Smaragdus S. Michaelis: Commentarius in Psalmos (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 5)
Bibliographische Beschreibung
Überblickbeschreibung
Smaragd von Saint-Mihiel: Psalmenkommentar
Als eine von nur zwei erhaltenen Handschriften, die den Psalmenkommentar des Smaragd überliefern, kommt Dom Hs. 5 eine besondere Bedeutung zu (neben Berlin, Staatsbibl. PK, Ms.lat. fol.755). Noch bevor er etwa im Jahre 809 Abt der lothringischen Benediktinerabtei Saint-Mihiel wurde, hatte Smaragd (gest. nach 825) die dieser Handschrift zugrunde liegende exegetische Schrift verfaßt, in der er hauptsächlich den Psalmenkommentar des Cassiodor (um 485-um 580) verkürzend kompilierte (206r als Quelle benannt). Smaragds Auslegung, in deren Mittelpunkt die Trinität steht, neigt zur Betonung des moralischen Schriftsinns unter leichter Vernachlässigung des wörtlichen und historischen Aspektes (Rädle 1974). Die Strukturierung des Textes durch Initialen folgt der für den Psalter üblichen Dreiteilung (Ps 1, 51, 101), die mit der an der Textauswahl des Stundengebetes orientierten Gliederung (Ps 1, 26, 38, [52], 68, 80, [97], 109) kombiniert wird. Das überlieferte Widmungsgedicht besagt, daß ein vielleicht für den karolingischen Hof gedachtes Originalexemplar prachtvoll ausgestattet war (Rädle 1974). Im Initialschmuck von Dom Hs. 5 haben sich keine Spuren davon erhalten, wenn sich auch ein gewisser Anspruch aus der Initialzierseite ableiten läßt, die durch die verwendete Schriftform und die doppelte, nicht ornamentierte Rahmung sehr monumental wirkt. Das nachträglich mit Minium konturierte, von der Oxidation des grünen Bolus bedrohte goldene Rankenflechtwerk mit den züngelnden Blättern und den Minium-Pünktchen dieser und der übrigen Initialen entspricht dem der Kölner Domschul-Handschriften aus der Everger-Zeit (Dom Hs. 143, Kat.Nr.80 und Dom Hs. 53). Der Schriftduktus und das sich langsam zur rankenden Pflanze entfaltende Flechtwerk (z.B. 28r) legen jedoch eine Datierung zu Beginn des 11. Jahrhunderts nahe, etwa gleichzeitig mit dem vor 1021 wohl in Trier oder Echternach entstandenen Wolbodon-Psalter in Brüssel (Bibl. Royale, Ms.9188-9189).
Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 225-225 (Ulrike Surmann)
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