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Collectio canonum Hibernensis et al. (Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 210)

Bibliographische Beschreibung

Sammeltitel
Kirchenrechtliche Sammelhandschrift
Entstehungsort
Nordostfrankreich
Entstehungszeit
2. Hälfte 8. Jh.
Beschreibstoff
Pergament
Umfang
151 Blätter
Format
215 mm x 151 mm
Persistenter Identifier
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-921 Persistent Identifier (URN)
Weitere Angaben
Land
Deutschland
Ort
Köln
Sammlung
Dombibliothek
Signatur
Cod. 210
Katalogsignatur
Jaffé/Wattenbach: CCX.
Frühere Signatur
Darmst. 2178
Katalogsignatur
Handschriftencensus Rheinland: 1155

Überblickbeschreibung

Kirchenrechtliche Sammelhandschrift

Die kirchenrechtliche Sammelhandschrift besteht aus einer nicht gegliederten Zusammenstellung von Canones (Konzilsbeschlüssen), die nach verschiedenen Quellen exzerpiert wurden. Die erste Sammlung (I) hat viele Gemeinsamkeiten mit der 'Collectio Hibernensis', einer Sammlung irischer Herkunft, und kann als ein Auszug daraus bezeichnet werden (Mordek 1975). Wie schon Finsterwalder (1929) zeigte, kommt als Vorlage das Werk des Discipulus Umbrensium in Frage, das seinerseits mit dem Poenitentiale des (Pseudo-)Theodor von Canterbury (gest. 690) zusammenhängt. Zu dieser "Theodor-Überlieferung" gehört auch Teil II, der vor allem Bestimmungen über die kirchliche Ordination (Ämterbestellung) enthält, die u.a. auf den Konzilien von Orange (441), Karthago (418), Agde (506) und Chalkedon (451) geregelt wurden (Finsterwalder 1929, S. 74). Ähnlich verhält es sich mit Teil III, der unter dem Gesichtspunkt der Bußordnung angelegt ist. Schon Wasserschleben (1885, S.XXVf.) nahm an, daß die Sammlung "nicht in Irland, sondern im fränkischen Reiche verfaßt" sei, was Handschriften dieses Typs in Cambrai und Chartres bekräftigen (Mordek 1975).

Lowe ( CLA VIII 1959, 1161) vermutete die Entstehung von Dom Hs. 210 in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts in einem nordwestfranzösischen Skriptorium (Cambrai?), das in Kontakt mit insularen Zentren stand. Auf einen Entstehungsort in Frankreich weist auch die Initialornamentik der Handschrift, mit in den Buchstabenkörper integrierten gegenständigen Fischen (31v) oder Vögeln (97v, 105r). Beide Formen stammen aus dem Repertoire der merowingischen Buchmalerei. Fast gegensätzlich dazu verhalten sich die Zierbuchstaben der ersten Zeile von Folio 2r sowie eine Reihe nachfolgender Initialen, deren einfache Buchstabenkörper mit Folgen von jeweils drei pergamentausgesparten Kreisen und dünnen goldenen Balken gefüllt sind. Sie vertreten in gewisser Weise einen eigenen Stil und sind zumeist mit Büstenbildnissen im Profil oder en face gefüllt. Nordenfalk (Die spätantiken Zierbuchstaben, Stockholm 1970, S. 144f., 220, Abb. 35) fand entsprechende Beispiele in den Paulusbriefen der Codices Clm 6234 der Bayerischen Staatsbibliothek (München), entstanden zu Beginn des 6. Jahrhunderts in Afrika oder Spanien, und Ms.10 B. 4 im Rijksmuseum Meermanno-Westreenianum (Den Haag), das ebenso Initialen mit stilistisch unserer Handschrift verwandten Brustbildern enthält ( CLA X 1963, 1572a; Suppl. 1971, S. 79). Lowe sah auch diese Canonessammlung in Nordfrankreich in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden. Bischoff folgte ihm (1981, S. 17f. Anm.57) und präzisierte auf Nordostfrankreich (Umkreis von Reims).

Überblickbeschreibung aus: Glaube und Wissen im Mittelalter. Katalogbuch zur Ausstellung, München 1998, S. 116-117 (Anton von Euw)

Impressum
Herausgeber
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Redaktion
Im Rahmen des DFG-Projekts CEEC bearbeitet von Patrick Sahle; Torsten Schaßan (2000-2004)
 
Bearbeitung im Rahmen des Projekts Migration der CEEC-Altdaten von Marcus Stark; Siegfried Schmidt; Harald Horst; Stefan Spengler; Patrick Dinger; Torsten Schaßan (2017-2019)
Ort
Köln
Datum
2018
URN
urn:nbn:de:hbz:kn28-3-921
PURL
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:kn28-3-921
Lizenzangaben

Die Bilder sind unter der Lizenz CC BY-NC 4.0 veröffentlicht

Diese Beschreibung und alle Metadaten sind unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht

Klassifikation