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Komputistische Sammelhandschrift (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 102)

Bibliographische Beschreibung

Handschriftentitel
Kalendar, Osterzyklus mit Annalen und Werke des Beda Venerabilis
Entstehungszeit
10. Und 11. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
99 Blätter
Format
290 mm x 220 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-510 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 102
Katalogsignatur
Jaffé/Wattenbach: CII.
Frühere Signatur
Darmst. 2102
Katalogsignatur
Handschriftencensus Rheinland: 1066

Überblickbeschreibung

Kalendar, Osterzyklus mit Annalen und Werke des Beda Venerabilis

Kalendar (I) und 'Cycli decemnovennales' (Osterzyklen) (III) mit an den Rand geschriebenen Annalen (IV) bilden kodikologisch und paläographisch eine Einheit, ausgezeichnet durch die schöne Schrift, die im Annalenteil kleinste Form annimmt. Titel und Überschriften in Minium und Grün beleben die Zahlen- und Wortkolumnen dieses Teils. Das Kalendar (I) fußt auf einer alemannischen, wahrscheinlich einer Reichenauer Vorlage (Benedikt, Genesius, Georg, Markus, Valens, Kilian, Reginswind, Papst Stephan, Pelagius, Verena, Felix und Regula, Gallus, Pirmin, Kolumban), die mit Heiligen und den Orten ihrer Verehrung aus dem Westfrankenreich (Paris-Dionysius, Tours-Martin) erweitert ist. Daß der Weihe des Kölner Petrusdomes am 27. September und dem Fest des hl. Kunibert am 12. November, ebenfalls von erster Hand, das Wort Colonie mitgegeben ist, läßt die Annahme zu, es sei für Köln geschrieben worden. Dennoch ist es mit den anderen bekannten Kölner oder für Köln adaptierten Kalendarien der Zeit um 1000 - wie etwa mit dem des Sakramentars von St. Gereon (Paris, Bibl. Nat., Lat. 817; Bloch/Schnitzler I 1967, S. 121ff., Abb. 81ff.) - oder dem der Dom Hs. 45 (Kat.Nr.40) nicht vereinbar. Das gleiche gilt für die Annalen am Rand des 'Cyclus decemnovennalis' (IV), die in ihrem Grundbestand ebenso alemannischer Herkunft sind, was schon die alten Editoren (Jaffé/Wattenbach 1874) bemerkten (823 Visio Wettini des Walahfried Strabo [808/809-849]). Erste annalistische Einträge für Köln finden sich erst auf Folio 18v zum Jahr 953, dem Todesjahr Erzbischof Wichfrieds (924-953) und zum Amtsantritt seines Nachfolgers Bruno (953-965). Es folgen wieder von verschiedenen Händen die Nachträge für Poppo (= Folkmar, 965-969), Gero (969-976), Warin (976-985), Everger (985-999), Heribert (999-1021) und Pilgrim (1021-1036), dessen Todesdatum aussteht. Daraus kann man folgern, daß Kalendar und Cycli mit Annalen möglicherweise schon zu Brunos Zeiten nach Köln kamen. Auch die Daten der Reichsgeschichte können darauf hinweisen, brechen sie doch im Original mit dem Tod Liudolfs, Herzog von Schwaben und Sohn Ottos I. (936-973), im Jahr 957 ab. Die weiteren bis zum Jahr 1028 (Königswahl Heinrichs III.) geführten Einträge der Reichsgeschichte stammen ebenso von jüngeren Händen.

Gegen diese Einheit der Teile I-IV heben sich die nachfolgenden Texte ab. Sie sind von mehreren Händen in großer Schrift geschrieben und enthalten zum Teil nur noch fragmentarisch Werke des Beda Venerabilis (673/674-735). Anscheinend sollte Dom Hs. 102 eine ottonische Neuauflage der karolingischen, unter Erzbischof Hildebald (vor 787-818) im Jahr 795 geschriebenen Dom Hs. 103 sein (Kat.Nr.23).Jedenfalls ist Teil IX in Dom Hs. 102mit den unechten Akten der unter Papst Victor I. (189-um 199) abgehaltenen römischen Synode von Dom Hs. 103 kopiert, was bedeutet, daß die Handschrift in Köln fortgeschrieben wurde. Wann die Lücken entstanden, die Bedas 'De temporum ratione' (vgl. Dom Hs. 103) zum Fragment machten (V, VII), ist nicht bekannt. Einmalig schiebt sich jedoch zwischen den zeitrechnerischen (V) und den historiographischen (VII = Chronica maiora) Teil des Werkes der Beda zugeschriebene 'De tonitruis libellus' (Büchlein von den Gewittern). Nach Jones (1939, S. 46) bringt ihn Dom Hs. 102 als Unikum. Die alsdann mit Lage 8 einsetzenden 'Chronica maiora' Bedas (VII) sind wieder vollständig erhalten, in der Schrift jedoch etwas kleiner als die vorangegangenen (V-VI) und nachfolgenden Abschnitte (VIII-IX). Ähnlich wie Dom Hs. 103, aber nicht übereinstimmend, bringt auch Dom Hs. 102 Computusregeln.

Insgesamt gewinnt man den Eindruck, die Handschrift vereine zwei zeitlich und örtlich verschiedene Teile (I-IV; V-IX), wobei der ältere (I-IV) als Import der 2. Hälfte des 10., der jüngere als Produkt der Kölner Domschule des 11.Jahrhunderts betrachtet werden könnte.

Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 313-314 (Anton von Euw)

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-510
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-510
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation