Beschreibung von Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 143

Bibliographische Beschreibung

Bezeichnung
Lektionar des Kölner Erzbischofs Everger (984-999)
Entstehungsort
Köln
Entstehungszeit
um 984-999
Beschreibstoff
Pergamenthandschrift
Umfang
158 Blätter.
Format
28,8 cm x 19,8 cm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-14936 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 143
Katalogsignatur
Schulten-1980: Kat. 37

Zustand und Zusammensetzung

Seiteneinrichtung
Einspaltig mit 20 Zeilen .

Schrift und Hände

Die einfachen Textseiten sind in karolingischer Minuskel einspaltig mit 20 Zeilen beschrieben.

Auf Blatt 158r steht in einer Handschrift des 10. Jhs. (?) der Name Reginhr mit anderer Tinte. Vielleicht ist das der Name des Schreibers.

Buchschmuck

  • Die Schrift enthält mehrere Seiten mit verzierten Initialseiten und Textinitialen. Zwei Miniaturmalereien befinden sich auf der Rückseite von Blatt 3 und der Vorderseite von Blatt 4. Beide Bilder gehören als Widmungsbild zusammen. In der unteren Hälfte des ersten Bildes liegt der mit dem purpurnen Meßgewand bekleidete Erzbischof ausgestreckt auf der Erde, in einer Gebetshaltung, wie sie heute noch bei feierlichen Gebeten am Karfreitag und bei der Priesterweihe üblich ist (Proskynese). Das silberne Pallium (heute schwarz oxydiert) legt sich um die Schultern und über den Rücken. Mit den gefalteten Händen hält der Erzbischof das goldene Manipel. Seinen Blick erhebt er zu den thronenden Aposteln Petrus und Paulus , die auf der gegenüberliegenden Seite abgebildet sind. Der Bildgrund der unteren Hälfte mit dem Erzbischof ist dreifach gestreift; unten dunkelgrün mit rot-gelben Blüten, darüber ein olivfarbener und dann ein grasgrüner Streifen. Die obere Bildhälfte verzeichnet auf Purpurgrund mit goldener Schrift in Kleinbuchstaben das Gebet des Erzbischofs: NEXUS ALME PATER VITIOR(UM) SOLVE POTENTER / PAULE D(E)O LECTUS PARIT(ER) TU SOLVE REATUS / CONSEQUAR UT VENIAM XPO DONANTE SU(PER)NA(M) EVERGERUS ARCHI EPC (Gütiger Vater löse mit Macht die Verstrickung in Schuld. Paulus erwählt von Gott, löse gleichfalls die Sünden, daß ich erlange durch Christi Geschenk die himmlische Gnade. Everger, Erzbischof ). Das Bild mit seiner Inschrift ist umrahmt von einer silbernen oxydierten Blattranke zwischen zwei goldenen Streifen.

    Auch die zweite Miniatur des Widmungsbildes ist durch farbige Streifen gegliedert, unten ein dunkel- bis olivgrüner Grund mit rot und gelb blühenden Blumen, purpurn der Hintergrund der Apostelthrone, darüber ein grasgrüner Streifen, dann die Häupter vor einem blauen Grund. Die Apostel sitzen frontal nebeneinander auf grünen, gold- und silbergerahmten Thronen, die einstufigen Fußstützen sind oben silbern, die Setzstufen golden mit Ranken verziert. - Die Häupter der Apostelfürsten Petrus und Paulus zeigen die Physiognomie, wie sie seit frühchristlicher Zeit üblich ist. Beide Apostel tragen hellblaue Tuniken mit goldenen Zierstreifen. Die Pallien sind blaßpurpurn, verziert mit goldenen Prunkrosetten. Petrus weist mit der Hand zum Erzbischof. Paulus segnet den Stifter. Mit der Linken halten beide ein goldenes Buch auf den Knien. Neben den goldenen Nimben liest man in etwas mißverstandener griechischer Schrift in Großbuchstaben die Namen AΓIOC ΠHΘPOC, AΓIOC ΠAVΛVC. Das Bild wird von einem Purpurrahmen zwischen Goldleisten umgeben. Auf dem Purpur in goldenen Großbuchstaben die Inschrift: PRESUL EVERGERUS CUIUS SUM NOMINE SCRIPTUS. + HOS VOCAT ESSE SUOS DEVOTAMENTE PATRONOS (Bischof Everger , mit eigenem Namen geschrieben, ruft diese (Petrus und Paulus ) demütig an, daß sie seine Schutzpatrone seien). - Bei Lektionaren ist es üblich, den hl. Paulus als Autor vieler Episteln voranzustellen. Hier wird das Autorenbild durch Petrus erweitert. Wahrscheinlich geschieht das, weil Petrus der Patron des Kölner Domes ist. Der Bildtyp selbst geht zurück auf den seit frühchristlicher Zeit üblichen Bildvorwurf, der den Dialog zwischen Petrus und Paulus zeigt (Disputatio Apostolorum). Während die gräzisierenden Apostelnamen auf eine byzantinische Vorlage hinweisen, zeigt das Bild des Bischofs eine Verwandtschaft mit karolingischen Vorbildern. Im Gebetbuch Karls des Kahlen in der Schatzkammer der Münchener Residenz sieht man den Kaiser, wie er den Gekreuzigten anbetet. Die Farbfolge des Hintergrundes aus mehreren Streifen bis zur goldenen Inschrift auf Purpur in der oberen Bildhälfte ist in dieser Handschrift sehr ähnlich. Eine Federzeichnung, entstanden um 940-970, die Graf Dietrich von Friesland mit seiner Gemahlin abbildet, zeigt die gleiche Gebetshaltung wie die des Bischofs Everger (Den Haag, Koninklijke Bibliothek, Ms 76 F l).

    Außer dem doppelseitigen Widmungsbild enthält der Lektionar drei Initialseiten für die Lesung der Vigilmesse von Weihnachten. Hinzu kommt eine Textseite dieser Lesung in goldener karolingischer Kleinschrift, umrahmt von einer Leiste aus goldenen und silbernen Halbblättern, eingefaßt von zwei Goldstreifen. Das M vom Anfangswort (Multifariam) der Lesung der dritten Weihnachtsmesse ist durch besonders reiches Flechtwerk verziert, aber nicht gerahmt. Die Lesungen von Ostern und Pfingsten beginnen mit je einer Initialzierseite. Die übrigen Initialen sind in Gold gehalten, einen zusätzlichen Silberschmuck haben die Initialen der Lesungen vom Palmsonntag, von Christi Himmelfahrt und vom Fest des hl. Petrus. Die Initialen sind durch stark verschlungenes Flechtband mit Ranken, Blüten und Schnallen verziert. Goldleisten, goldenes und silbernes Ranken- und Blattwerk auf Pergamentgrund oder auch auf blauem oder purpurnem Grund dienen als Schmuck (Bll. 5v-6v). Die einfachen Textseiten sind in karolingischer Minuskel einspaltig mit 20 Zeilen beschrieben. Wiedergegeben sind die liturgischen Lesungen der Messen des ganzen Kirchenjahres einschließlich der Gemeinschaftsmessen (Commune) der Heiligen, vieler Votivmessen und Messen zu bestimmten Gelegenheiten. - Ein Besitzvermerk des Kölner Domes aus dem 15. Jh. steht auf Blatt 2r. Auf Blatt 158r steht in einer Handschrift des 10. Jhs. (?) der Name Reginhr mit anderer Tinte. Vielleicht ist das der Name des Schreibers. Der Einband der Handschrift entstammt dem 18. Jh. - Aus der Zeit des Bischofs Everger besitzt die Dombibliothek noch einen Kommentar des Hieronymus zu den kleinen Propheten mit einigen reich geschmückten Textinitialen (Cod. Metr. 53, Jaffé-Wattenbach, p. 16).

Einband

Der Einband der Handschrift entstammt dem 18. Jh.

Geschichte der Handschrift

Provenienz
Ein Besitzvermerk des Kölner Domes aus dem 15. Jh. steht auf Blatt 2r.

Bibliographie

  • Jaffé-Wattenbach, Nr. 143, p. 60.
  • Paul Clemen: Der Dom zu Köln. Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1. Band, III. Abteilung. Düsseldorf 1938 (2. Auflage), S. 391 f., Nr. 4, Fig. 317.
  • Peter Bloch und Hermann Schnitzler, Die ottonische Kölner Malerschule I, Düsseldorf 1967, S. 13-25 mit ausführlichem Literaturverzeichnis und Farbabb. I, II und Abb. aller Zierseiten.
  • Schulten 139.

Quellenangabe

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-14936
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-14936
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

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