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Psalterium non feriatum (sog. Plettenberg-Psalter) (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 1610)

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Psalterium non feriatum
 
(Plettenberg-Psalter)
Entstehungsort
Köln?
Entstehungszeit
um 1460
Beschreibstoff
Pergament und Papier
Umfang
229 gez. Bll. (moderne Bleistiftfoliierung; 198 Pergament- und 31 nachgebundene Papierbll.)
Format
13 cm x 9,5 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-16654 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Diözesanbibliothek
Signatur
Cod. 1610

Überblickbeschreibung

Plettenberg-Psalter

Mehr als zwei Drittel der Handschrift nimmt die Abschrift der Psalmen in der biblischen Reihenfolge von Psalm 1 bis Psalm 150 ein. Anders als in einem Stundenbuch oder einem Brevier fehlen für den liturgischen Gebrauch erforderliche Einschübe wie Invitatorium, Antiphonae oder Lectiones. Die Handschrift war demnach für die private Andacht und das wöchentliche Rezitieren der Psalmen ausgelegt. Nur wenige gliedernde Elemente und recht sparsam formulierte Rubriken setzen dabei einen im Umgang mit dem Text geübten Nutzer bzw. Nutzerin voraus, um sich in der Handschrift zurechtzufinden.

Der gesamte Text ist sorgfältig und gleichmäßig geschrieben. Der Textspiegel ist optimal ausgenutzt, wobei im Textverlauf nur wenige Absätze oder halbe Zeilen entstanden sind. Zudem gibt es nur vereinzelte Korrekturen, die ebenfalls gewissenhaft eingetragen sind. Dies deutet auf einen routinierten Schreiber und die Praxis in einer gut organisierten Schreibstube.

Zur Gliederung und Orientierung in der Handschrift sind lediglich die Textanfänge zu markanten Psalmen hervorgehoben. Die einzelnen Psalmen sind durch wenig hervortretende, zweizeilige Versalien abgesetzt mit nur sehr spärlich verteilten Rubriken. Vermutlich im Zusammenhang mit einer Neubindung zu Ende des 16. Jahrhunderts wurden daher zur besseren Übsersicht am Rand die einzelnen Psalmnummern nachgetragen.

Knappe Rubriken ordnen die Psalmen 1 bis 108 den Gebetsstunden "ad nocturnum" zu; von Psalm 109 bis 150 folgen die Texte zur Vesper (ad vesperas). Es folgen Cantica und Hymnen (fol. 169v-199v), unterbrochen von einer Litanei (fol. 185v-190v).

Von fol. 199 bis fol. 229 wurden Seiten aus kräftigem Papier ergänzt – sie sind beschrieben bis fol. 224r mit Gebeten für Verstorbene, in einer Schrift des 16. Jahrhunderts. Nachträge in deutscher Kurrentschrift (fol. 225r) und ein unvollständiges Notenblatt (fol. 226r) stammen wohl aus dem späten 18. Jahrhundert.

Überblickbeschreibung nach Ines Dickmann, Der Plettenberg-Psalter – eine Kölner Handschrift aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Analecta Coloniensia 17/18 (2017/18), Seite 161-191.

Buchschmuck

  • Die Textanfänge zu markanten Psalmen sind hervorgehoben: Mit Initialen auf Goldgrund und Randdekor zu Psalm 1 (Nokturn am Sonntag), 26 (Nokturn am Montag) und 109 (Vesper am Sonntag) oder großen, sechszeiligen Federinitialen mit Federranken zu Psalm 38, 52, 68, 80 und 97. Weitere Gliederungen durch drei- bis vierzeilige blaue oder rote Initialen mit Federschmuck in der Konträrfarbe, außerdem durch zweizeilige blaue oder rote Lombarden. Rubrizierungen wurden nicht konsequent durchgeführt, Markierungen (u.a. rote Kreuze) stammen teilweise von späterer Hand.

    Der Dekor im Einzelnen:

  • fol. 13r Psalm 1 (Nokturn am Sonntag): achtzeilige Zierinitiale "B(eatus vir)" in Deckfarben auf Goldgrund mit Randdekor über vier Stege
  • fol. 38r Psalm 26 (Nokturn am Montag): sechszeilige Zierinitiale "D(ominus illuminatio mea)" in Deckfarben auf Goldgrund mit Randdekor über drei Stege
  • fol. 44v Psalm 32 (ohne Rubrik): dreizeilige Zierinitiale "E(xultate iusti)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 53v Psalm 38 (Nokturn am Dienstag): sechszeilige Zierinitiale "D(ixi custodiam)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 61v Psalm 45 (ohne Rubrik): dreizeilige Zierinitiale "D(eus noster refugium)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 67r Psalm 51 (Bußpsalm): dreizeilige Zierinitiale "Q(uid gloriaris)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 68r Psalm 52 (Nokturn am Mittwoch): sechszeilige Zierinitiale "D(ixit insipiens)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 74r Psalm 59 (ohne Rubrik): dreizeilige Zierinitiale "D(eus repulisti nos)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 82r Psalm 68 (Nokturn am Donnerstag): sechszeilige Zierinitiale "S(alvum me fac)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 100r Psalm 80 (Nokturn am Freitag): sechszeilige Zierinitiale "E(xultate deo)" in Blau und Rot gespalten mit Federranken in Blau und Rot
  • fol. 117r Psalm 97 (Nokturn am Samstag: sechszeilige Zierinitiale "C(antate domino)" in Blau und Rot gespalten mit Federranken in Rot
  • fol. 119r Psalm 101 (Bußpsalm): dreizeilige Zierinitiale "D(omine exaudi)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 134r Psalm 109 (Vesper am Sonntag): achtzeilige Zierinitiale "D(ixit dominus)" in Deckfarben auf Goldgrund mit Randdekor über vier Stege
  • fol. 137v Psalm 114 (Vesper am Montag): dreizeilige Zierinitiale "D(ilexi)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 142r Psalm 118 He (Terz): dreizeilige Initiale "L(egem pone)" in Blau
  • fol. 145r Psalm 118 Caph (Sext): dreizeilige Zierinitiale "D(efecit in salutare)" in Rot mit Federranken in Violett
  • fol. 147v Psalm 118 Phe (Non): dreizeilige Zierinitiale "M(irabilia testimonia)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 158v Psalm 137 (Vesper am Freitag): dreizeilige Zierinitiale "C(onfitebor tibi)" in Rot mit Federranken in Violett
  • fol. 169v Beginn der Cantica: dreizeilige Zierinitiale "C(onfitebor tibi)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 191r Hymnen, zweiter Teil: vierzeilige Zierinitiale "A(d cenam Agni)" in Blau mit Federranken in Rot
  • fol. 194v Hymnus zu Trinitatis: dreizeilige Zierinitiale "O (lux beata trinitas)" in Rot mit Federranken in Violett
  • fol. 197v Hymnus zum Apostelcommune: dreizeilige Zierinitiale "E(xultet celum)" in Rot mit Federranken in Violett

Einband

Neubindung 1598: Dunkelroter Ledereinband mit Blindprägung über Holzdeckeln. Streicheisenlinien, Bordüren mit Würfelmuster, arabeske Rankenornamente in den Ecken. Zwei stark beriebene Plattenstempel auf Vorder- und Rückseite, jeweils gerahmt von zwei Einzelstempeln (Blüte): vorne Kreuzigungsgruppe mit Namenszug "Maria Plettenberg", hinten Auferstehung Christi mit Datum "Anno 1598". Zwei Messingschließen.

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Vorbesitz: Maria von Plettenberg, Freckenhorst oder Heinsberg, 1598 (Einbandstempel). - Sothebyʼs, London, 1990 (Kat. 2151). - Hanns-Theo Schmitz-Otto, Köln (Exlibris auf dem vorderen Spiegel). - Erworben bei Reiss und Sohn, Königstein/Taunus, 2018 (Kat. 190).
Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Bearbeitung im Rahmen der Erschließung mittelalterlicher Handschriften von Harald Horst
Ort
Köln
Datum
2024
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-16654
PURL
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-16654
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation