Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 151

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Missale
Entstehungsort
Köln
Entstehungszeit
nach 1475
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
82 Blätter
Format
311 mm x 227 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-13507 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 151

Überblickbeschreibung

Missale

Dom Hs. 151 enthält wie ein Missale Gebete, Lesungen und Gesänge für die Meßfeier, allerdings als Auswahl aus den Meßformularen für das ganze Kirchenjahr. Sie erlaubt, trotz fehlender inschriftlicher Angaben zu Datierung oder Provenienz, die ursprüngliche Nutzung dieses Teilmissales zu rekonstruieren. Auffällig ist, daß neben den Hochfesten alle wichtigen Marienfeste aufgenommen sind. Heilige werden namentlich nicht genannt bis auf die hll. Dominikus, Petrus Martyr, Thomas von Aquin und Vinzenz (62v), die Ordensheiligen der Dominikaner, deren Hl. Kreuz-Kloster in Köln 1220/21 gegründet und 1804 niedergelegt wurde. Auf das Totenoffizium (55r) folgt ein Gebet für eine nicht näher bezeichnete Gemeinschaft, die Maria als Fürbitterin anruft. Dabei könnte es sich um die am Kölner Dominikanerkloster beheimatete Rosenkranzbruderschaft handeln, die 1475 anläßlich der mit Rosenkranzgebeten erfolgreich abgewendeten Bedrohung der Stadt Köln durch Karl den Kühnen aus der Marienbruderschaft hervorgegangen war. 1478 äußerten neunzehn Kardinäle den Wunsch, daß der Marienaltar, an dem diese politisch bedeutsame Bruderschaft gestiftet worden war, "besucht und mit Leuchten, Büchern, Kelchen und anderen liturgischen Geräten ausgestattet und der Gottesdienst vermehrt werde" (Militzer 1997, S. 524); daraufhin erfolgten mehrere testamentarische Vermächtnisse zugunsten der Bruderschaft. Somit könnte Dom Hs. 151 für die Nutzung in der Dominikanerkirche Hl. Kreuz anläßlich der Gründung der Rosenkranzbruderschaft angefertigt worden sein. Die Konzentration auf Hoch- und Marienfeste ließe sich auf den umfangreichen Ablaß zurückführen, welcher der Bruderschaft an Marienfesten verliehen wurde.

Der einzige figürliche und für ein Missale auch charakteristische Buchschmuck in Dom Hs. 151 ist das ganzseitige Kreuzigungsbild (10v) gegenüber dem Gebet Te igitur - der Bitte um gnädige Annahme der Gaben vor der Wandlung von Brot und Wein. Die zur Rechten des Gekreuzigten stehende Maria trägt hier über ihrem roten Gewand nicht den häufiger dargestellten blauen, sondern einen weißen Mantel - möglicherweise ein Hinweis darauf, daß die Marienverehrung durch die neu etablierte Rosenkranzverehrung zunehmend in die Liturgie eingebunden wurde: Weiß war die liturgische Farbe der Marienfeste (Beissel 1972, 315ff., 540ff.). Der anonyme Illuminator dieses Kanonbildes fertigte ein weiteres in einem Missale für St. Kolumba (Diözesan Hs. 269), eine mehrfigurige Kreuzigung auf einem Einzelblatt (Darmstadt, Hess. Landesmuseum, AE 340 ) und die Bekehrung des Apostels Paulus in einem 1483 abgeschlossenen Werk des Kölner Kartäusers Werner Rolevinck (1425-1502) über Leben und Taten des Apostels (Berlin, Staatsbibl. PK, Ms. theol. lat. fol.713, Fol. 1v ; vgl. Marks 1974; Becker/Brandis 1985, S. 262f.). Zudem malte er nicht nur auf Pergament, sondern auch auf Leinwand (Köln, Wallraf-Richartz-Museum, WRM 3606, WRM 101, vgl. Zehnder 1988; ders. 1990, S. 151f.; ehem. WRM 99). Sowohl im Fall der Rolevinck-Handschrift als auch der Dom Hs. 151 wäre es möglich, daß die ganzseitigen Miniaturen von einer Werkstatt erworben wurden, die kleinformatige Bilder auf Pergament und auch auf Leinwand anfertigte. Bei Dom Hs. 151 sprechen abweichende Blattgröße und Befestigung - das dickere Pergamentblatt mit dem Kanonbild ist etwa 1cm niedriger als der restliche Buchblock und an einen Pergamentsteg angeklebt - dafür, daß Buchblock und Miniatur unabhängig voneinander entstanden sind. Das Kanonbild in Dom Hs. 257 (Kat.Nr.101) von 1473 ist diesem sehr ähnlich, stammt aber von einer anderen Hand. Die Federzeichnungsranken um das Kreuzigungsbild von Dom Hs. 257 stimmen jedoch wieder mit denen in Diözesan Hs. 269 so weitgehend überein, daß eine zeitlich nahe Entstehung beider Blätter in einer Werkstatt höchstwahrscheinlich ist. Diese muß aufgrund der beiden datierten Handschriften mindestens von 1473 bis 1483 aktiv gewesen sein. Entsprechend ist sie der Lochner-Nachfolge zuzuordnen, verwendet aber insbesondere bei den Kölner Werken bereits länger tradierte Bildformen.

