium gesungen wurden. Zwei vollständige Offizien mit den Antiphonen des Stundengebetes und der Meßgesänge an den Festen der Sieben Schmerzen Mariens und des Namens Jesu beschließen die Handschrift. Sie sind von anderer Hand geschrieben, als das übrige Graduale.

Bibliographie

  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage), S. 397, Nr. 17.
  • Juliane Kirschbaum, Die Handschrift Dombibliothek 274 in der Kölner Domschatzkammer, in: Kölner Domblatt, 1972, S. 113-130, mit 18 Abb.
  • Juliane Kirschbaum, Liturgische Handschriften aus dem Kölner Fraterhaus St. Michael am Weidenbach und ihre Stellung in der Kölner Buchmalerei des 16.Jhs. Dissertation Bonn 1972. Besprechung in: Das Münster, 1973, S. 74-76.
  • Kölner Domblatt 1975, Dombibliographie Nr. 304, 305.
  • Schulten 130.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-12044
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-12044
Lizenzangaben

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Klassifikation