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Evangeliar (sog. Hiltfred-Evangeliar) (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 13)

Bibliographische Beschreibung

Bezeichnung
Hiltfred-Evangeliar
Entstehungsort
Westfränkisch(?)
Entstehungszeit
1. Viertel 9. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
195 Blätter
Format
356 mm x 260 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-150 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 13
Alternative Signatur
Dom Hs. 13
Katalogsignatur
Jaffé/Wattenbach: XIII.
Frühere Signatur
Darmst. 2013
Katalogsignatur
Handschriftencensus Rheinland: 976
von-Euw: 2.
Schulten-1980: Kat. 4
Clemen: 2
Alternative Signatur
Köln, Dombibliothek Hs. 13
Katalogsignatur
HMML Microfilm-No.: 43,588
Frühere Signatur
"53"(?) (earlier shelf mark, f. 1r);
Alternative Signatur
"13" (bis) (shelf marks, f. 1r).

Überblickbeschreibung

Hiltfred-Evangeliar

Das Evangeliar ist nach Hiltfred benannt, der sich im Kolophon am Ende des Matthäusberichtes als Schreiber identifiziert (54r). Die drei weiteren Evangelien wurden dem Schriftbild nach von jeweils einem anderen Schreiber gefertigt. Offensichtlich war es nicht nur ihre Aufgabe, den Text nach einer Vorlage zu kopieren, sondern auch das Geschriebene korrigierend zu überarbeiten (scripsit et requivisit). Während im Matthäus-, Lukas- und Johannesevangelium relativ wenige Textänderungen nötig waren, lag dem Markusevangelium offenbar eine veraltete Textversion zugrunde, die der von Hieronymus (347/348-419/420) erarbeiteten Bibelübersetzung (Vulgata) angeglichen werden mußte. Diese Vorlage scheint insularen Ursprungs gewesen zu sein, denn dort und in insular beeinflußten Handschriften hat die verworfene Textfassung besonders häufig Spuren hinterlassen (z.B. Stockholm, Kungliga Bibl., A 135; Bibl. Vaticana, Barb. lat. 570; Maaseik, Evangeliar der Katharinenkirche; vgl. Fischer 1988-1991).

Die Autorenbilder scheinen dem Typus nach derselben Tradition zu entstammen. Frontal thronend präsentieren sie ihre geschlossenen Bücher und Schriftrollen, Johannes hebt sogar segnend die Hand. Weniger als schreibende Autoren, denn als repräsentierende Autoritäten sind sie ihren Schriften vorangestellt. Relativ selten in dieser Form überliefert, finden sie sich jedoch vergleichbar in der insularen Buchmalerei (z.B. Stockholm, Kungliga Bibl., A 135). Dort sind auch die in den Arkadenbogen versetzten Symboltondi mit und ohne erläuternde Beischrift (z.B. Trier, Domschatz, Hs. 134/61; Maaseik, Evangeliar der Katharinenkirche) bezeugt. Letztlich spiegeln sich darin italo-byzantinische Vorbilder, die im Gefolge der Missionierung von Italien aus nach England gelangt sind (von Euw, Evangelien 1989) und die auch in den Handschriften der Hofschule Karls des Großen (768-814) nachwirkten (Boeckler 1952/53). Die Autorenportraits von Dom Hs. 13 folgen alle demselben Typus, unterscheiden sich jedoch in der Ausführung. Sicherlich waren mehrere Buchmaler am Werk, doch scheinen sie auch verschiedene Modelle zu einem einheitlichen Zyklus verschmolzen zu haben. Da alle Evangelistenbilder auf Einzelblätter gemalt und anschließend in die Lagen eingebunden wurden, ist eine Identität von Schreibern und Malern unwahrscheinlich.

Die Handschrift enthält neben den vier Berichten über das Leben Jesu den Brief des hl. Hieronymus an Papst Damasus (366-384) Novum opus und seine Überlegungen zur Vierzahl der Evangelien Plures fuisse als Vorreden. Gleich doppelt erscheint der Prolog zum Matthäusevangelium, von denen einer mit Incipit canon überschrieben ist, also ursprünglich nicht an dieser Stelle vorgesehen war. Die Evangelienkonkordanz ist auf viereinhalb wenig dekorative Kanontafeln zusammengedrängt. Den Abschluß bildet das Fragment eines Perikopenverzeichnisses, das insgesamt eher den Eindruck einer Federprobe macht. Dennoch scheint das Evangeliar in der Liturgie verwendet worden zu sein, denn vor allem am Rand des Matthäustextes findet sich eine Reihe von Perikopenvermerken in einer Kurzschrift (tironische Noten). Sie beschränken sich allerdings auf die Zeit nach Weihnachten.

Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 70-73 (Ulrike Surmann)

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-150
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-150
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation