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Titelaufnahme

Titel
Noyon-Psalter
ErschienenNoyon, um 1270
Umfang170 Blätter
Anmerkung
Handschrift auf Pergament
Herkunft des DigitalisatsErzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln, König-Hs. 1
Signatur König-Hs. 1
Online-Ausgabe
Köln : Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, 2022
URNurn:nbn:de:hbz:kn28-1-18180 
Links
Nachweis
Archiv METS (OAI-PMH)
Beschreibung

Signatur König 1
Inv. 2017/0259

Noyon-Psalter
Lateinischer Psalter für ein Mitglied der Benediktinerabtei Saint-Eloi in Noyon
Noyon, um 1270

Material
Pergament, 170 Blätter (je ein Vor- und Nachsatzblatt aus Pergament; alte Foliierung, die den Kalender auslässt, später getilgt); 165×110 mm; Lagen (mit Wortreklamanten): 112+1, 2–610, 710-1 (Blatt 64 heute als Blatt 73 eingebunden), 810, 910+1 (Blatt 73 heute zwischen Blatt 83 und 84 eingebunden), 10–1410, 156+1, 16–1710; Schriftspiegel: 99×68 mm; einspaltig; 21 bzw. 24 (Kalendar) Zeilen; Liniierung in Schwarz.
[ Anm. d. Red.: Die im Original falsch eingebundenen Blätter 64 und 73 sind im Digitalisat an den richtigen Stellen eingeordnet.]

Ausstattung
Lateinischer Text in schwarzer gotischer Buchschrift, rubriziert; Versalien rot gestrichelt; die Anfangsbuchstaben im Zeilenverlauf abwechselnd in Rot und Blau; zweizeilige Initialen in Rot und Blau auf Federwerk der Gegenfarbe, dazu ein Zierstab aus zweifarbigem Federwerk in voller Höhe des Textspiegels; die vom Schreiber des Textes in kleiner Kursive für den Schreiber der Anfangsbuchstaben und Initialen vorgeschriebenen Buchstaben vor allem in den Anfangsbuchstaben gut sichtbar; im Kalendar vierzeilige KL-Ligatur in Blau und Rot mit Federwerk der jeweiligen Gegenfarbe; die gewohnten Psalterteilungen mit acht großen, meist sechs- bis neun-, am Anfang zehnzeiligen Bildinitialen in Blau oder Purpurrot, gefüllt mit Bildmotiven vor blauem oder rotem Grund; ausstrahlend eine dreiteilige Zierleiste, die links, oben und unten um den Text greift; der Rahmen der Initialenfelder und eine Leiste am Rand jeweils aus hochpoliertem Blattgold, noch ohne Dornblatt, mit kraftvoll ausgreifenden zackigen Formen, die entschieden durch schwarze Tintenlinien umrandet sind; darauf unten wie oben Tiermotive und Mischwesen, die auch am senkrechten Rand spielen können.

Einband
Gebunden in roten Samt über den originalen Holzdeckeln; die mit Bildinitialen geschmückten Seiten durch Lederschildchen hervorgehoben; Goldschnitt; in einem von James Brockman, Oxford, signierten Buchkasten aus schwarzem Halbmaroquin; vier Scheinbünde mit der Aufschrift »LATIN PSALTER MS. NOYON C. 1270«.

Vorbesitzer
Vermutlich geschrieben für ein Mitglied der Benediktinerabtei Saint-Eloi in Noyon; 1905 bei Gruel in Paris für Henry James Thompson (Exlibris im Vorderdeckel) erworben, dessen Ms.LXXXII; Nr.291 in seiner Auktion bei Sotheby’s am 17.12.1908; C.H. St John Hornby, Shelley House, Chelsea, Ms.10; John Roland Abbey, J.A.3170, 16.9.1946; British Rail Pension Fund; J. Paul Getty jr.

Inhalt
1r Nachträge eines Nikolaus-Gebetes (in Bastarda) sowie französische Angaben zum Kalendar (in Kursive).
1v–13r Kalendar (vermutl. für die Benediktinerabtei St-Eloi in Noyon); in einer für monastischen Gebrauch üblichen Differenzierung nach insgesamt sieben verschiedenen Festgraden: Principale, Duplex, In capis, In albis, nach der Zahl der Lektionen (xii l[ectiones] bzw. xiii l[ectiones]) und Commemoratio; hervorgehoben: vor allem Bischof Eligius von Noyon am 14.5. Duplex, 25.6. Principale, 1.12. Principale, 8.12. Octav In albis; hl. Eunutius am 10.9. Duplex, 10.7. Translation In capis; zahlreiche weitere Einträge beziehen sich auf spezifische Kulte in Noyon bzw. auf Kapellen der Kathedrale von Noyon: 27.11. Translatio S. Acharii, 11.4. Godeberte v. xii l., 16.10. Mummoleni xii l., 20.6. Dedicatio capelle S. Pauli apostoli, 23.6. Dedicatio capelle S. Nicholai, 3.9. Dedicatio capelle S. Marie; im Übrigen sind die wichtigsten Heiligen aus dem Burgundischen.
13v leer.
14r–134v Psalter. 14r Ps 1. B(Eatus vir): harfespielender und gegen Goliath kämpfender David. 31r Ps 26. D(ominus illuminatio): gekrönter David vom nimbierten Samuel gesalbt. 42r Ps 38. D(ixi custodiam): David und Erscheinung Gottes. 52r Ps 51. Q(Uid gloriaris): Teufel im Gespräch mit Narren (eigentlich zum folgenden Psalm Dixit insipiens). 64r Ps 68. S(Alvum me fac): Gotteserscheinung und im Wasser stehender David. 78v Ps 80. E(Xultate): David, die Glocken eines Carillon spielend. 94r Ps 101. D(omine exaudi): drei Priester, vor einem Lesepult singend.
106v Ps 109. D(Ixit dominus): Trinität.
134v–143r Cantica.
143r Symbolum Athanasii. Q(uicumque vult).
144v Litanei (Eligius als doppelte Anrufung am Beginn der Bekenner; es folgen: Lupus, Eunutius, Silvester, Marcialis, Martin, Briccius, Ambrosius, Augustinus, Remigius, Nicolaus, Audoenus, Germanus, Medardus, Vedastus, Acharius, Remaclius, Amandus, Humbertus, Mummolenus, Gyselenus, Hieronymus, Benedictus, Maurus, Furseus, Egidius, Tillo.).
149r–150v Kollekten wie in früheren monastischen Psalterien.
151r–157v Samstagsoffizium der Jungfrau Maria (unspezifisch).
158r–168v Adventsoffizium.
169r–170r Totenmesse.
170v gereimtes Mariengebet (im 15.Jh. nachgetragen).

Literatur
Sir Sydney Cockerell, in: A Descriptive Catalogue of Twenty Illuminated Manuscripts in the Collection of H. Yates Thompson, Third Series, Cambridge 1907, Nr.LXXXII, S.50ff.
Leuchtendes Mittelalter II, Rotthalmünster 1990, Nr.10.
Ars vivendi – Ars Moriendi. Die Handschriftensammlung Renate König, hrsg. und bearb. von Joachim M. Plotzek, Katharina Winnekes, Stefan Kraus und Ulrike Surmann, München 2001, Kat.1, S.80–85.