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Chirius Fortunatianus. Aurelius Augustinus. Gaius Marius Victorinus. Censorinus (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 166)

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Lehrtexte zur Grammatik, Rhetorik und Dialektik
Entstehungsort
Kontinentales Skriptorium unter insularem Einfluß
Entstehungszeit
2. Hälfte 8. Jh. (?)
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
262 Blätter
Format
287 mm x 205 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-2212 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 166
Katalogsignatur
Jaffé/Wattenbach: CLXVI.
Frühere Signatur
Darmst. 2191
Katalogsignatur
Handschriftencensus Rheinland: 1120

Überblickbeschreibung

Lehrtexte zur Grammatik, Rhetorik und Dialektik

Die Handschrift ist für ein Schulbuch mit spätantiken Autoren des 'Triviums', der sprachlichen Fächer aus dem Lehrprogramm der 'Sieben Freien Künste', vorzüglich angelegt, ebenso ausgeführt und erhalten. Beim Lesen der Unzialschrift entdeckt man mehrere gleichgeschulte Schreiber, wahrscheinlich insularer Ausbildung, wofür die Einrichtung (vorwiegend Vellum = Kalbpergament, Zirkelstiche auf jeder Seite) und u.a. auch die mit Minium umpunkteten Initial-Majuskeln des Buches sprechen. Titel und Auszeichnungsschriften haben dagegen kontinentalen Charakter, was auf ein Skriptorium des Festlandes schließen läßt ( CLA VIII 1959, 1160). Die noch nicht ermittelte frühkarolingische Schreibschule muß in einem Zentrum hohen geistigen Anspruchs gearbeitet haben, denn die Auswahl der Texte spätantiker profaner Autoren, unter die auch der hl. Augustinus (354-430) eingereiht ist, dürfte in der Textüberlieferung außergewöhnlich sein. Hier nimmt Dom Hs. 166mit ihren in den Text eingefügten Diagrammen die erste Stelle ein. Als deren früheste Kopie konnte die Forschung (zuletzt Bischoff 1989, S. 74f.) den Palatinus latinus 1588 (Rom, Bibl. Vaticana) ermitteln, der im 1. Drittel des 9.Jahrhunderts im karolingischen Reichskloster Lorsch entstand. Wahrscheinlich wurde Dom Hs. 166 zwecks Abschrift dorthin ausgeliehen und im 2. Drittel des 9.Jahrhunderts von der Kölner Dombibliothek erworben, wo sie der Bibliothekar mit dem Vermerk LIBER SANCTI PETRI versah.

Unter den spätantiken Autoren ist Gaius Chirius Fortunatianus, ein römischer Grammatiker des 4.Jahrhunderts, mit seiner Kunst der Rhetorik als erster vertreten (I). Die darin enthaltenen, wie Stammbäume angeordneten Diagramme, deren Haupt- und Unterbegriffe alle eingekreist sind, dienen vorzugsweise der Mnemotechnik (Gedächtnisstützung). Wenn in diesem Buch danach die Grundbegriffe der Rhetorik und Dialektik des hl. Augustinus folgen (II), ist daran zu erinnern, daß der Kirchenvater vor seiner Bekehrung zum Christentum im Jahr 383 die Stelle eines städtischen Rhetoriklehrers in Mailand antrat. Wie Augustinus stammte Gaius Marius Victorinianus, sein Zeitgenosse, aus Afrika. Er genoß in Rom als Grammatiker, Rhetor und Philosoph so hohen Ruhm, daß seine Ehrenstatue auf dem Trajansforum aufgestellt wurde; nach seinem Übertritt zum Christentum 362 schloß man seine Schule. Er ist in Dom Hs. 166mit seinem Kommentar zur Rhetorik des Marcus Tullius Cicero (106-46 v.Chr.) vertreten (III). Der letzte Text der Handschrift - mit nachhaltiger Wirkung auf die mittelalterlichen Lehrer - stammt von dem römischen Grammatiker Censorinus (3.Jh.). Dieser widmete im Jahre 238 einem Q. Caerellius zum Geburtstag eine Schrift mit dem Titel 'De die natali' (IV), "eine gelehrte Sammlung aller Tatsachen, Nachrichten und Fragen, die sich mit dem Thema Geburtstag nur irgendwie in Beziehung bringen lassen: Ursprung des Menschengeschlechts, Zeugung und Geburt, astrologische Fragen, Zahlenmystik, schließlich Zeit und Zeitrechnung" (Kroh 1972). Von Bedeutung ist zudem das sog. 'Fragmentum Censorini' (IV), das der humanistische Bearbeiter von Dom Hs. 166 Ludovicus Carrio (gest. 1595), im Jahre 1583 erster Herausgeber des Censorinus-Textes, am Rand in fünfzehn Kapitel einteilte. Der Inhalt bietet u.a. die Beschreibung des Himmels, die Carrio mit einer kleinen Zonenkarte (256v) kommentierte, der Fixsterne und Planeten, der Erde, Erdvermessung (Geometrie), Musik und Metrik (Versmaße).

Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 125-126 (Anton von Euw)

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-2212
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-2212
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation