Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 215

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Fränkischer Kodex für den Gesang des Stundengebetes
Umfang
279 Pergamentblätter ()
Format
30 cm x 20,5 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-15889 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 215
Katalogsignatur
Schulten-1980: 158

Buchschmuck

  • Achtzehn größere Textinitialen und drei ganzseitige Miniaturen sind sein Schmuck. Das Antiphonale ist benediktinischer Herkunft. Das Kalendarium mit den Festen des hl. Kilian und des hl. Burkhard lassen an eine Benutzung im Würzburger Bereich denken. Schrift und Initialornamente sind aller Wahrscheinlichkeit nach im 12. Jh. entstanden. Die Initiale A spiciens (Blatt 11r) ist als einzige farbig angelegt auf rotem und grünem Grund. Der Buchstabe selbst ist hellviolett eingelegt. Die liturgischen und musikwissenschaftlichen Fragen sind schon vor vielen Jahren erörtert worden. Das Notenbild (Neumen) deutet auf das Ende des 12. Jhs. Kirchenmusikalisch ist der Kodex ein wichtiges Zeugnis für den Übergang von der adiastematischen zur diastematischen Neumierung. Das Tonar, die Ordnung der gregorianischen Gesänge nach den Kirchentönen, ist erst in der 2. Hälfte des 13. Jhs. abgefaßt. (Blatt 209v-212r) und hinzugefügt worden.

    Eigenartig ist der figürliche Schmuck. Er ist nicht gleichzeitig mit der fränkischen Handschrift des 12. Jhs. entstanden, sondern früher. Die drei ganzseitigen Miniaturen (82v, 83r, 88v) gehören zu einer Lage starker Pergamentblätter, die so eingefügt sind, daß der spätere Text sich nach ihnen richtet. - Das Abendmahl mit Christus und den Jüngern wird von einer Bogenstellung umrahmt, die oben mit rot gepunkteten Kuppeln und Türmchen abschließt. Die Ankündigung des Verrates ist dargestellt. Die erregten Gesten deuten darauf und der Verräter, der rechts mit abwehrenden Händen davonschreitet. Die Bildtradition kennt nicht die von links mit dem Rücken zum Tisch sitzenden Jünger. Auch der stehende Judas ist gewiß selten. - Das zweite Bild ist unklar, sein Thema nicht zu ermitteln. Christus vor einer stadttorartigen Architektur mit durchfensterter Kuppel steht am rechten Bildrand. In der Linken ein Schriftband, hält er die Rechte wie belehrend erhoben. Die Schrift auf dem Band ist nicht mehr lesbar. - Die dritte Miniatur zeigt Szenen der Auferstehung, die Frauen am leeren Grabe und die Begegnung Christi mit Magdalena (Noli me tangere). Der Architekturgrund ist nicht ausgemalt. Der Engel sitzt auf dem Deckel des Grabes, im Grabe selbst ein Leichentuch. Am unteren Bildrand trägt eine Frau Salbgefäß und Weihrauchfaß. Daneben steht Maria, am Kopftuch mit einem Kreuz ausgezeichnet. Dann folgt Jesus mit abwehrendem Gestus. Vor ihm kniet Maria Magdalena, die den Herrn berühren will. - Die Zeichnung ist das Hauptelement des Stiles. Vielfältig wird die Fläche durch mehrfach konturierte schwarze Striche unterteilt. Der Farbcharakter wird hauptsächlich durch Mennigrot und Grün bestimmt, vereinzelt braune, blaue und violette Töne. -

    Mit guten Gründen werden die Miniaturen mit der spätottonischen Buchmalerei des Maasgebietes in Verbindung gebracht. Verhärtungen und strenge Ornamentalisierung von Gewändern, Architekturen und Gesichtern sind Stilphänomene eines umfassenden Prozesses, der sich in der Kölner Buchmalerei, aber auch im Evangeliar in Abdinghof findet, aber auch in der Reichenauer Buchmalerei. ähnliche Merkmale finden sich auch in der Plastik, wie etwa beim Kruzifix aus St. Georg im Schnütgen-Museum in Köln. Das Motiv der in Fußhöhe sich glockenartig weitenden Mäntel haben eine auffallende Parallele in einem gleichzeitigen normannischen Evangeliar, das sich heute im British Museum (Add. 17739) befindet. Der Stil gehört der zweiten Hälfte des 11. Jhs. an. Hinzu kommt, daß auch mit Fuldaer Handschriften Beziehungen erkennbar sind, die sich hier mit maasländischen Einflüssen vereinigen. So kann sich hier doch eine Werkstatt-Tradition verraten, die liturgisch trotz aller zeitlichen Unterschiede in den Einzelteilen nach Würzburg/Fulda verweisen.

Geschichte der Handschrift

Herkunft
Gesamte Handschrift in einer Schrift und Initialen des 12. Jhs. für eine Benediktinerabtei. Kalendarium des 11. Jhs. ohne Januar. Tonar (Gesangsanleitung) der 2. Hälfte des 13. Jhs. (Blatt 209v-212r). - Miniaturen der 2. Hälfte des 11. Jhs.
Provenienz
Der Kodex befand sich schon unter Erzbischof Wilhelm von Gennep (1349-1362) in Köln (Eintrag auf Blatt 206).

Inhaltsangabe

  • Der Kodex enthält Antiphonen, Hymnen und ein Psalterium mit Gebeten.

Bibliographie

  • Jaffé-Wattenbach, S. 215, p. 96.
  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage), S. 396, Nr. 12.
  • Peter Bloch, Unbekannte mosane Miniaturen im Cod. Metr. 215 des Kölner Domschatzes.
  • Schulten 134.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-15889
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-15889
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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Klassifikation