Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 107

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Alkuin : Kommentar zum Johannesevangelium
Entstehungsort
Tours
Entstehungszeit
2. Viertel 9. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
122 Blätter
Format
335 mm x 235 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-13326 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 107

Überblickbeschreibung

Alkuin: Kommentar zum Johannesevangelium

Der angelsächsische Gelehrte Alkuin von York (um 730-804), von Karl dem Großen (768-814) nach langjähriger Tätigkeit als Leiter der Aachener Hofschule im Jahr 796 zum Abt von St. Martin in Tours bestellt, übersandte seinen Johanneskommentar in den Jahren 800 und 801 an Gisela (757-810) und Rotrud (ca.775-810), Schwester und Tochter Karls des Großen, Äbtissin und Nonne im Kloster Chelles bei Paris. Das Werk war in zwei Teile geteilt, da Alkuin 800 zuerst die Bücher VI und VII mit der Passion Jesu Christi, 801 die Bücher I-V mit dem Leben Jesu vor der Passion erstellt hatte. Quellen waren Augustinus, Ambrosius, Gregor und Beda Venerabilis. Unsere Ausgabe enthält Buch I bis V und beginnt mit dem Brief der Gisela und Rotrud an Alkuin, in dem sie den Gelehrten zum Verfassen des Kommentars anregen. Es folgt alsdann der Antwortbrief Alkuins mit dem Wunsch, der Hl. Geist möge ihre Herzen mit seinen sieben Gaben erfüllen (optam vos, septiformis Spiritus gratia inspirante pectora vestra). Schon Rand (1929) und Koehler reihten die Handschrift in das Werk der Schule von Tours und zwar in die Spätzeit des Abtes Fridugisus (gest. 834) ein. Koehler (1963, S. 162, Taf.31g) verglich in Schrift und Initialstil den aus der Bibliothek von St. Martin in Tours stammenden Vergil, Codex 165 der Berner Burgerbibliothek, mit Dom Hs. 107. Ein wichtiges Indiz für den touronischen Herkunftsort beider Codices war die Verwendung von Gold im Initialschmuck. Beim Vergleich mit den Dom Hss. 108 (Buch I-VII) und 109 (Buch I-V), die ebenso Alkuins Johanneskommentar enthalten, fällt die tadellose Ausführung und buchkünstlerische Auszeichnung von Dom Hs. 107 besonders auf.

Autor des Textes: Anton von Euw

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 18+1, 2-158 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 245 mm x 160 mm ;Blindliniierung, Lage 1 mit Versalienspalte am Innenrand ( 8 mm ); einspaltig; 32-34 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in brauner bis dunkelbrauner karolingischer Minuskel, rubriziert; Anfänge der Textabschnitte mit Majuskeln in Minium; die sich in vielen Büchern und Kapiteln wiederholenden Worte SEQUITUR unzial, in Minium oder Tinte; Buchtitel in Capitalis mit Minium; Titelseite (1v) in Capitalis zeilenweise abwechselnd von Minium zu Schwarz;

Buchschmuck

  • Initiale V(enerando) (2r) mit Flechtbandknoten, in Minium, Violett und Goldtinte (heute zumeist grün oxydiert); Initiale I(N) (7r) mit pergament-ausgesparter Flechtbandfüllung.

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte 18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Wann die Handschrift in die Kölner Dombibliothek gelangte, ist nicht bekannt. Im Kölner Katalog von 833 ist sie noch nicht nachweisbar (Kruse 1976, S. 190). Darmstadt 2107.

Inhaltsangabe

  • 1r Leer, bis auf Federprobe in kleiner karolingischer Minuskel mundus Christi sanguine redemptus.
  • 1v-122r Autor: Alkuin Titel: Kommentar zum Johannesevangelium (Buch I-V) mit Briefen und Glossen auf 3r (PL 100, 738D-924B).
    • 1v Titelseite Incipit: TRACTATUM ALBINI MAGYSTRI IN PRIMA PARTE IOHANNIS EVANGELISTAE DEO GRATIAS.
    • 2r Titel: Brief der Gisela und Rotrud an Alkuin Incipit: Venerando patri nobisque summo honore amplectando Albino magistro Postquam venerande magister - scientia vestra impleat pectora dulcissime magister . 2r V(enerando).
    • 3r Titel: Brief Alkuins an Gisela und Rotrud Incipit: Nobilissimis in christianae religionis sanctitate Quantum in sanctissimo sapientiae - in saeculum saeculi laudabunt te
    • 5v Kapitelreihe von I-XLVI für alle sieben Bücher des Werkes (gegenüber der Edition verschiebt sich die Reihe ab III bis XLIV, da IIII in nuptiis aquam convertit in der Edition mit Cap. III zusammengezogen ist. Da die Edition XLIV als XLIV und XLV zählt, gleicht sich danach die Reihe wieder aus).
    • 7v Buch I Incipit: INCIPIT TRACTATUS ALBINI MAGISTRI IN PRIMA PARTE IOHANNIS EVANGELISTAE. IN PRINCIPIO ERAT VERBUM Neque enim frustra beatus Iohannes - spiritalis gratiae minere completurus. Zu den bedeutenden althochdeutschen Glossen vgl. die bei Kruse 1976, S. 191 angegebene Literatur und die Edition in Jaffé/Wattenbach 1874, S. 137f., App. XVI. 7v I(N).
    • 24r Buch II Incipit: INCIPIT LIBER II. Sequitur namque huius praefati signi - et tamen pauci crediderunt ex eis.
    • 43v Buch III Incipit: INCIPIT LIBER TERTIUS. Delectatio divinorum eloquiorum - iudicantes duodecim, tribus Israhel.
    • 66r Buch IV Incipit: INCIPIT LIBER QUARTUS. Post haec inquit evangelista - iram superbientium humiliter declinemus.
    • 90r Buch V Incipit: INCIPIT LIBER QUINTUS. Postquam exisset Dominus de templo - veritas invenientibus vita permanentibus.
    • 121v Am unteren Rand in nur noch schwer lesbarer karolingischer Minuskel In nomine notum sit vobis almitati vestrae quod cantetur in istis diebus XXX ex (?) psalterio pro remedi detur vobis vita eterna et (vgl. Bischoff 1989, S. 94 Anm.54).
  • 122v Leer, bis auf Federproben: graciam tuam, graciam tuam, graciam tuam, graciam.

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 57
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 44
  • Decker 1895, S. 226, 243f., Nr. 74
  • E. Steinmeyer/E. Sievers, Die althochdeutschen Glossen, Bd. IV, 1898, S. 417, Nr. 89
  • Löffler 1923, S. 30
  • Frenken 1923, S. 54
  • E.K. Rand, Studies in the Script of Tours I: A Survey of the Manuscripts of Tours, Cambridge (Mass.) 1929 (The medieval Academy of America 3), S. 118, Nr. 48, S. 210
  • W. Koehler, Die karolingischen Miniaturen I/1: Die Schule von Tours. Die Ornamente, Berlin [1930] 1963, S. 162, 380, Nr. 25, Taf. 31f.
  • Karl der Große 1965, Nr. 360 (B. Bischoff)
  • R. Bergmann, Mittelfränkische Glossen, Studien zu ihrer Ermittlung und sprachgeographischen Einordnung, Bonn 1966 (Rheinisches Archiv 61), S. 190ff.
  • N. Kruse, Die Kölner volkssprachige Überlieferung des 9. Jahrhunderts, Bonn 1976 (Rheinisches Archiv 95), S. 188ff. (mit Lit. zu den Glossen S. 192ff.)
  • Bischoff 1989
  • Handschriftencensus 1993, S. 635f., Nr. 1071.

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 215-219 [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-13326
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-13326
Lizenzangaben

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Klassifikation