Autor des Textes: Johanna C. Gummlich

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 12-1, 28, 32-1, 4-128 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 214 mm x 144 mm ;Liniierung mit Tinte und Metallstift; 2 Spalten von je 63 mm bzw. 60-67 mm (Kanongebet) Breite und 18 mm Abstand; 23, bisweilen 25 und im Meßkanon 16 Zeilen.

Schrift und Hände

Lateinischer Text in schwarzer Rotunda, rubriziert; Marginalglossen: Bastarda;

Buchschmuck

  • Cadellen mit rotem Mittelstrich, rote oder blaue Lombarden; Fleuronnée-Initialen mit blauem und/oder rotem oder goldenem gespaltenen Körper und violetter Federzeichnung mit Fleuronnéestab (6r, 23r, 26r, 27r, 28r, 33r, 61r); Zierseite (11r) mit Ornamentinitiale: grüner Körper, weiße Binnenzeichnung in Form eines Blattfrieses mit gedrehten Blattenden, violettem Maiglöckchenfleuronnée sowie Rankenbordüren an Kopf- und Fußsteg aus je zwei in der Mitte übereinanderliegenden violetten Federzeichnungsranken, daran stachelbesetzte Goldpollen in Tropfenform, grüne Lanzettblätter, rote "Christbaum"-Kugeln mit weißer Binnenzeichnung sowie rote, grüne und blaue drei- oder vierblättrige Blüten mit weißer Binnenzeichnung und teils umgebogenen Blattenden; ganzseitige Miniatur: Kanonbild (10v).

Einband

Einband: Pergament mit Streicheisenlinien über Pappe (Mitte18. Jh.).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Köln, Dominikanerkloster Hl. Kreuz; danach Dom? (Nachtrag 9v Commemoratio Trium Regum, spätes 16. Jh.?); spätestens 1752 in der Dombibliothek (Hartzheim); Darmstadt 2142.

Inhaltsangabe

  • 1r Titel: Gebetsformeln, Schuldbekenntnis (Nachtrag des 18. Jhs. ).
  • 1v Leer.
  • 2r Titel: Ordo für die Vorbereitung des Priesters zur Messe.
  • 6r Titel: Präfationen beginnend mit dem Weihnachtsfest Incipit: P(er omnia secula seculorum) .
  • 9v Nachtrag des späten 16. Jhs. in brauner Textura, rubriziert Incipit: In commemoratione Trium Regum. Deus qui es regum ; auf dem unteren Seitensteg rundes, blau gerahmtes Kußbild mit vergoldetem Kreuz und vegetabilem Ornament in violetter Federzeichnung.
  • 10v Kanonbild: Kreuzigung Christi.
  • 11r-17v Meßkanon.
    • 11r Hochgebet Incipit: T(E igitur).
  • 18r-22r Incipit: Infra actionem.
  • 22v Incipit: Credo, Gloria .
  • 23r Weihnachten Incipit: P(uer natus est).
  • 26r Ostern Incipit: R(esurrexi).
  • 27r Christi Himmelfahrt Incipit: V(iri Galilei).
  • 28r Pfingsten Incipit: S(piritus Domini).
  • 33r Mariä Himmelfahrt Incipit: G(audeamus omnes).
  • 34r Mariä Geburt.
  • 36r Allerheiligen.
  • 38r Vigil zum Fest eines Apostels.
  • 39r Incipit: De apostolis Introitus.
  • 40r Fest eines Märtyrers.
  • 41r Fest mehrerer Märtyrer.
  • 42v Fest eines Bekenners. 44r Fest einer Jungfrau.
  • 45v Montag, von den Engeln.
  • 46v Dienstag, von der Barmherzigkeit.
  • 47v Mitwoch, von der Not.
  • 48v Messe für die Sünden; Donnerstag, vom Hl. Geist.
  • 50r Incipit: In commemoratione Petri, Introitus; De sancta cruce, officium.
  • 51r Incipit: De domina nostra, officium.
  • 52r Incipit: De annunciacione beate Marie.
  • 53v Incipit: Infra circumcisione et purificatione de domina.
  • 55r Totenoffizium Incipit: Pro congregatione; Pro patre et matre.
  • 55v Generalis.
  • 57v Incipit: Pro amico.
  • 58v Incipit: Alia generalia.
  • 59v Incipit: Pro sacerdote.
  • 61r Kirchweihe Incipit: T(erribilis est locus).
  • 62v Incipit: De sancto Dominico, Petro, Thome et Vincencio.
  • 63v Incipit: De lancea Domini.
  • 65r Incipit: De nomine Jesu.
  • 66v Incipit: Collecte generales de sanctis; Alia collecta de omnibus sanctis.
  • 67r Incipit: Pro rege; pro episcopo.
  • 69r-78r Sequenzen. Weihnachten Incipit: N(atus ante secula) (enger geschrieben; von einer anderen Hand?) bis zur Sequenz für die Kölner Stadtpatrone Gaude felix Agrippina.
  • 78v-82v Bis auf einige Federproben leer.

Bibliographie

  • Hartzheim 1752, S. 127
  • Jaffé/Wattenbach 1874, S. 62
  • K. Lamprecht, Kunstgeschichtlich wichtige Handschriften des Mittel- und Niederrheins, in: JVAFR 74 (1882), S. 144, Nr. 194
  • R. Kautzsch, Die Holzschnitte der Kölner Bibel, Straßburg 1896, S. 37
  • Jahrtausendausstellung der Rheinlande in Köln, Ausst.Kat. Köln 1925, S. 208, Nr. 2, Vitrine 98
  • F. Winkler, Stadtkölnische Buchmaler-Werkstätten im 15. Jahrhundert, in: WRJb 3/4 (1926/27), S. 125f., Abb. 2
  • Kdm Köln 2/III, 1937, S. 160ff.
  • H. Jerchel, Die niederrheinische Buchmalerei der Spätgotik (1380-1470), in: WRJb 10 (1938), S. 68, Nr. 31, S. 90
  • A. Stange, Deutsche Malerei der Gotik, Bd.III, Berlin 1938, S. 109 und Bd.V, 1952, S. 9, 12
  • Herbst des Mittelalters 1970 1970, S. 78, Nr. 98
  • H. Meurer, Miniaturen aus dem Kreis Stefan Lochners, in: WRJb 33 (1971), S. 304
  • S. Beissel, Geschichte der Verehrung Mariens im Mittelalter. Ein Beitrag zur Religionswissenschaft und Kunstgeschichte, [Freiburg i.Br. 1909] Darmstadt 1972
  • Kirschbaum 1972, S. 93
  • R.B. Marks, The Medieval Manuscript Library of the Charterhouse of St. Barbara in Cologne, Salzburg 1974 (Analecta Cartusiana 21-22)
  • P.J. Becker/T. Brandis, Die theologischen lateinischen Handschriften in Folio der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin, Teil 2: Ms. theol. lat. fol.598-737, Wiesbaden 1985
  • F.G. Zehnder, Andachtsbild mit zwölf Szenen aus dem Leben Christi, Köln 1988
  • F.G. Zehnder, Katalog der Altkölner Malerei, Köln 1990 (Kataloge des Wallraf-Richartz-Museums 11), S. 151ff.
  • Handschriftencensus 1993, S. 659, Nr. 1111
  • J.-B. Broicher, Hl. Kreuz, in: Colonia Romanica 10 (1995), S. 261ff.
  • J.C. Gummlich, Das Euskirchener Missale Cod. I, in: Werke aus der Kölner Malerschule. Zur Kunstgeschichte um 1500 im Euskirchener Land, Euskirchen 1997 (Jahresschrift des Vereins der Geschichts- und Heimatfreunde des Kreises Euskirchen 11), S. 153
  • K. Militzer, Quellen zur Geschichte der Kölner Laienbruderschaft vom 12. Jahrhundert bis 1562/63, Düsseldorf 1997 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 71), S. 507ff.
  • Beuckers 1998, S. 319ff.
  • J.C. Gummlich, Die Kreuzigungsdarstellung in der spätgotischen Kölner Buchmalerei, Diss. Bonn (in Vorbereitung).

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 470-474 (Johanna C. Gummlich) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-13507
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-13507
Lizenzangaben

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