Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 1364

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Statuten der Bruderschaft von St. Ursula
Entstehungsort
Köln
Entstehungszeit
ca. 1360-1453
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
16 [+ 2] Blätter
Format
225 mm x 180 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-14460 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Diözesanbibliothek
Signatur
Cod. 1364

Überblickbeschreibung

Statuten der Bruderschaft von St. Ursula

Die Ursulabruderschaft ("Patrizierbruderschaft") wurde wahrscheinlich bald nach dem großen Pestzug, der auch Köln 1349-1350 heimgesucht hatte, gegründet. In ihr hatten sich Angehörige der sog. Geschlechter, der führenden patrizischen Familien Kölns, zusammengeschlossen. Die Brüder bildeten also eine exklusive Genossenschaft, in die sie nur Standesgenossen aufnahmen. Um die Exklusivität noch zu erhöhen, haben die Stifter die Mitgliederzahl auf vierzig beschränkt. Der Hauptzweck dieser wie auch aller übrigen Bruderschaften war das Totengedächtnis, die Memorie. Ihr dienten die Namenslisten, die in das Bruderschaftsbuch eingetragen worden waren. Zur Totenmemorie fanden sich die Brüder einmal im Jahr in einem Gottesdienst zusammen, in dem der toten und lebenden Mitglieder namentlich gedacht wurde. An dem Tag trugen die Brüder Kerzen in die Kirche und steckten sie auf einen Kerzenbalken. Anschließend richteten die geschäftsführenden Meister ein Mahl aus, an dem alle Genossen teilzunehmen hatten. Am selben Tag legten die Meister Rechenschaft ab und traten zurück; die Brüder wählten danach neue Meister.

Die vorliegende Handschrift wurde wohl um oder kurz vor 1360 angelegt und ist damit eines der ersten in Köln überlieferten Bruderschaftsbücher. Seine Entstehungsgeschichte ist kompliziert: Wahrscheinlich bildeten zunächst die Blätter 1 bis 4 und 14 bis 15 eine Lage, in die die Statuten und die älteste Mitgliederliste eingeschrieben wurden. Da der Platz für Nachträge in der Namensliste bald nicht mehr ausreichte, fügten die Meister noch im 14. Jahrhundert ein Blatt (16) an, in das die Liste von 1393 eingetragen wurde. Schließlich schob man im 15. Jahrhundert die Blätter 5 bis 13 ein, auf die die Meister Zusätze zu den Statuten und weitere Namenslisten mit Nachträgen schreiben ließen. Das Buch blieb während des gesamten 15. Jahrhunderts in Benutzung und wurde erst später durch ein anderes ersetzt. Die Bruderschaft hat bis wenigstens zur Zeit des Gelenius im 17. Jahrhundert existiert, dann verliert sich ihre Spur. Die patrizische Bruderschaft wurde wahrscheinlich schon vor dem Ende der reichsstädtischen Zeit 1794 aufgelöst.

Zustand und Zusammensetzung

Lagenstruktur
Lagen 16+1+9 ;
Seiteneinrichtung
Schriftspiegel 160 mm x 107 mm mm bzw. x 175 mm x 136 mm mm (Fol. 7-11);Liniierung mit Tinte oder Metallstift; 2 Spalten von je 60 mm Breite und 16 mm Abstand (Fol. 7-11), sonst einspaltig; 21 Zeilen (im Listenteil auch weniger).

Schrift und Hände

Ripuarischer Text mit niederdeutschen Einsprengseln in brauner Textura (Fol. 1-4, 14-15), wenig rubriziert; Buchminuskel (Fol. 5-6); braune Textura, Buchminuskel und Kursive (Fol. 7-9, 11-12); z.T. gestrichelte Textmajuskeln; zweizeilige rote Eingangsinitiale; Marginalglossen.

Einband

Einband: Leinen über Pappe (aus jüngster Zeit); darunter der ursprüngliche Pergamenteinband der Handschrift (Fol. A und B).

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Aus dem Besitz des Kölner Domkapitulars Franz Michael Vill, Pfarrer an St. Ursula (gest. 1863) (Br).

Inhaltsangabe

  • Ar Leer.
  • Av Bibliotheksstempel.
  • 1r-Br Titel: Statuten der Bruderschaft von St. Ursula in Köln, um 1360 (K. Militzer, Quellen zur Geschichte der Kölner Laienbruderschaft vom 12. Jahrhundert bis 1562/63, Bd.II, Düsseldorf 1997 [Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 71], S. 1314-1332; J. Solbacher/ V. Hopmann, Die Legende der hl. Ursula. Die Geschichte der Ursula-Verehrung, Köln 1964, S. 69; P. Heusgen, Ursula-Bruderschaften in Köln, in: JbKGV 20 [1938], S. 167-170; A. Schnyder, Die Ursulabruderschaften des Spätmittelalters, Bern und Stuttgart 1986 [Sprache und Dichtung NF 34], S. 499-502)
    • 1r In Goydis namen amen. Dit synt dey gesetz -
    • 4v sware overlensche gulden of me.
    • 4v-6r Zusätze des 15. Jhs. , zum Teil durch Schimmel und Tintenfraß unlesbar geworden.
    • 6v-9r Mitgliederverzeichnisse unterschiedlicher Zeiten: 6v 1407. 7r-v 1429. 8r-v 1447. 9r 1453.
    • 11v-12v Namensliste von 1417 .
    • 13v Beschluß von 1406 , laut welchem dem Schreiber am Kölner Schöffengericht Johannes van Eylsich sieben Gulden Bruderschaftsgeld des Gerart vanme Lewen ausgezahlt wurden. Der Schreiber setzte Everhart van Coyvelczhoyven zu Bürgen.
    • 14r-15v Ältestes Mitgliederverzeichnis um 1360 mit Nachträgen ( 15r-v ).
    • 16r-Br Mitgliederverzeichnis von 1393 mit Nachträgen ( 16v-Br ).
    • Br Besitzvermerk Vill 557 .
    • Bv Sent Ursula ( 14. Jh.? ).

Bibliographie

  • G. Wegener, Geschichte des Stifts St. Ursula in Köln, Köln 1971 (Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins 31), S. 132
  • Handschriftencensus 1993, S. 770, Nr. 1306
  • K. Militzer, Ursulabruderschaften in Köln, in: JbKGV 66 (1995), S. 42.

Quellenangabe

  • Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung. München 1998. S. 530-531 (Klaus Militzer) [Digitaler Volltext]
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-14460
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-14460
Lizenzangaben

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Klassifikation