Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 141

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Liber pontificalis von Cambrai
Entstehungsort
St. Vaast in Arras (?)
Entstehungszeit
um 1050
Umfang
Das Buch enthält 189 Pergamentseiten.
Format
24,9 cm x 17,5 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-15032 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 141
Katalogsignatur
Schulten-1980: Kat. 3

Schrift und Hände

Ein einziger Schreiber dürfte das Buch gestaltet haben. Ab Bl. 185v wird das Buch ergänzt in einer Handschrift des 12. Jahrhunderts.

Buchschmuck

  • Nach drei Seiten von Ankleidegebeten zur Weihe eines neuen Bischofs folgt das Inhaltsverzeichnis (Bll. 2v-4v). Es beginnt mit einer Initiale I, geschmückt mit Flechtwerk, Tierköpfen und pflanzlichen Motiven. Fünfzig Titel von Ordines für bestimmte bischöfliche Weihungen und Segnungen folgen. Darunter befinden sich Formulare für die Konsekration ("qualiter consecretur") des Papstes und für die Benediktion des Königs, des Kaisers und der Königin. Auf Bl. 5v, zu Beginn des Textes, steht eine der zwei ganzseitigen Miniaturen. Maria thront, umschlossen vom Oval der Mandorla, auf einem rötlichen ornamentierten Bogen vor grünem Grund Die Füße stehen vor blau-weiß punktiertem Grund auf der Mandorla. Auf dem rechten Knie thront wie ein kleiner Herrscher das Jesuskind, in der einen Hand das Kreuz. Mit der Rechten segnet es. Wie einen Reichsapfel hält Maria mit der Linken eine Kugel, die mit einem Kreuz bezeichnet ist. Maria trägt ein grünes Kleid, einen blauen Kopfschleier und einen blauen Überwurf mit breitem goldenem Saum, Christus ein blaues Untergewand mit hellem Überwurf. Kennzeichnend für die Gewänder ist die feine kleinteilige Fältelung, die den Körper ornamental verhüllt und nicht betont. Die lebhaft gebrochenen breiten Borten der Gewänder gliedern den Aufbau des Bildes. - Die ovale Form der Mandorla ist gleichzeitig der Anfangsbuchstabe O für den Beginn des ersten Gebetes zur Firmung (OMNIPOTENS). Der Titel des Firmungsritus steht auf marmoriertem Grund oben neben der Mandorla ORDO AD PUEROS CONSIGNANDOS (Ordo für die Firmung der Kinder), Doch ist die von einem Flechtwerkrahmen mit Eckrosetten umzogene Darstellung nicht nur Titelbild für die Firmungsgebete, sondern auch Titelbild des ganzen Buches. - Eine ähnliche Bedeutung hat die zweite ganzseitige Miniatur mit der Verkündigung in der oberen Hälfte. Die Miniatur markiert im Codex den Beginn einer langen Reihe von bischöflichen Segensformeln für das Kirchenjahr. Unter der Verkündigung steht DMC. I. IN ADVENTUDNI. (l. Sonntag im Advent). In der unteren Bildhälfte beginnt mit der Initiale 0 und den Buchstaben MPS PAT (Omnipotens Pater) die Segensformel für den ersten Adventssonntag. Stilistisch stimmt diese Zierseite mit der Miniatur der thronenden Gottesmutter überein. - Die Handschrift enthält außerdem noch 13 figürliche und 104 ornamentale Initialen.

Geschichte der Handschrift

Provenienz

Das vor allem auch für die Liturgiegeschichte wichtige Buch befand sich bereits im 15. Jh. im Besitz des Kölner Domes. Das zeigt der Besitzvermerk auf Bl. l: "Liber sancti Petri ecclesiae coloniensis" in spätmittelalterlichen gekürzten Schriftzügen. In der Litanei zu Kirchweih (Bl. 55 und 56) werden neben allgemein üblichen Namen die hll. Vedastus und Gaugericus erwähnt. Da der Name des hl. Benediktus außerdem farblich besonders ausgezeichnet ist, bleibt zu vermuten, daß das Buch im Benediktinerkloster Saint Vaast (Vedastus) in Arras geschrieben worden ist, und zwar für den Bischof von Cambrai, zu dessen Diözese Arras um 1050 gehörte. Im Ordo für die Bischofsweihe wird bei der rituellen Befragung des Kandidaten die Frage gestellt (124v), ob er Glauben und Unterwerfung unter die hl. Mutterkirche von Reims alle Tage seines Lebens bewahren wolle. Reims war im 11. Jahrhundert die Metropole, zu der Cambrai gehörte. In der Litanei ist mit dem Namen Mariens der Name des hl. Stephanus gegenüber allen anderen Namen am meisten hervorgehoben. St. Stephanus ist der Patron der Diözese Cambrai. So bleibt die Hypothese, daß das Buch in Arras für den Bischof von Cambrai im Metropolitangebiet von Reims geschrieben wurde, am meisten überzeugend.

Bibliographie

  • Jaffé-Wattenbach, Nr. 141, pag. 59.
  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage) S. 391, Nr. 3.
  • Sigrid Schulten, Die Buchmalereien des 11. Jhs. im Kloster St. Vaast in Arras, S. 64-66 und S. 86, Nr. 16.
  • Kölner Domblatt 1958, S. 219, Nr. 121 (Besprechung von H. Rode mit Korrekturen).
  • Schulten 136.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-15032
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-15032
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation